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Sechzig Jahre Economy Class : Ziehen Sie den Bauch ein!

  • -Aktualisiert am

Bild: Greser & Lenz

Mit Einführung der Economyclass wurde vor sechzig Jahren die Luftreise erstmals für das breite Publikum erschwinglich. Richtig streng waren die Essensvorschriften. Doch sie ließen ein Schlupfloch für den Wettbewerb.

          5 Min.

          Früher war nicht alles besser – schon gar nicht, wenn es um erschwingliches Reisen geht. Flugreisen waren sogar noch nie so billig wie heute. Angefangen hat diese Entwicklung vor sechzig Jahren, als im August 1958 offiziell die „Economyclass“ im Weltluftverkehr eingeführt wurde. Dazu trug auch der legendäre „Sandwich-Krieg“ bei. Der musste ausgefochten werden, um die buchstäblich abgehobenen Fluglinien auf den Boden der Tatsachen zu holen. Sie überschütteten zu jener Zeit wenige betuchte Reisende mit Luxus und waren, weil sie das breite Publikum ausschlossen, hoffnungslos unwirtschaftlich.

          „Es herrschte eine ,First–Class-Mentalität‘“, so der britische Sozialhistoriker Kenneth Hudson, „es waren immer Staatsgelder verfügbar, um die jährlichen Verluste auszugleichen, es gab keine Anreize zur Wirtschaftlichkeit, keinen Grund, Maßnahmen zu ergreifen, die daraus ein Geschäft gemacht hätten, die internationale Luftfahrt wurde auf einem völlig unnötig opulenten Niveau betrieben.“

          Nach Kriegsende entwickelte sich Anfang der fünfziger Jahre schnell der Passagierluftverkehr vor allem über den Nordatlantik. Die Verbindung zwischen Europa und Amerika war schon damals eine der lukrativsten Routen auf der Welt. Man fuhr die Strecke üblicherweise noch mit dem Schiff: 1951 taten dies knapp 800.000 Passagiere. Rund 350.000 Reisende überquerten den Ozean im gleichen Jahr dagegen schon im Flugzeug – in dröhnenden, propellergetriebenen Ungetümen wie der Lockheed Super Constellation oder der Douglas DC-6. Zwei Zwischenlandungen zum Auftanken waren normal, und die Flugreise dauerte über 16 Stunden. Das Schiff benötigte von Bremerhaven rund eine Woche.

          Billig war beides nicht. Auf der „Queen Mary“ kostete 1951 die günstigste Reise von England nach New York ab 330 Dollar in der Touristenklasse pro Strecke, was nach heutigen Preisen 2700 Euro entspricht. PanAm verlangte für den Flug 270 Dollar (heute 2150 Euro). „In den fünfziger Jahren zahlte der Durchschnittsbürger rund fünf Prozent seines Jahreseinkommens selbst für einen kurzen Flug“, weiß Guillaume de Syon, Professor und Luftfahrtexperte. Heute sind Flüge von Berlin nach New York via Island etwa beim Billigflieger WOW Air schon ab 145 Euro pro Strecke buchbar.

          Mit üppig belegten Brötchen führte SAS den sogenannten „Sandwich-Krieg“.
          Mit üppig belegten Brötchen führte SAS den sogenannten „Sandwich-Krieg“. : Bild: SAS

          Dafür, dass solche Preise heute möglich sind, kämpften die Sandwich-Krieger schon 1957. Schuld war das internationale IATA-Kartell – und die Amerikaner. Denn die rund 30 Prozent günstigere Touristenklasse mit ein paar Einschränkungen beim Komfort konnte die riesige Nachfrage nach billigeren Tickets nicht befriedigen, war aber auch immer noch zu teuer. Während Lufthansa für die First-Class-Passage von Frankfurt nach New York und zurück genau 3579 Mark (heute 7950 Euro) verlangte, kostete die Reise in der Touristenklasse „nur“ 2672 Mark (heute 5900 Euro). Der 1958 eingeführte Economy-Tarif betrug 2195 Mark (heute 4900 Euro) – während das Brutto-Jahresgehalt eines ledigen Durchschnittsbürgers in Deutschland damals umgerechnet knapp über 3000 Euro erreichte.

          Drei Jahre nach dem Start der Touristenklasse lagen 1955 die Schiffe als Verkehrsmittel über den Atlantik immer noch vor den Flugzeugen, deren Anteil aber auf 46 Prozent gestiegen war. Der Luftfahrtbranche war klargeworden, dass sie die Ozeanriesen beim Preis unterbieten musste. Doch damals wachte die Linien-Luftfahrtorganisation IATA, „das größte private Kartell aller Zeiten“, wie Kenneth Hudson sie nennt, akribisch darüber, dass keine Fluggesellschaft ihre Mitbewerber ausstach. Weder beim Flugpreis, der für alle Anbieter auf einer Strecke gleichermaßen verbindlich galt, noch beim Produkt. Während in der First Class keine Beschränkungen griffen, wurde aus Angst, es könnten zu viele Passagiere auf die billigeren Plätze abwandern, 1957 für die neue Economyclass alle Details verbindlich festgelegt.

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