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Ecuador : Im Vollrausch der Natur

  • -Aktualisiert am

Je weiter die Reisenden in die Wildnis vordringen, umso besser die Organisation, präzise wie ein Schweizer Uhrwerk. Bild: Picture-Alliance

Am Río Napo gibt es eine märchenhaft unberührte Welt zu entdecken, die nun von Ölkonzernen bedroht wird. Doch in einer Luxus-Lodge setzt man sich zur Wehr.

          6 Min.

          Hastig krallen sich die Passagiere an den Sitzbänken fest. Adrenalin schießt durch die Blutbahn. Der Bootsführer hat eine ruckartige Rechtskurve hingelegt und das Boot aus voller Geschwindigkeit fast zum Stehen gebracht. Schweißperlen treten auf die Gesichter der Reisenden. Am Ufer schwanken siebzig Meter hohe Urwaldriesen im feuchtheißen Tropenwind.

          „Der Weg ist das Ziel“, eine abgenutzte Phrase, aber hier passt sie, denn die Bootsfahrt auf dem Río Napo ist der Prolog zu einem luxuriösen Abenteuer. Es beginnt in Coca, einer Kleinstadt im Amazonasbecken Ecuadors, die man, kaum dass das Flugzeug auf der einsamen Landepiste aufgesetzt hat, mit einem flachen Speedboot wieder verlässt, denn hier gibt es nichts, was zum Verweilen einlädt. Der bescheidene Wohlstand der siebzigtausend Einwohner stammt aus dem Ölgeschäft, dessen Narben in der Flusslandschaft am Ufer vorbeiziehen, kleine Industriehäfen, Verladestationen für Pipelines, Lkw der staatlichen Petroecuador auf Fährbooten. Doch der zornige Blick der Ökotouristen bleibt nur kurz an den Spuren der Zivilisation hängen, die sofort wieder vom Dschungel verschluckt werden, von einem blickdichten Blätterwald mit Tausenden von Grüntönen, die sich vom flachen Ufer hinauf bis in schwindelnde Höhen stapeln.

          Fluß zum Amazonas

          Die „Sacha Lodge“, von vielen Reiseführern als luxuriöseste Unterkunft im ecuadorianischen Regenwald beschrieben, ist nur mit dem Boot zu erreichen. Der lehmige, hellbraune Río Napo ist einer der großen Zuflüsse des Amazonas, dem er das Regenwasser der Anden und das Schmelzwasser ihrer Gletscher zuführt. Um ein Vielfaches breiter als der Rhein, zerfließt er in Arme voller Strudel und Sandbänke. Und die Untiefen sind es, die die Fahrt zum Abenteuer machen, denn nur das geübte Auge der einheimischen Bootsführer erkennt sie an der Kräuselung der Wasseroberfläche. Mit schnellen Manövern weichen die Speedboote den Sandbänken und den treibenden Baumstämmen aus – im Zickzack von Ufer zu Ufer.

          Der Stich der Konga, eine heimische Riesenameise, kann mehrtägiges Fieber auslösen
          Der Stich der Konga, eine heimische Riesenameise, kann mehrtägiges Fieber auslösen : Bild: Lorenz Beckhardt

          Schwer vorstellbar, wie der dreißigjährige spanische Leutnant Francisco de Orellana mit 57 Soldaten in einem selbstgebauten Schiff im Jahre 1541 genau hier vorbeisegelte – auf der Suche nach dem sagenhaften Goldland Eldorado und wegen der Breite des Flusses in der falschen Annahme, dass das Meer nicht mehr weit sei. Acht Monate später und sechstausend Kilometer weiter östlich erreichte er schließlich im Delta des Flusses, den er Amazonas nannte und als dessen Entdecker er seither gilt, den Atlantik. Weshalb man das ecuadorianische Städtchen Coca auch nur dann auf einer Karte findet, wenn man dessen amtlichen Namen kennt: Puerto Francisco de Orellana.

          Nach zwei Stunden Bootsfahrt ist der Anleger der „Sacha Lodge“ erreicht. Die deutschsprachige Naturführerin Manuela sammelt die Schwimmwesten ein. Die Gäste wissen, dass sie einen Fußmarsch durch den Regenwald und eine Kanufahrt vor sich haben, denn am Flughafen hat jeder ein Faltblatt bekommen, in dem der Ablauf der kommenden Tage skizziert ist. Je weiter die Reisenden in die Wildnis vordringen, umso besser die Organisation, präzise wie ein Schweizer Uhrwerk – und das nicht ohne Grund. „Sacha“ (sprich satscha) heißt auf Kichwa „Wald“. Kichwa ist die am weitesten verbreitete Sprache der Regenwaldvölker Ecuadors, verwandt mit der in Peru gebräuchlichen Inkasprache Quechua. Und ein Kichwa war es, der in den Achtziger Jahren dem Schweizer Weltenbummler Arnold Ammeter, den alle ehrfürchtig „Papa Benny“ nennen, jenen paradiesischen Flecken im Urwald zeigte, auf dem dieser 1992 die Lodge errichtete, die sich am Ende der Kanufahrt am Ufer des Lago Pilchicocha zwischen Palmen, Schilf und Wasserhyazinthen erhebt.

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