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Sankt-Lorenz-Strom : Die stille Dramatik des Highway H2O

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Freizeitbeschäftigung für ganz harte Kerle und Kerlinnen: winterliches Bootsrennen in den gefrorenen Fluten des Stroms
Freizeitbeschäftigung für ganz harte Kerle und Kerlinnen: winterliches Bootsrennen in den gefrorenen Fluten des Stroms : Bild: AP

Bei Québec ist die Überquerung noch harmlos. Weiter flussabwärts weitet sich der Sankt Lorenz dann rasch auf zehn, zwanzig und dreißig Kilometer Breite und bereitet seinen Übergang vom Fluss in eine Meeresbucht vor. So ist die Stadt, zumal sie auf einem beherrschenden Hügel thront, seit jeher ein strategischer Ort. Vor ihren Toren fand 1759 eine der entscheidenden Schlachten um die territoriale Vorherrschaft auf dem nordamerikanischen Kontinent statt: Durch einen überraschenden Angriff auf die Zitadelle von Québec besiegten die Engländer die französische Kolonialarmee. Mit dieser Bastion hatte Großbritannien den Franzosen ihren wichtigsten Stützpunkt entrissen und kontrollierte am „Gibraltar Amerikas“ fortan eines der bedeutendsten Eingangstore ins Innere des Kontinents. 1763 verzichtete Frankreich schließlich auch vertraglich auf alle Ansprüche in Kanada. Welche Ambitionen freilich die Grande Nation in Amerika ursprünglich hatte, bebildert eine Reliefkarte in der Basilika Notre-Dame von Québec. Darauf ist die Diözese von François de Laval, dem ersten Bischof der Kolonie Nouvelle France, eingezeichnet. Sie reicht quer über den nordamerikanischen Kontinent von Neufundland über den Sankt-Lorenz-Strom, die Großen Seen und den Mississippi bis zum Golf von Mexiko.

Luxusvillen neben Holzbuden

Inzwischen ist Québec ein bedeutender Umschlagplatz für den kanadischen Getreideexport. Die Binnenschiffe löschen hier ihre Ladung, die dann von Hochseefrachtern nach Europa, Afrika und Südamerika transportiert wird. Deutlichstes Zeichen für das Ausmaß dieser Transaktionen sind die sechshundert Betonsilos, die Wand an Wand im Hafen aufgereiht stehen. Ihre gemeinsame sechzehnhundert Meter lange Fassade verwandelt sich abends in großes Kino: eine kolossale Projektionsfläche für eine spektakuläre Licht- und Filmschau.

Jenseits der Hafenanlagen von Québec und Montreal zeigt sich das Ufer des Sankt-Lorenz-Stroms als abwechslungsreiche Mischung aus Wildnis, eindrucksvollen Naturschauspielen und betulicher Provinz. Die Ufer sind mal flach, dann wieder bergig, mit Klippen oder Hängen, bewaldet oder kahl. Seit 1737 verbindet der „Chemin du Roy“, der Königsweg, die Städte Montreal und Québec, mit zweihundertachtzig Kilometern Länge damals die längste befestigte Straße in Nordamerika. Auch heute noch läuft eine gewundene Landstraße am linken Flussufer entlang. Hier haben nicht bloß die Reichen ihre privilegierten Plätze am Wasser. Vielmehr stehen Luxusvillen direkt neben schlichten Einfamilienhäusern, Wochenendhäuschen, schäbigen Holzbuden und Mobil Homes. Ab und zu durchquert die Straße Ortschaften wie Portneuf oder Neuville, in denen die mächtigen Kirchen aus grauem Granit an Frankreich erinnern, die weißen Holzhäuschen dagegen eher an Dörfer in Neuengland.

Zuckerhüte aus Eiskristallen

Östlich von Québec beginnt, zumindest auf den ersten Blick, die große nordische Wildnis. Den Auftakt macht der Rivière Montmorency, ein Nebenfluss des Sankt Lorenz, der von einer Klippe aus mit Getöse in den großen Strom hinabfällt: Vierundachtzig Meter hoch ist der Wasserfall, damit höher als die Niagarafälle, wenn auch nicht annähernd so breit. Die Einheimischen sind sich nicht einig, wann er sich am schönsten präsentiert: Im Frühling, wenn die Wassermassen der Schneeschmelze herunter brausen, im Sommer, wenn er bis spät abends von der Sonne beleuchtet ist, oder im Herbst, wenn ihn die Laubfärbung der Wälder umrahmt. Die Mehrzahl jedenfalls plädiert für den Winter, wenn die Gischt am Fuß des Falles zu einem riesigen Zuckerhut aus Eiskristallen erstarrt, der bis zu sagenhaften vierzig Meter hoch werden kann.

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