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Schottland : Und am Wochenende König!

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Dann aber reißt der Himmel auf, und plötzlich leuchtet der Berg kupferfarben, rostgrün, hellgrau. Bild: Picture-Alliance

Brexit, empörter Boykott des „Dorchester Hotels“ – der Luxustourismus hat es gerade nicht leicht im Königreich. Dabei kann alles so einfach sein. Ein Wochenende mit James Middleton in den Highlands.

          Die Sonne wirft letzte Strahlen über den schneebedeckten Gipfel des Tom a’ Choinich, die Bergkette spiegelt sich im eisklaren Wasser des Loch Affric. Drinnen sitzen Gäste beim Afternoon Tea am Kaminfeuer und blicken auf die Munros, so nennt man hier Berge über 914 Meter, was wiederum dreitausend Fuß sind. Am gegenüberliegenden Ufer des Lochs weiden Hirsche.

          James Middleton spricht über die Torfigkeit von Caol Ila Whisky, und dass er ihn am liebsten mit Wasser verdünnt. Er ist für die nächsten Tage unser Gastgeber. Nebenbei ist er auch der kleine Bruder von Herzogin Kate, der zukünftigen Königsgemahlin von England. Und der von Pippa, der Gattin von James Matthews, dessen Familie dieses Anwesen (wie auch der Luxusfelsen Eden Rock auf St. Barth) gehört. Zudem gilt der 31-Jährige als Erfinder des bedruckten Marshmallows und hat kürzlich in der „Daily Mail“ über seine Depressionen geschrieben. Zum neuen Job als „Host“ kam er durch Zufall, er ist ein Freund des Hauses, kennt Glen Affric, Gäste bespaßt hat er hier schon oft.

          Im Jagdschlösschen ist vieles alt, alles edel und wird benutzt. Royal-Albert-Geschirr, goldene Spiegel, alte Holztreppen, Himmelbetten und Kristallkaraffen. Nichts ist schäbig, selbst das gespaltene Holz liegt formschön in der Garage. Kein Zaun ist verwittert, kein Schaf hinkt, es gibt kein Loch in den grünen Polsterbezügen, nur eine Birne im Obstkorb hat eine Stelle. Man fühlt sich sofort seltsam zu Hause – als ob einem der reiche Kumpel mal eben sein Schloss leiht, samt Einrichtung, Familienbildern, Wildhüter, Koch, Personal und sich selbst.

          Schwarze Teller in der Luft

          Am nächsten Tag schneit es. Wetterfest eingepackte Gäste stehen am Hügel. Einer legt an, sagt „Los“, dann fliegt ein schwarzer Teller durch die Luft. Peng, und noch mal peng. Daneben. Egal.

          James Middleton, Gastgeber, Hundeliebhaber und Bruder.

          Am Nachmittag wird gewandert. Zur Lodge gehören knapp viertausend Hektar, weitere viertausend haben die Matthews’ dazugepachtet, das heißt, auf einer Fläche von rund achtzig Quadratkilometern hat man seine Ruhe. Man hört nichts, nur den Wind im Ohr und Wasser, das den Hang hinabplätschert. Feinster Nieselregen versilbert die Landschaft, das nasse Braun des Mooses, das müde Beige der Gräser, das weißfleckige Grau der Felsen. Dann aber reißt der Himmel auf, und plötzlich leuchtet der Berg kupferfarben, rostgrün, hellgrau. „Da hinten nisten Prachttaucher“, sagt James, „und dort wachsen die uralten kaledonischen Kiefern, die wir vor den Hirschen schützen müssen.“ Ein Gast bleibt stehen und blickt ins Tal. „Einfach nur schauen, das macht glücklich“, sagt er.

          Picknick in einer Hütte am Ufer des Loch. Einige sind hierher geritten. Die anderen gewandert. Es gibt Sandwiches, Würstchen im Schlafrock, Suppe, Whisky, Kakao, Tee, Kaffee. Die Gäste wärmen sich. Dann geht es mit dem Boot wieder zurück zur Lodge. Haare wehen im eiskalten Wind. Es gebe nichts Schöneres als durchgefroren heimzukehren und einen Whisky zu trinken, sagt James. Ob man den nicht auch so trinken könne, will einer wissen.

