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Route 66 : Ein Königreich für einen Mustang

Schöner wird’s nicht: Statt mit einem Pferd mit Pferdestärken in den Sonnenuntergang. Bild: Freddy Langer

Rock ’n’ Roll auf dem Highway: Asphalt unter den Reifen, Tom Petty im Ohr - und das Blaulicht der Polizei im Rückspiegel.

          6 Min.

          Ganz plötzlich war es da. Dieses Bild im Rückspiegel. Ein Geblinke und Geflirre in den Farben Weiß, Blau und Rot. In irrsinnigem Tempo kam es näher und füllte schon nach Sekunden den gesamten Spiegel aus. Die Farben der amerikanischen Nationalflagge, ging es mir für einen Moment durch den Kopf, und fast hätte ich geschmunzelt angesichts von so viel Patriotismus, aber dafür blieb mir keine Zeit. Denn im nächsten Augenblick wusste ich natürlich, dass es sich nicht um ein Feuerwerk aus welchem Anlass auch immer handelte, sondern um Lichter, die sich auf dem Dach eines Polizeiwagens im Kreis drehten. Meine gute „Jetzt-geb-ich’s-Texas-Laune“ war dahin. Stattdessen ratterten Kinoszenen durch mein Hirn. Bilder von nervösen Fahrern in irgendwelchen Rostkarren. Monologzeilen leiser Flüche. Und das Bild zweier Hände auf dem Lenkrad. Jetzt bloß keinen Fehler machen, dachte ich, und rollte auf den nächsten Parkplatz, der auffällig nahe lag. Ich schaltete den Motor ab, öffnete das Fahrerfenster, umklammerte das Steuerrad - und wartete.

          Freier Fall

          Freddy Langer

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

          Ein roter Camaro sei nicht gut, hatte mir unterwegs jemand gesagt, schon gar nicht als Cabriolet. Auf diese Wagen mache die Polizei regelrecht Jagd. Ich glaube, es war die Indianerin an der Kasse der letzten Tankstelle in Oklahoma gewesen, aber ich hatte nur gelacht. Es sind nicht die Autos, die herausgefischt werden, hatte ich geantwortet, es sind die Fahrer, nach denen geschaut wird, genauer gesagt, nach Fahrern, die Verkehrsregeln überschreiten. Und genauso war es jetzt bei mir. Es war Nacht, irgendwo in der Einsamkeit des platten Landes, und statt der Topographie war links und rechts der Straße nur Schwarz zu sehen, so dicht wie ein schwerer Wollvorhang. Deshalb war die wie aus dem Nichts kommende Explosion der Lichter im Rückspiegel eine so große Überraschung gewesen. Und deshalb hatte der Polizist auch nie und nimmer sehen können, dass ich ein rotes Auto fuhr.

          Die Furcht fährt mit: Halt mich nicht an, Herr Polizist - singt Tom Petty.
          Die Furcht fährt mit: Halt mich nicht an, Herr Polizist - singt Tom Petty. : Bild: Freddy Langer

          Es ist schwer, in einem Wagen das Tempo zu halten, der mit mehr als vierhundert PS in weniger als fünf Sekunden eine Geschwindigkeit erreicht, die in ganz Amerika auf keiner Straße erlaubt ist, und dessen Cruise Control nicht funktioniert. Sollte ich das zu meiner Verteidigung vorbringen? Oder die Schuld auf Tom Petty schieben, dessen Album „Full Moon Fever“ im CD-Spieler lag? Oder vielleicht noch besser schnell das Radio einschalten? Man tut gut daran, eigene Musik mit nach Texas zu nehmen, wenn man sich unterwegs nicht missionieren lassen will. Im Bible Belt, diesem tiefreligiösen Streifen quer durch den Mittleren Westen, in dem sämtliche Radiostationen von Kirchen besetzt sind, wird vierundzwanzig Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche auf ausnahmslos allen Kanälen gepredigt und gebetet. Abwechslung gibt es nur, wenn sich Anruferinnen vom Moderator segnen lassen, bevor sie gemeinsam mit ihm ihren Mann zur Hölle jagen, weil er mit der Nachbarin durchgebrannt ist. Vielleicht würde es nicht schaden, jetzt ein bisschen Kirche aufzudrehen? Aber woher sollte ich wissen, womit ich bei dem Texas State Trooper den besten Eindruck machte?

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