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Flusskreuzfahrten : Selbstverständlich mit Kindern

  • -Aktualisiert am

Mit Kind und Kegel: Die A-Rosa Sena legt in Köln ab und nimmt Kurs auf die Niederlande. Bild: A-ROSA Flussschiff GmbH

Revolution auf dem Fluss: A-Rosa will mit ihrem neuesten Schiff A-Rosa Sena auch Familien mit Kindern anlocken. Kann das im angestammten Urlaubsrevier von Senioren gutgehen?

          6 Min.

          Der niederländische Hafenmitarbeiter stutzt. Drei Kinder im Kindergartenalter springen die Gangway des Flusskreuzfahrtschiffes A-Rosa Sena herunter. Wir sind im pittoresken Ort Dordrecht in Südholland, den wir zusammen mit unseren Kindern entdecken wollen. Der junge Niederländer zeigt auf das Bullauge knapp oberhalb der Wasseroberfläche. Er habe gehört, dass es einen Kids Club auf dem Schiff gebe, sagt er und klingt ungläubig. Wir nicken. Genau hinter diesen Scheiben befindet sich ein großes Spielzimmer für Kinder. Wieder zeigt er auf die Gangway. Deutlich langsamer geht dort jetzt ein älteres Ehepaar hinab. „Geht das gut?“, fragt der Hafenarbeiter auf Englisch. An seinem Gesichtsausdruck ist abzulesen, dass er sich nicht fragt, ob die Senioren unbeschadet am Kai ankommen. Er habe schon oft geholfen, Flussschiffe am Hafen festzumachen, sagt er schließlich. Aber noch nie habe er ein Schiff gesehen, auf dem Jung und Alt gemeinsam unterwegs waren.

          Angst vor dem vermeintlichen Groll der Stammkunden

          Geht das gut? Das hatten wir uns auch gefragt, bevor wir in Amsterdam an Bord des neuesten und modernsten Flottenmitglieds der Rostocker Reederei A-Rosa gegangen sind – und uns noch eine andere Frage gestellt: Warum soll man eigentlich nicht mit Kindern auf einem Flussschiff Städte wie Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen oder Dordrecht entdecken, schließlich ist das so praktisch wie entspannt? Ein schwimmendes Hotel von überschaubarer Größe, kein ständiges Kofferpacken, kurze Wege von der Kabine aufs Deck oder ins Restaurant und der Hafen stets ganz nah am Zentrum, das auch ohne Bus oder Taxi erreichbar ist. Warum soll dieser bequeme Luxus nur der älteren Generation vorbehalten sein?

          Da geht’s lang: Durchblick ist keine Frage des Alters, wie man auf der Brücke der A-Rosa Sena sehen kann.
          Da geht’s lang: Durchblick ist keine Frage des Alters, wie man auf der Brücke der A-Rosa Sena sehen kann. : Bild: Angelika Bucerius

          Dass Kinder mit ihren Eltern und Großeltern in den Urlaub fahren, ist eine Selbstverständlichkeit – aber nicht überall. Zur kinderfreien Zone gehören traditionell Flusskreuzfahrtschiffe. Sie gelten als das angestammte und exklusive Urlaubsrevier älterer Reisender. Und das Gros der Veranstalter von Flusskreuzfahrten selbst sorgt dafür, dass das Bild der schwimmenden Seniorenheime geprägt und gepflegt wird. „Wir wollen uns nicht unsere Stammgäste vergraulen, indem wir Kinder an Bord nehmen“, so die gängige Begründung, warum Flusskreuzfahrten nicht für Familien und schon gar nicht für Kinder attraktiv sein sollen. Auch auf hoher See müssen Kinder und Jugendliche auf manchen Schiffen draußen bleiben. Auffällig ist, dass diese Politik vor allem von britischen Reedereien verfolgt wird. Richard Branson startete Ende 2021 seine Reederei Virgin Voyages ausschließlich mit Erwachsenenschiffen. Viking Ocean Cruises erlaubt keine Minderjährigen und P & O Cruises nur auf ausgewählten Schiffen. Mit Saga Cruises darf erst reisen, wer fünf Jahrzehnte oder mehr auf dem Buckel hat. Ausnahmen sind lediglich für jüngere Begleitpersonen erlaubt, die allerdings auch wenigstens vierzig Jahre alt sein müssen.

          Schluss mit der Kreuzfahrt alter Schule

          Im Gegensatz dazu versucht A-Rosa als Einzelkämpfer in der Branche die Reise auf einem Binnenschiff für alle Generationen zu öffnen. Seit knapp einem Jahrzehnt arbeiteten sie daran, sagt Annika Schmied, Pressechefin des Reiseanbieters. Treibende Kraft sei damals der Geschäftsführer Jörg Eichler gewesen. Als er 2013, selbst Vater, die Geschäftsführung übernommen habe, sei es sein Ziel gewesen, das Unternehmen familienfreundlich auszurichten. Schon im folgenden Jahr sei die erste Kinderbetreuung in Ferienzeiten angeboten worden. Davor habe es schlicht keine Kinder an Bord gegeben.

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