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Deutsche Farbenlehre (7) : Pechblende für den Weltfrieden

Glück auf, Kumpel: Im schwarzen Berg liegt pechschwarzes Uranerz. Doch geöffnet ist die Grube nur noch für Besucher. Bild: Andrea Diener

Schwarzenberg, die selbsternannte Perle des Erzgebirges, erscheint unspektakulär. Unter der Erde jedoch liegen Schätze, die immer wieder Begehrlichkeiten wecken.

          Die aufregendste geschichtliche Epoche des Städtchens Schwarzenberg dauerte genau 42 Tage. Deutschland kapituliert, der Zweite Weltkrieg ist zu Ende, die Besatzungsmächte rücken ein, von Osten die Sowjets, von Westen die Amerikaner, und irgendwo noch ein paar Franzosen und Briten, aber die sind gerade nicht so wichtig. Die alten Strukturen und Machtverhältnisse lösen sich auf, neue werden schnellstmöglich aufgebaut. Nur in einem kleinen Landkreis im Erzgebirge rund um Aue und die Kreisstadt Schwarzenberg rückt niemand ein. Das Gebiet bleibt unbesetzt, und bis heute weiß niemand, warum.

          Vielleicht, so eine Theorie, verwechselten die Besatzungsmächte auf ihren Landkarten die Flüsse, denn es gibt die östliche Freiberger Mulde und die westlicher gelegene Zwickauer Mulde. Vielleicht waren sie sich unsicher, ob die westliche oder östliche Grenze des Landkreises gemeint war. Vielleicht wollten sie einen neutralen Korridor schaffen, um Beute abzutransportieren oder versprengte Wehrmachtsgrüppchen dort einzukesseln. Oder man wurde sich nicht recht einig über das Gebiet, in dessen Boden unschätzbare Werte ruhten. All das sind nur Mutmaßungen, und sie laden zu weiteren Mutmaßungen ein.

          Nach Schwarzenberg muss man wollen

          Aber von vorne. Schwarzenberg liegt im Erzgebirge nahe der tschechischen Grenze, und die Zugfahrt von Frankfurt aus mit diversen Regionalbahnen über Leipzig und Zwickau dauert ungefähr so lange wie ein Flug nach New York. Man muss wirklich hinwollen, zufällig kommt dort keiner vorbei. Vor allem nicht, seit die Glanzzeit der benachbarten Kurorte Karlsbad im Süden und Bad Schlema im Norden so vorüber ist wie die Glanzzeit der meisten anderen mitteleuropäischen Kurorte auch. Bad Schlema müht sich zwar wieder sehr, sich als Radonbad zu profilieren, aber für unsere heutigen Ohren klingt eine Berührung mit Radioaktivität schlichtweg nicht mehr ganz so heilsversprechend wie Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, als man für den strahlenden Teint noch Uran in Gesichtscremes mischte.

          Jahrhundertelang werkelten die Menschen in Schwarzenberg denn auch ziemlich ungestört vor sich hin. Oben auf dem hohen Felsrücken steht die Stadt mit dem mittelalterlichen Jagdschloss und der barocken Sankt-Georgen-Kirche, umflossen in einer Schleife von einem Flüsschen namens Schwarzwasser, das aber entgegen seinem Namen rotbraunes Wasser führt, weil es über Granitfelsen den Fichtelberg herabspringt. Unten im Tal siedelten sich später Handwerksbetriebe an, im neunzehnten Jahrhundert wurde fleißig industrialisiert, und Hammerwerke säumten den Fluss. Viele Menschen arbeiteten auch unter Tage, in den Tiefen des Felsgesteins, und förderten Erz und Silber. Schwarzenberg war eine Stadt der Kleinindustrie, und so ziemlich jede Kultur, die hier entstand, lässt sich irgendwie auf den Bergbau zurückführen. Bis heute begrüßt man sich selbstverständlich mit dem bergmännischen Gruß „Glück auf!“. Dieser Gruß steht eingeklöppelt in jedem zweiten Wirtshausvorhang, gegossen auf jedem dritten Zinnkrug und geschnitzt über der Einfamilienhaustür. Glück auf!, das ist nicht nur der Bergmanngruß, das ist das Selbstverständnis einer ganzen Region.

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