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„Rumble in the jungle“ : Vier Fäuste für Kinshasa

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Kinshasa, 30. Oktober 1974, Runde acht: Kurz vor dem Pausengong trifft Ali Foreman mit mehreren Schlägen – das Ende von „Rumble in the jungle“. Heute ist im Stadion nur noch wenig vom Zauber dieses Kampfes zu spüren. Bild: Getty

In der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo steht ein vermodertes Fußballstadion für 48.000 Menschen. Vor 40 Jahren fand hier einer der größten Boxkämpfe aller Zeiten statt. Auf den Spuren von „Rumble in the jungle“.

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          Auf dem kleinen Platz vor dem Haupttor, dort, wo sich einige Mangobäume aus dem Häusermeer schälen, ein paar struppige Büsche dem Morast der Großstadt trotzen, lässt sich der Glanz von einst noch erahnen. Die Tropenstürme haben jeden Schmuck weggespült. Der Teer ist ausgewaschen, die Gitter der Stadiontore sind verrostet.

          Aber blinzelt für einen kurzen Moment die Sonne durch die Regenwolken, dann leuchtet die Fassade des Stade Tata Raphaël in hellem Gelb, als sei sie eben erst gestrichen worden. „Ministère de la jeunesse et des sports“ steht über dem Eingang. Verwitterte olympische Ringe schmücken die Mauern, vergilbte Mosaike von Gewichthebern, Sprintern, Fußballern - und von zwei sich duellierenden Boxern.

          Kinshasa, Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, 9,5 Millionen Einwohner, vielleicht auch zehn oder mehr, ein städtebauliches Ungetüm. Wellblechgedeckte Hütten, rauchende Feuerstellen und Wasserkanäle voller Plastikmüll. Nervös surren in der Abenddämmerung Mückenschwärme durch die Luft. Straßenhändler halten Feuerzeuge und Plastiktand in die offenen Autofenster. Auf ihren Karren zerren sie Obst, Gemüse, Mangos und Maniok hinter sich her. An den Flanken der wenigen gemauerten Häuser riecht es nach Fäkalien und Abwasser. Mitten in diesem Moloch steht jenes halb verfallene Stadion. Gibt es einen absurderen Platz für einen der größten Momente in der Geschichte des Sports?

          Das zweitgrößte Sportereignis des afrikanischen Kontinents

          Vor fast genau 40 Jahren, am 30. Oktober 1974, fand in Kinshasa einer der größten Boxkämpfe aller Zeiten statt. Der damals 32-jährige Muhammad Ali forderte den sieben Jahre jüngeren Schwergewichtsweltmeister George Foreman heraus. Ali wollte den Titel zurückholen, der ihm Jahre zuvor wegen Verweigerung des Wehrdiensts beim US-Militär aberkannt worden war.

          Vierzig Jahre danach: das Stade Tata Raphaël

          Als „Rumble in the jungle“ ging der Kampf in die Geschichte ein. Doch er war viel mehr als das: Bis 2010, dem der Jahr der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika, war er das größte Sportereignis, das je auf dem afrikanischen Kontinent stattgefunden hat, und zu seiner Zeit war er ein Identifikationspunkt für viele Millionen Afrikaner.

          „Permis, permis?“, fragt ein Sicherheitsmann auf dem Vorplatz des Stadions. Der Pistolenhalfter spannt etwas unter seinem Ledersakko. „Wenn Sie keinen Erlaubnisschein haben, dann kostet das 50 Dollar“, sagt er auf Französisch. So läuft das also, wenn man sich heute als Tourist dieses Stück Sportgeschichte ansehen will. Dann betrete ich die Arena. Erbaut wurde das Stadion nicht für das Mega-Ereignis, sondern schon im Jahr 1952.

          Damals hieß die Arena noch Stade Roi Baudouin. 1967 wurde sie umbenannt in Stade du 20 Mai, seit 1997 trägt sie ihren heutigen Namen nach einem belgischen Missionar. Es gibt nicht viel zu sehen. Keine Fotos von Ali und Foreman in den Katakomben, keine Vitrinen voller Pokale. Stattdessen bröckelt der Putz von den Wänden. Die Tribünen sind verfallen, die meisten der Absperrgitter herausgerissen, die bunten Sitze von Moos überzogen.

          Alles ist auf einmal wieder da

          Und doch: Wenn man von der Tribüne ins Oval blickt, dann spürt man immer noch den Hauch des großen Kampfes. Wenigstens kann man sich vorstellen, wie es hier einmal war, und die Eindrücke mit den Bildern aus Leon Gasts großartigem Dokumentarfilm „When We Were Kings“ zusammenfügen. Die tropische Hitze, der Schweiß, der Enthusiasmus Zehntausender: Alles ist auf einmal wieder da.

          Dass der Kampf damals in Kinshasa stattfand, lag vor allem an Boxpromoter Don King, der Foreman und Ali um jeden Preis zusammen in den Ring bringen wollte. Aber es lag auch an Mobutu Sese-Seko, dem Diktator des damaligen Zaïre. Er wollte der Welt zeigen, dass die seit 14 Jahren unabhängige Nation Zaïre prädestiniert dafür war, eine führende Rolle im postkolonialen Afrika einzunehmen.

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