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Schwedisch-Lappland : Anhalten, wenn der Schnee-Enzian blüht

  • -Aktualisiert am

Ganz nah am Polarkreis: Hoch im Norden ist der Sommer kurz, aber meistens sonnig. Bild: Kirsten Panzer-Gunkel

Weite Seen, weite Wiesen, weite Wälder: In den schwedischen Fjälls ist alles groß. Nur die Pferdchen nicht, auf deren Rücken man die Gegend auf die schönste Weise erkunden kann.

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          Feste gelbe Haushaltshandschuhe stehen auf der Packliste, markiert als besonders wichtig und praktisch. Jetzt leuchten sie noch einmal auf, bevor die abgewetzten Packsäcke fest verschnürt werden. „Ihr müsst darauf achten, dass der Knoten leicht zu lösen ist, auf Slip gelegt klappt das auch noch mit nassen, klammen Händen oder wenn er sich doch mal zu fest zugezogen hat“- das ist die letzte Anweisung von unserem schwedischen Guide Malin. Ein strammer Zug, und dann die Rolle sorgfältig ausbalancieren. Der Schwerpunkt soll in der Mitte liegen, starre, scharfkantige Gegenstände in den Tiefen verpackt sein. Es muss bequem sein - vor allem für die Pferde, mit denen wir uns in die weite Berglandschaft Schwedisch Lapplands aufmachen, in eines der größten Naturschutzgebiete Europas, dem Vindelfjäll.

          Knapp fünfzig Kilometer sind es noch bis zum Polarkreis, dreißig vielleicht bis zur norwegischen Grenze, die in den Skanden, dem Skandinavischen Gebirge, verläuft. Dort bleibt meist auch das schlechte Wetter. Die Wolken ziehen vom Ozean herüber und regnen sich vor der Gebirgskette in Norwegen ab, hier in der Gemeinde Sorsele im Norden der Provinz Västerbotten herrscht meist eitel Sonnenschein. Der lockt die nördlichen Nachbarn oft nach Schwedisch-Lappland, zum Reiten, Angeln oder Skifahren.

          Lieber ins Gefängnis als von Mücken zerstochen

          Noch liegt kein Schnee und geangelt wurde bereits vor dem Wanderritt - um auf Nummer sicher zu gehen, falls es oben an den Bergseen der Fjälls mit dem Fischen nicht recht klappen sollte. Der Weg hinauf in den Norden hin zum alten Samendorf Ammarnäs, dem Ausgangspunkt für die Reittouren durch die Fjälls, folgt dem Vindelälven, einem der letzten großen Flüsse Nordschwedens, der seiner Wildheit nicht zur Energiegewinnung beraubt wurde. Der Älv, was Fluss oder Strom auf Schwedisch bedeutet, fließt ungezähmte 445 Kilometer lang aus den Bergen hinab in Richtung Südost, in Richtung Bottnischer Meerbusen. Dank seines Fischreichtums zählt er zu den beliebtesten Angelrevieren nicht nur der Gemeinde Sorsele, die es ihrem Fluss gleichtut und sich bis hinter das Straßenende in Ammarnäs scheinbar endlos in die Länge streckt. Der Vindelälven formt sich hier zum ruhigen See.

          Selbst für den Anschluss an die kriminale Weltgeschichte ist gesorgt - Brännholmen ist das Alcatraz von Lappland. Einst lebte auf dieser kleinen Insel mitten im seeweiten Fluss ein Polizeibeamter, der dienstbeflissen sogleich ein eigenes Inselgefängnis baute. Sein einziger Gefangener, ein Elchjäger, floh übers Wasser, schwimmend. Doch die Flucht ist ihm nicht gut bekommen. Zwei Wochen später wurde er im nächsten Tal gefunden, vollkommen zerstochen und dankbar für die Rettung vor der Mückenplage. Die stechenden Biester gibt es natürlich noch immer, doch heute stecken entsprechende Gegenmittel in der Hosentasche, stets sprühbereit und äußerst wirksam.

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