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Rio de Janeiro : Herren des Strandes

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José Manoel Rebouças ist einer der letzten Fischer von Copacabana. Bild: André Vieira, Agentur Focus

An der Copacabana ist das Leben schön. Aber wenn man davon leben will, ist es schwer. Unterwegs mit Fischern, Käsegrillern und Sandburgenbauern.

          Für José Manoel Rebouças beginnt der Morgen am Strand, da ist die Nacht auf der anderen Straßenseite längst noch nicht vorbei. Zwei Schüsse haben ihn hochgeschreckt. Ein Streit vor dem „Cave“, von dem in den Tiefen des Elektro-Schuppens offenbar niemand etwas mitbekommen hat. Die verschwitzten Gestalten, die rauskommen, wollen nur rauchen oder kiffen, sie schreien sich an und reiben sich die dröhnenden Ohren. Ein Polizeiauto blitzt ihnen rotes Licht in die Gesichter. Zwei Polizisten schlendern über den Gehweg. Sie suchen etwas, vielleicht die Kugeln, die niemanden getroffen zu haben scheinen. Manoel, dem Fischer, ist das egal. Er muss jetzt erst einmal fegen.

          David Klaubert

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Das Revier der Fischer liegt am letzten Zipfel des Strandes von Copacabana unter Seemandelbäumen, unter tief hängenden breiten Kronen, die eine fast schon heimelige Atmosphäre schaffen und mächtig viel Dreck produzieren. Jeden Morgen kehrt Manoel verdorrte Blätter und schrumpelige Früchte zusammen, zwischen Booten, Netzen, gefliesten Tresen. Hier wollen sie später ihre Fische verkaufen, falls sie denn welche fangen.

          Manoel, 57 Jahre alt, ist Fischer, seit er zwölf war. Gelernt hat er das Handwerk von seinem Vater, damals in Ceará, im rauhen Nordosten Brasiliens. Dort hat er geheiratet, zwei Söhne und eine Tochter bekommen. Dann flogen daheim die Fetzen. Und als Manoel seine Schwester in Rio de Janeiro besuchte, zwei Tage, zwei Nächte im Bus, blieb er einfach da. Er schloss sich der „Kolonie Z-13“ an, der Fischervereinigung von Copacabana. Er schuftete und sparte, bis er sich endlich ein Häuschen kaufen konnte, in Pavão-Pavãozinho, einer Favela an dem steilen Hügel hinter dem Hochhauswall. Zehn Minuten braucht er von dort bis zur Kolonie. Die letzte Nacht hat er aber sowieso hier verbracht. Im Nebenjob schiebt er Schichten als Wächter des Fischladens an der Ecke.

          Um kurz nach sechs beginnt der Himmel zart zu leuchten. Das Meer wogt dunkelgrün. Kurz vorm Strand türmt es sich auf und bricht dröhnend und schäumend zusammen. Auf Holzplanken wuchten Manoel und seine beiden Gehilfen, Timothy und Manazi, einen Kahn in die Brandung. „Nova Jerusalem“ steht auf dem abgewetzten Bug. Er tanzt im Schaum, bis die Fischer endlich den richtigen Moment zwischen zwei Wellen erwischen. Nass bis zur Brust ziehen sie sich über die Bordwand. Manoel schmeißt den Motor an. Der hustet dunkle Wolken.

          Morgens leuchtet das Meer im Sichelrund von Copacabana quecksilbern.

          Am Strand beginnt mit dem Morgenlicht das Leben. Aus den begrünten Schluchten zwischen den Hochhäusern strömen Menschen auf die Promenade, flanieren, laufen, rennen. Surfer, das Brett ans Mofa geschnallt, halten Ausschau nach der besten Welle. Auf der sechsspurigen Avenida Atlântica stoppt um kurz nach sieben der erste Reisebus. Er kommt aus Belo Horizonte, hat 440 Kilometer und acht Stunden hinter sich. Er lädt Großfamilien ab, Halbstarke und junge Mädchen. Sie schleppen Rucksäcke, Strandtaschen, Styroporund Kühlboxen. Farofeiros werden die Ausflügler von den Bewohnern der Strandviertel abschätzig genannt, weil sie ihre eigene Verpflegung für den ganzen Tag mitbringen: Bier, Cola, Guaraná-Limonade, Sandwiches, Grillhähnchen und eben farofa, geröstetes Maniokmehl.

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