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Schiff ahoi : Kleines Schiff mit französischem Charme

  • -Aktualisiert am

Neben der kleinen Insel Korcula wirkt die L’Austral auf einmal sehr groß. Bild: Sven Weniger

Die Superyacht darf auch dort noch hin, wo riesige Kreuzfahrtdampfer draußen bleiben müssen. Unterwegs an den schönsten Küsten der Adria.

          Ja, wir haben die Teller immer besonders üppig gefüllt, wenn es Hummer, Austern und Riesengarnelen gab. Wir haben beim Cocktail am Pool oft nachschenken lassen, obwohl es eigentlich viel zu heiß für Champagner war. Wir haben auch zu häufig in der Sonne gelegen, wenn wir das Vorderdeck ganz für uns allein hatten und man sich dort wie ein Milliardär auf seiner Privatyacht fühlte. Auch den kostenlosen Vierundzwanzig-Stunden-Kabinenservice haben wir täglich in Anspruch genommen. Kurz und gut, wir gestehen ohne Umschweife: Wir sind der Versuchung des Luxus erlegen und haben uns sauwohl dabei gefühlt. Dass das Wetter obendrein jeden Tag traumhaft war, ist vermutlich das Einzige, wofür die "L'Austral" und ihre Besatzung nicht gesorgt haben. Aber wer weiß.

          Das französische Kreuzfahrtschiff ist ein Exot. Es gehört dem exklusiven Club sogenannter Super- oder Megayachten an, von denen gerade mal ein Dutzend auf den Weltmeeren unterwegs ist. Ein eleganter Oceanliner mit klassisch schlanker Linienführung für maximal 260 wohlhabende Gäste, der mit den schwimmenden Kleinstädten für vier- bis sechstausend Passagiere etwa so viel gemeinsam hat wie ein Bentley mit einem Reisebus. Das klingt hochnäsig und ist es auch, zumindest aus der Sicht derer, die sich eine solche Art zu reisen nicht leisten können oder wollen. Eine Tatsache ist sie dennoch. Auch in Zeiten knapper Kassen gibt es offensichtlich eine Klientel für Schiffe wie die " L'Austral".

          Wachstum trotz Untergang

          Gerade mal ein Jahr ist die Yacht der Reederei Compagnie du Ponant alt, eine baugleiche Schwesteryacht gibt es auch. Zudem hat die Katastrophe der Costa Concordia gezeigt, dass es in dem umkämpften Massenmarkt mit immer größeren Schiffen und immer billigeren Angeboten Grenzen jenseits der Geschmacksfrage gibt, ab wann eine Kreuzfahrt kein Genuss mehr ist. Genau einhundert Jahre nach dem Untergang der Titanic passen heute dreimal so viele Passagiere in das größte schwimmende Hotel unserer Zeit. Wer aber seine Besatzung aus dreißig Nationen zusammenwürfelt, Niedrigstlöhne bezahlt und Personal reduziert, um wettbewerbsfähig zu bleiben, darf sich nicht wundern, wenn dies im Ernstfall überfordert ist. Um fast zwanzig Prozent wuchs im letzten Jahr die Branche, zwei Millionen Deutsche werden 2012 in See stechen.

          Von all dem ist auf der 142 Meter langen "L'Austral" nichts zu spüren. So zeitgemäß der Komfort ist, so klassisch bleibt sie im Stil. WLAN, iPod, Flatscreen - natürlich haben die Kabinen mit breiter Glasfront zum Balkon auf den vier Passagierdecks alle technologischen Standards eines Fünf-Sterne-Logis. Es gibt einen gläsernen Wasserfall von Swarovski in der Lobby und ein gut gebuchtes Spa im Espace Beauté auf Deck fünf. Doch damit ist dem Zeitgeist so ziemlich Genüge getan. Wir vermissten weder die nicht vorhandenen Wassersportgeräte noch hyperaktive Animateure und Dauerbeschallung mit Bordmusik. Auch die fehlende Ladenzeile ging uns nicht ab, von einem Spielkasino ganz zu schweigen. Wer ab sechshundert Euro pro Tag aufwärts für eine Doppelkabine hinlegt, der shoppt eh woanders. Die einzige Boutique auf Deck drei war jedenfalls immer leer.

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