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Schlemmen statt Skifahren : Einmal Hochgebirgshummer mit Almaustern, bitte

Spargelfelder im Schnee oder doch ein eisiger Zen-Garten in Savoyen: Courchevels frisch präparierte Pisten lassen der Phantasie viel Raum. Bild: Baptiste Assémat/Courchevel Tourisme

Der französische Skiort Courchevel ist die Feinschmeckerhauptstadt der Alpen. Ein Dutzend Michelin-Sterne sind zwölf gute Gründe, den Schnee links liegenzulassen – wenn da nicht die Sache mit der Sehnsucht wäre.

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          Ein Säugling muss er gewesen sein, als sich das Unglück ereignete, aus dem großes Glück erwachsen sollte, da ist sich Michel Rochedy ganz sicher. Er besitze ein Beweisfoto, das ihn mit acht, vielleicht zehn Monaten auf dem Arm seiner Mutter im elterlichen Gasthaus in der Ardèche zeige. „Sie rührt in einem großen Topf voller Flusskrebse, und ich muss in ihn hineingefallen sein, so wie Obelix in den Kessel mit Zaubertrank, denn seit ich denken kann, gibt es für mich nichts anderes als gutes Essen“, sagt Rochedy mit einem feinen und gar nicht so unernsten Lächeln. Ein gallischer Haudrauf von schlichtem Gemüt und gargantueskem Wildschweinappetit ist allerdings nicht aus ihm geworden, sondern ein hochdekorierter Koch, Gralshüter der Grande Cuisine und Mitglied der französischen Ehrenlegion. Mit zweiundachtzig Jahren steht Monsieur Michel noch immer Tag für Tag am Pass seines Zwei-Sterne-Restaurants „Le Chabichou“ in Courchevel, und wenn der Chef, eher Napoleon als Obelix, eher knorriger Ardèchois als rauflustiger Gallier, sein Reich mit einem knappen Gruß wie ein Küchenbrigadegeneral betritt, ruft seine Brigade zackig im Chor „Bonjour Patron“ zurück – nicht nur aus Gründen der Tradition und Disziplin, sondern auch, weil sie weiß, was sie und ganz Courchevel Michel Rochedy zu verdanken haben.

          Jakob Strobel y Serra

          stellvertretender Leiter des Feuilletons.

          Das savoyische Bergdorf ist die Gourmet-Hauptstadt der Alpen, ein Schlaraffenland im Schnee für fortgeschrittene Feinschmecker, wie man es zwischen Montblanc und Großglockner kein zweites Mal findet. Zweitausendvierhundert ständige Einwohner teilen sich zwölf Michelin-Sterne – ein aberwitziges Weltrekordverhältnis –, dazu kommen zwei Dutzend ambitionierte Restaurants, die jedem österreichischen oder oberbayerischen Skiort zur Zierde gereichten, und allerlei gastronomische Trouvaillen, wie man sie andernorts in den Alpen kaum noch findet – lauter gute Gründe für uns, ausgerechnet im größten Skigebiet der Welt den Schnee links liegenzulassen und unseren Appetit ausschließlich am Tisch zu stillen.

          Das savoyische Bergdorf ist die Gourmet-Hauptstadt der Alpen.

          Das ist allerdings für jeden leidenschaftlichen Skifahrer ein hartes Brot, denn nirgendwo sonst in den Bergen sind die Welten des Wintersports und der Feinschmeckerei fester verwoben als in Courchevel – und nirgendwo sonst erlebt man das perfekter inszeniert als im Hotel Les Airelles, einem barocken Riesenchalet im pseudo-austro-ungarischen Stil voller Holzschnitzwerk, Lüftlmalerei, Kristalllüster, Kassettendecken und Brokatvorhänge. Das Personal trägt k.u.k.-Tracht, obwohl es mit der Doppelmonarchie nichts zu schaffen hat, das Ambiente erinnert an Maria Theresia, obwohl Les Airelles erst 1992 zu den Olympischen Spielen in Albertville eröffnet wurde, und die Bezeichnung Luxushotel ist eine starke Untertreibung, obwohl das Haus fünf Sterne zieren. Aus diesem Grund haben die Franzosen für solche Beherbergungsopulenz eigens die Kategorie „Palace“ eingeführt, von denen es gleich drei Stück in Courchevel neben sechzehn herkömmlichen Fünf-Sterne-Hotels gibt.

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