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Winterreise durch Schlesien : Für die Eltern einen Handkuss

Tzschocha hat vielen polnischen Regisseuren als Filmkulisse gedient. Das Schloss gehört dem Verteidigungsministerium, das dort ein Hotel betreibt und den Kern der Anlage in Schuss hält. Bild: Gerhard Gnauck

Manchmal ist die Zukunft der Kinder einfach wichtiger als die Vergangenheit der Fassaden: Im neuen, polnischen Schlesien auf der Suche nach dem alten. Eine Winterreise.

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          „Fremd bin ich eingezogen.“ Ja, so kann man es sagen. Das trifft es. Sehr genau. Wohl nie ist uns die Heimat der Großeltern so fremd, so unwirtlich erschienen wie heute. Die Corona-Zeit hat uns die Seuchengefahr und die Angst zurückgebracht. Dazu jetzt auch noch starken Frost und reichlich Schnee, wie man ihn selbst im Hirschberger Tal, am Fuße des Riesengebirges, seit Jahren nicht gesehen hatte. Und eine unwirkliche Stille, die nur vom heiseren Kläffen der Dorfhunde durchbrochen wird. Zugefrorene Gewässer, erstorbene Blumen, Rauhreif. Krähen in der Luft. Alles wie in der „Winterreise“, Müllers Gedichtzyklus, von Schubert vertont zum Liederzyklus, der im romantischen Polen mindestens so oft im Rundfunk zu hören ist wie in Deutschland.

          Gerhard Gnauck
          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.

          Schlesien, das Jahr 1945 im Sinn: „Fremd zieh’ ich wieder aus.“ Hier zog sie also entlang mit dem Pferdetreck, die Großmutter, die Soldatenwitwe, mit ihren fünf Kindern. Bei minus zwanzig Grad durch das Tal und weiter über das Schneegebirge nach Böhmen. Damals, in jenem Januar, als der Krieg heimkehrte nach Deutschland.

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