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Skiort Schöneck : Container mit Ausblick

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Container als Berghütte: Direkt an der Piste des kleinen Skigebiets in Schöneck stehen drei zu Tiny-Houses umgebaute Seecontainer. Bild: Bergheim Lofts

Tief im Vogtland verwandeln Menschen mit Weitsicht Schöneck in einen stilvollen Wintersportort: es gibt guten Kaffee, Burger an der Jausenstation, und man wohnt in Seecontainern direkt an der Piste.

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          Mit der Dunkelheit kommen die neugierigen Blicke. Dann sehen sie, dick eingepackte Menschen hinter ihren Skibrillen, vom Sessellift hinunter direkt in die erleuchtete Fensterfront und schauen den Bewohnern zu wie sie am Tisch sitzen und reden, essen, lesen, schreiben. Die Bewohner tun so, als merken sie es nicht, so als hätten sie die Aufmerksamkeit nicht verdient. Sie sitzen ja nur da, in ihrem Seecontainer, am Rand einer Skipiste in Schöneck, dem hinteren Winkel des Vogtlandes, wo sich Tschechien, Bayern, Thüringen und Sachsen treffen. Auch sie sind zuvor den Hang an ihrem Domizil vorbei hinabgeschwungen, normale Feriengäste in einem Durchschnittsfamilienskigebiet. Aber was ist schon normal?

          „Du bist einzigartig. Dein Urlaub ist es auch“ bewirbt Jan Hesse, der Mann hinter den Seecontainern, seine Idee. Verwuscheltes dunkles Haar, Bart und Funktionskleidung, auch bei Terminen im Rathaus trägt der Mittvierziger Bergschuhe. Hesse, zweifacher Vater und Einheimischer, hat fast zehn Jahre an seinem Seecontainerprojekt getüftelt. Auslöser sei ein Bericht in einer Architekturzeitschrift gewesen, in dem zu Mini-Häusern umfunktionierte Container vorgestellt worden seien, erzählt er. Hesse beginnt zu zeichnen, erst wahllos, dann strukturierter. Der Nachbar, ein Architekt, hilft. „Ich wollte ein Konzept, das minimalistisches Wohnen mit möglichst maximalem Naturerlebnis ermöglicht“, sagt Hesse. Wie eine Berghütte – mit smarter Technologie und bis ins Detail durchdachter Innenausstattung.

          Dass so eine Idee Wirklichkeit werden kann in der Abgeschiedenheit des Hinterlands, liegt ein ganzes Stück weit am Ort selbst: Die Menschen in Schöneck, 3500 an der Zahl, sind einiges gewöhnt und bei allem Argwohn gegenüber Neuem irgendwie auch stolz darüber, sich in Lebensgefühl und Aussehen von der Umgebung abzuheben. Während in anderen peripheren Orten Tristesse das Straßenbild prägt, sticht in Schöneck kaum Leerstand ins Auge. Die öffentliche Anreise ist mühsam und doch bedient die Bahn gleich zwei Haltestellen im Ort. Zwei Supermärkte und eine Handvoll Bäcker garantieren die Nahversorgung, ein Krankenhaus und eine weiterführende Schule ergänzen die Infrastruktur. In Schöneck herrscht Vollbeschäftigung.

          Ein visionärer Softwareunternehmer

          Ende Februar eröffnet offiziell die Jugendherberge, ein mutiger Neubau nach einem Entwurf Dresdner Architekten: Mehrere aneinander gebaute Häuser ganz in schwarz, innen dominiert von einem Farbspiel aus schwarz und gelb. Auch hier geben große Fensterfronten den Blick auf die umliegenden Gebirge frei – Schöneck bezeichnet sich mit Recht als „Balkon des Vogtlandes“, der Ort bildet den Abschluss des Hügelzuges. Die beherrschende Farbenwahl etwa in den Tagungsräumen muss man mögen – Decke, Wände, Fußboden, alles ganz in gelb und den ganzen Tag.

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