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Abenteuer : Das macht der See, der kann das!

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Birgit Lutz, Erforscherin weißer Welten im Grünen. Bild: Franziska Horn

Als einzige Deutsche erreichte Birgit Lutz zwölfmal den Nordpol. Daheim in den Schlierseer Bergen tauscht sie die weiße Ebene der Arktis gegen grüne Almen und steile Hänge. Ein sportlicher Rundgang durch ein oberbayerisches Idyll.

          Es gibt noch immer Menschen, die fragen, warum sie das tut. Warum sie hinauf in den ewigen Winter fliegt, sich Skier anschnallt, bei lebensfeindlichen Temperaturen einen 65 Kilogramm schweren Schlitten durch Schnee und Eis zieht und, ein unsichtbares Ziel in weiter Ferne vor Augen, Strapazen und Stürme in Kauf nimmt. Birgit erzählt dann meist, was sie dort oben findet. Erzählt von Farben und Freundschaften, von einer Fülle von Eindrücken - von einem Reichtum also, dessen Intensität paradoxerweise erst die Leere zu ermöglichen scheint.

          Bis heute ist Birgit Lutz etwa zwanzig Mal in extremste Breitengrade gereist. Immer wenn sie zurückkommt, fasst sie die Faszination von Eis, ewiger Kälte, von Weite und vom Licht des Nordens in neue Worte: „Es gibt dort nur drei Farbtöne: Weißblau, Silber, Gold. Und kleine Dinge werden riesengroß: Ein heißer Schluck Tee ebenso wie ein Witz zwischen Freunden.“ Dort oben trifft sie auf vieles - auf Eisbären und auf Drifteis, auf Euphorie und Erschöpfung, auf reale Gefahren und blankes Staunen - aber kaum auf andere Frauen. Darum heißt Birgits erstes Buch, im Jahr 2012 erschienen, auch folgerichtig „Unterwegs mit wilden Kerlen“.

          Ausgerechnet Schliersee

          Daheim am oberbayerischen Schliersee sind die Kerle weniger wild, wobei - a bisserl derb kann’s schon zugehen, wenn die Bayern feiern. 2011 ist Birgit - sie stammt aus Neumarkt in der Oberpfalz - aus der Münchner Innenstadt aufs Land gezogen. Hier kann sie in Ruhe schreiben, trainieren, Kraft schöpfen, neue Expeditionen vorbereiten. Inzwischen scheint ihr ganzes Leben auf einen winzigen, imaginären Punkt ausgerichtet - den nördlichsten der Welt. Doch warum ausgerechnet an den Schliersee? „Ich hab hier Familie und Freunde in der Nähe und wollte weg aus der Stadt“, sagt sie. „Ich war wirklich gern in München, für eine Zeit lang. Aber ich bin am Rand einer Kleinstadt aufgewachsen, direkt hinter unserem Garten begann der Wald. In der Stadt lebt man eher ein künstliches Leben, das bin ich nicht gewohnt.“

          Nur eine knappe Fahrstunde braucht der Zug bis zum Ort Schliersee im Münchner Süden. Der Natur, dem Wechsel der Jahreszeiten und vielleicht auch dem Nordpol ist man hier ein ganzes Stück näher als auf dem Asphalt der Großstadt. Vom Bahnhof sind es fünf Minuten zu Birgits Haus mit den farbigen Fensterläden. Helle Räume, die manchmal als Umschlagplatz für Expeditionsgüter zweckentfremdet werden, mit Blick auf den See, der zwischen Baumwipfeln hervorglänzt. Darüber stehen, weit hinten und rund 1700 Meter hoch, die Bergsilhouetten von Jägerkamp und Brecherspitz. Auch du kannst mich erreichen - das scheinen die mäßig steilen Gipfel zu rufen -, sofern du gutes Schuhwerk und eine Wetterjacke hast. So lauten nun einmal die AGBs der Berge überall auf der Welt.

          Einmal durch Grönland

          Auf dem Küchentisch liegt eine Ausgabe des „Miesbacher Merkurs“, darin ein Interview mit Birgit, entstanden nach der jüngsten Tour, eine Grönland-Durchquerung mit Skiern und Pulkas. Über dieses Wagnis hat sie ein zweites Buch veröffentlicht, „Grenzerfahrung Grönland - Mein Expeditionsthriller“, das im März 2014 erschien. Darin schreibt sie über die Monster des Inlandeises und über das dreiköpfige Team - das eben kein solches war. So dass sich schließlich zwischenmenschliche Probleme auf der endlosen Bühne des Eises ins Vielfache potenzierten. „Ein wichtiger, großer Teil sind die Menschen, mit denen du gehst. Und auch über Stürme kann man sich freuen - wenn man will!“ Doch bei dieser Tour „hat’s ganz schön geknirscht“, sagt sie. Sand im Getriebe auf einer tagelangen Tour, und sei es durch Schnee und Eis, das kann nicht gutgehen.

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