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Rennradfahren in Yorkshire : Bettle, dass es aufhört!

Die Tour de France hat die Tour de Yorkshire geboren; sie findet jedes Jahr im Mai statt – hier durchquert sie Haworth. Bild: Picture-Alliance

Zwischen Qual und Genuss: Die steilen Anstiege der englischen Grafschaft Yorkshire sind unter Rennradfahrern legendär. Und manch einen haben sie bis zur Tour de France gebracht.

          Die Entdeckung Yorkshires hatte sich jahrelang angekündigt. Harte Kerle von der britischen Insel gewannen Radrennen auf den Straßen des Kontinents und in dessen Velodroms. Mancher von ihnen deutete an, dass er Kilometer um Kilometer in den Dales trainiert hatte. 2012 kam der Durchbruch. Bradley Wiggins, der Londoner mit den Koteletten, gewann die Tour de France, und sein Heimatland war elektrisiert. Wenige Wochen später versetzten er und die britischen Olympia-Radrenner ihr Land in Ekstase, als sie bei den Olympischen Spiele von London in den vierzehn Wettbewerben auf Bahn und Straße zwölf Medaillen holten, acht davon goldene. Der größte Gewinn jenes Jahres aber war The North. Die Veranstalter der Tour de France ließen sich vom Enthusiasmus der britischen Fahrer, der britischen Fans und nicht zuletzt der britischen Sponsoren überzeugen, ihr dreiwöchiges Rennen 2014 in der Grafschaft hinter den sieben Bergen zu beginnen. Seitdem ist Yorkshire auf der Radkarte.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Als angekündigt wurde, dass die Tour de France kommen würde, kauften alle ein Rennrad“, erinnert sich Michael Allenby. „Und dann kamen sie nach Yorkshire.“ Michael hatte ein Rennrad und reichlich Erfahrung mit den Straßen der Dales – ihren gemeinen Steigungen, ihren rasenden Abfahrten und ihren wunderschönen Ausblicken. Er mietete ein Ladenlokal gegenüber seiner Wohnung, und im Handumdrehen war die erste Etappe in dem Örtchen von nicht einmal neunhundert Einwohnern, bevor überhaupt die Tour kam: das „Stage 1“.

          Jens Voigt, der unvergessene Held

          Die freudigen Erwartungen von Michael und seiner Partnerin Helen in ihren Fahrradladen mit Werkstatt, Café und Verleih sind derart in Erfüllung gegangen, dass sie sich vergrößert haben und sich nun den alten Bahnhof des Städtchens mit dem Dales Countryside Museum teilen. Hinter dem Gebäude steht ein Zug mit Dampflok, und die Räume von Stage 1 sind mit Fahrrädern und Umleitungs- und Hinweisschildern der Tour dekoriert. Was früher ihr Hobby war, ernährt heute Helen und Michael. „Die Leute in diesem Land hatten sich vom Rad abgewandt und betrachteten Radfahren als Strafe“, sagt er. „Seit der Tour sehen sie das in einem anderen Licht. Heute sind Radfahrer die coolen Leute.“ In Scharen kommen sie nach Hawes, und Stage 1 läuft der traditionsreichen Eisfabrik im Ort den Rang ab als Anziehungspunkt.

          Britische Straßen werden nicht mit der Idee gebaut, Höhen durch lange, sanfte Anstiege zu überwinden. „Wir werfen eine Straße auf den Berg und hoffen aufs Beste“, erklären die Fachleute.

          Charles und ich bereiten uns mit mächtigen Sandwiches im Stage 1 auf die Bergwertung vor. Buttertubs ist unser Ziel. Alle Wege führen auf diesen Pass, der bis in 526 Meter Höhe vom Swaledale nach Norden ins Wensleydale führt. Er hat seinen Namen von vulkanischen Hohlräumen, in dem früher Bauern Butter lagerten, die sie auf dem Markt nicht verkauft hatten, aber nicht den ganzen Weg nach Hause schleppen wollten. Auf der erste Etappe der Tour damals attackierte der Radprofi Jens Voigt so früh, dass er erst in einer arbeitsteiligen Spitzengruppe dem Feld enteile und dann seine Fluchtgefährten abhängen konnte. Mit vier Minuten Vorsprung schoss er den Buttertubs hinauf, und man hat, schaut man sich die Bilder von damals an, den Eindruck, er kam nur heil durch die Zuschauer, die sich dicht auf der Straße drängten, weil ihm breite Motorräder eine Gasse bahnten. Voigt gewann die Bergwertung des Tages, rollte mit dem Peloton ins Ziel und durfte am nächsten Tag das Trikot mit den dicken roten Punkten tragen, das den besten Bergfahrer der Tour auszeichnet. In Yorkshire ist der Berliner seitdem berühmt. Der Pass ist in einen höheren Stand aufgestiegen und trägt den Namen „Col de Buttertubs“.

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