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Schweden : Bunte Blumen auf dem Leib

  • -Aktualisiert am

Liebevolle Handarbeit: Kein Pferdchen gleicht dem anderen. Bild: Kristen Bennig

Die schwedischen Pferdchen, die es auch auf unserer Weihnachtsmärkten gibt, kommen aus Nusnäs in der Landschaft Dalarna. Dort kann man zuschauen, wie sie geschnitzt und bemalt werden.

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          Schwungvoll landet eine Kiste frisch geschnitzter Dalapferdchen auf dem Tresen der Werkstatt. Der Schnitzer nimmt sich Kekse und schenkt sich einen Kaffee ein. Dann stapft er ins Kontor, um seine Lohntüte zu holen. Er ist Sozialarbeiter in Mora am Siljansee in der Landschaft Dalarna. "Wir zahlen bar", flachst Bertil Grund, einer der drei fest angestellten Schnitzer in der Pferdeschnitzerei "Grannas Olsson Hemslöjd" in Nusnäs. "Der Bank vertrauen wir das Geld nicht an." Mit der Schieflage der Banken freilich hat das nichts zu tun, es ist hier immer schon so gewesen. Lohnarbeiter brauchen das Geld meistens sofort.

          Dalarna war einst die "Streusandbüchse" Schwedens, der Sandboden gibt nicht viel her. Felder sieht man wenige. Es dominieren Kiefernwälder und Weiden. Hier und dort grasen Schafe und Pferde. Jahrhundertelang waren die Menschen arm, bis sie erkannten, dass man mit dem roten Sandstein der Region schöne Gebäude errichten und mit Kiefernholz kunstvoll arbeiten kann - irgendwann entstanden die bunten Holzpferdchen, die zu Weihnachten schon lange nicht mehr nur in Schweden auf Märkten angeboten werden.

          Hundert Jahre altes Holz

          Nils Wallin, ein anderer der drei fest angestellten Pferdeschnitzer, sucht im Sägewerk von Mora Holz aus. Kleine Holzstücke springen von weit oben, dort, wo Bäume zu Brettern zugeschnitten werden, auf ein Fließband herunter. Das Sägewerk verwendet sie nicht. Trotzdem seien sie teuer, ruft Wallin in den Lärm. Ein Kubikmeter koste knapp vierzig Euro. Die Stücke, die Wallin aussucht, müssen mindestens siebzehn Zentimeter lang sein, außerdem dürfen sie möglichst keine Astlöcher haben. Das Holz muss über hundert Jahre langsam gewachsen sein, zu erkennen an den eng eng beieinanderliegenden Jahresringen. Diese Qualität erreicht ein Waldbesitzer, wenn die Kiefern eng beieinanderstehen und der Boden arm an Nährstoffen ist. Dann schießt der Baum nicht in die Höhe, sondern bildet durch langsames Wachsen gutes Kernholz. Zwei Stunden dauert es, bis Wallin seinen Kubikmeter Holz beieinanderhat.

          Kinder lieben die Dalarna-Pferdchen
          Kinder lieben die Dalarna-Pferdchen : Bild: Kristen Bennig

          Zurück in der Werkstatt der Pferdeschnitzerei glätten Nils Wallin und Bertil Grund gemeinsam das Holz. Dann wird die Fläche mit den Umrissen von Pferden gestempelt, so dass das Tier nun mit der elektrischen Bandsäge herausgearbeitet werden kann. Einen Finger hat er sich noch nicht abgesägt, Blut fließt eher beim Schnitzen. "Ich schneide mich, wenn mich Touristen ansprechen", sagt Wallin.

          Kaffeepause, wenn Mähne und Ohren fertig sind

          Um sich die Arbeit zu erleichtern, trickst er und weicht hartes Holz in Wasser ein. Beim Schnitzen fühle es sich dann an, sagt er, als schäle man eine Kartoffel. Grundsätzlich geht es darum, die Ecken zu runden, um dem Pferd eine natürlichere Gestalt zu verleihen. Jedes Bein bearbeitet er mit drei Schnitten, so dass es relativ breit bleibt. An schwierigen Rundungen, etwa dem Hals, kerbt er das Holz ein, damit es beim Schnitzen nicht bricht. Den Daumen auf der Klinge, führt er das Schnitzmesser von der Kerbe aus vom Körper weg in Wuchsrichtung. Die Unterseite wird mit fünf, sechs Schnitten gerundet. Zwei bis drei Mal führt er dann das Messer über den Kopf. Nach kurzer Zeit sind auch Mähne und Ohren fertig. Dann gönnt er sich eine Kaffeepause, Zeit zum Erzählen. Gestern, gesteht er, habe er nur zwei Stunden gearbeitet. Er habe am Siljan geangelt, wo es momentan viele Forellen gebe, weil im vorigen Jahr das Netz einer Fischfarm kaputtgegangen sei. Nach einer halben Stunde geht es weiter. Jetzt kommen die Feinarbeiten mit der Messerspitze. Das Pferd hat am Ende keinen ausgearbeiteten Kopf, nicht einmal einen Schwanz. Die Handarbeit soll erkennbar bleiben.

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