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Schottland : Der Lord lebt im Anbau und steht selbst am Herd

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Zimmer im Viewfield House: Plüsch, Ölschinken und Antiquitäten - so stellt man sich ein Herrenhaus vor. Bild: Astrid Ludwig

Eigentlich sollte man solche Orte geheim halten, damit man Kamin, Wanne und Antikmobiliar mit niemandem teilen muss: Auf der schottischen Isle of Skye steht ein Herrenhaus wie aus einem viktorianischen Gesellschaftsroman.

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          Eigentlich begann alles mit einem Scherz. Es war eines dieser wilden Hirngespinste, die entstehen, um lange Autofahrten unterhaltsam abzukürzen, eine Mischung aus Langeweile, Trostzuspruch und Phantasterei. Wir kurvten schon seit Stunden durch das karge schottische Hochland, in einem winzig kleinen Mietwagen, der uns an jeder Tankstelle - auch der Tank war schließlich winzig - dem beißenden Spott der anderen Autofahrer preisgab. Im strömenden Regen hatten wir mit der Fähre über den Loch Alsh auf die Hebriden-Insel Skye übergesetzt und hofften bei heraufdämmerndem Abend auf eine heimelige Unterkunft inmitten der nebelverhangenen Berglandschaft. Am besten in einem kleinen Herrenhaus mit Blick auf Meer, Ahnengalerie und prasselndes Kaminfeuer. Seine Lordschaft, so malten wir uns bei der Autofahrt aus, würde am Abend nach einem köstlichen Dinner den Single Malt Whisky im Salon servieren lassen. Natürlich würde der Hausherr Schottenrock tragen und Macdonald heißen oder Macleod.

          Ob es so etwas auf dieser Insel vor der Westküste Schottlands überhaupt gab, davon hatten wir in diesem Moment keinen blassen Schimmer. Und gebucht hatten wir ein solches Arrangement natürlich auch nicht. Vorbuchen ist was für Feiglinge, nicht für frei Umherschweifende wie uns, die sich vom Tag und von der Landschaft treiben lassen wollten. Als dann dieses kleine Hinweisschild „Viewfield House“ an der Straße zur Inselhauptstadt Portree auftauchte, wären wir fast daran vorbeigefahren. Aus dem Augenwinkel hatte ich noch eine mit Rhododendren bestandene Auffahrt gesehen. Anhalten, sofort! Und umdrehen!

          Es gibt tatsächlich Lamm mit Minzsauce

          Alles, was danach kam, war uns dann fast schon unheimlich. Natürlich haben Klischees immer etwas mit der Realität zu tun, aber wir standen tatsächlich vor einem kleinen Herrenhaus mit Blick aufs Meer. Wir ergatterten das letzte Zimmer für diese eine Nacht und hievten unser Gepäck unter strengem Blick der Ahnen über die Stufen des holzgetäfelten Treppenhauses. Es gab köstliches Lamm mit Minzsauce zum Abendessen und ein prasselndes Kaminfeuer im Salon, in dem den Gästen anschließend Whisky kredenzt wurde. Seine Lordschaft stand im Schottenrock am Kamin. Und er hieß - ungelogen - Macdonald.

          Das war vor zwanzig Jahren. Jahrelang haben wir uns immer wieder an diese Episode erinnert und darüber gescherzt. Sollten wir nicht noch einmal dorthin fahren? In dieses kleine Herrenhaus mit Blick aufs Meer? Wir kurven nun schon seit Stunden durch die kargen, grünbraun schimmernden Hügel der Highlands - mit einem etwas größeren Mietwagen, man wird schließlich älter. Bis Aberdeen sind wir geflogen. Die romantischen Fähren hinüber auf die größte Insel der Inneren Hebriden gibt es nicht mehr, stattdessen bringt die Skye Bridge Reisende schnell ans andere Ufer. Die „Insel der Nebel“ empfängt uns diesmal mit blauem Himmel, und auf das kleine Hinweisschild an der Straße sind wir vorbereitet. Die Vorfreude lässt uns verstummen.

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