          Gute Manieren sind eine Zier

          Middleton ist der perfekte Gastgeber. Er sieht, wer sich langweilt, schlägt Aktivitäten vor – Stand-up-Paddling auf dem Loch? Wir haben dicke Neoprenanzüge! –, liest das Wetter, plant um. Fährt auf dem Mountainbike mit den Gästen querfeldein. Hört zu. Lächelt. Lässt sich fotografieren. Von rechts, von links und dann noch mal. Er ist so charmant, er könnte einen Baum zum Plaudern überreden.

          Lord Tweedmouth baute diese Lodge im 19.Jahrhundert für seine Tochter.

          Fragt man aber nach Fakten über das Haus, einer Meinung zum Brexit, zur Treibjagd, weiß er es nicht, oder er erwidert, dass es zu jedem Thema zwei Meinungen gebe. Gute Manieren sind eben manchmal auch ein bisschen langweilig. Er ist ein netter Kerl und nahbarer als die vielen Familienbilder auf den Kommoden und an den Wänden, die etwas drapiert wirken: Da läuft der James Matthews 1999 den New-York-City-Marathon, hier ein Brief vom kleinen Bruder Spencer aus dem Internat in Eton, und dort sitzt der am Everest verstorbene Bruder Michael am Hang. Ölgemälde von Mutter Jane zieren das Familiencottage. Das Foto der Schwiegertochter Pippa steht zentriert im Bücherregal. Auch Familienoberhaupt David Matthews, ehemaliger Rennfahrer und höchst erfolgreicher Gebrauchtwagenhändler, der nach Vergewaltigungsvorwürfen um seinen Ruf kämpft. Alle Bilder seien freigegeben, sagt James. Manchen Wohlhabenden mangelt es an dem, was andere im Überfluss haben: Authentizität, Privatsphäre. Beides finden sie hier, anders als in einem Hotel oder einer Mietvilla.

          Definitiv spukt hinten eine Küchenhilfe

          Die Sonne geht unter. Hinter dem weißen Cottage steigt eine Hirschkuh aus dem Wasser, bleibt kurz stehen, trabt fort. Im Haupthaus wird das Abendessen vorbereitet. Julie Matheson deckt den dining table. Sie kommt schon seit ihrer Kindheit hierher, hat Archäologie und schottische Highlandgeschichte studiert, jetzt verwaltet sie das Anwesen. Ob es Gespenster gibt? Definitiv spuke eine Küchenhilfe im rückwärtigen Bereich, und da sei noch ein alter Butler, der einst in den Highlands vom Wagen fiel, sagt sie.

          Am nächsten Morgen. Im Drawing Room brennt Feuer. Auf einer georgischen Anrichte wartet der Brunch. Den Tisch schmücken Straußeneier in Silberschalen, weiße Rosen. Draußen macht der Wind Muster auf dem Loch, das Wasser funkelt, alle paar Minuten ändern sich die Farben der Flächen und Hügel. Bald wird es hier blühen und sirren und schwirren, die Temperaturen werden steigen, Gäste werden ohne Wetsuit Purzelbäume ins Wasser schlagen, und die Hirsche werden ein Hörnchen mehr haben, oder aber als Filet auf dem argentinischen Grill landen. Und im Himmel werden sich die Jahreszeiten abwechseln, als wäre nichts gewesen.

          Lord auf Glen Affric

          Anreise Von London fliegt Easyjet nach Inverness, im Mai für etwa 100 Euro. Von dort anderthalb Stunden.

          Das Anwesen „Glen Affric“ kostet pro Nacht für bis zu zwölf Gäste ab 8200 Euro, ein Host (es gibt vier) pro Tag etwa 1200 Euro plus Mehrwertsteuer (masterpiece-estates.com).

          Weitere „Masterpiece Estates by Oetker-Collection“ sind in Hampshire, West Sussex, Schottland und Irland. Demnächst eröffnen „Boconnoc House“ in Cornwall, „Stockton House“ in Wiltshire und „Gordon Castle“ in Schottland; insgesamt soll das Portfolio zwanzig Häuser umfassen.

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