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Rennradfahren in Yorkshire : Bettle, dass es aufhört!

Fünfhundert Meter? Bergwertung? Ja, so habe ich auch gedacht, und damit hatte ich Buttertubs unterschätzt. The Dales bedeutet: die Täler. Durch langgezogene Landstriche ziehen sich malerische, wilde Flüsse und dort liegen dekorativ Gehöfte, Dörfer und Jahrhunderte alte Städtchen. Und auf jedem freien Quadratmeter stehen Schafe. Zwischen den Tälern allerdings geht es steil hinauf zu grünen und zu kahlen Gipfeln, in Hochmoore und auf von Wind und Wetter glatt gefegte Kalksteinebenen von so bizarrer Schönheit, dass, zum Beispiel, Malham Cove bei der Verfilmung von Harry Potter die Kulisse gab.

Fünf Pässe verbinden die Täler des River Ure und des River Swale, und ihr spektakulärster ist Buttertubs. Die Anfahrt von Stage 1 aus lässt sich gemütlich an, kein Berg erhebt sich drohend am Horizont. Das ist es überhaupt mit diesen Bergen: Der Radfahrer sieht sie erst, wenn es zu spät ist. Oder nicht einmal dann. Auf besonders steilen Gipfeln stehen Schilder mit der Aufschrift „Blind Summit“. Sie warnen, eher Auto- als Radfahrer, vor Abfahrten, die so steil sind, dass man von Gipfel aus die Straße nicht sieht. Zum Schmerz kommt die Beleidigung, wenn, wie am Fuß der langen Steigung am Ortsausgang von Pately Bridge ein Verkehrsschild warnt: „Slow Cyclists“.

„Shut up, legs!“

Gar nicht langsam rollen Charles und ich nebeneinander auf der linken Straßenseite. Der Anstieg aus dem Tal des Flusses Ure lässt uns genug Puste für die Fortsetzung unserer Gespräche. Wir folgen dem Hinweisschild nach Muker. Die Feldsteinmauern, die Yorkshire durchziehen, weichen zurück, einige graue Häuser bleiben zurück, und plötzlich scheinen der Asphalt tiefer, das Rennrad schwerer und der Gegenwind heftiger geworden zu sein. Hat sich die Steigung schon zu zwanzig Prozent aufgeschwungen? Wir rumpeln über ein in die Straße eingelassenes Viehgitter; von hier an, warnt Charles, gelte es ein Auge auf Kamikaze-Schafe zu haben. Sie laufen frei.

Vom französischem Adel des Passes ist nichts zu spüren. Schafdung liegt auf der Straße, in den tieferen Lagen kleben die Überreste neugieriger Fasane platt gefahren auf dem Asphalt. Ich taste an der Schaltung nach einer größeren Übersetzung. Mein Atem rasselt, in den Oberschenkeln breitet sich schmerzhaft Widerstand aus. Voigt, der große Einzelkämpfer, hat für diese Situation den Spruch: „Shut up, legs!“ Was, wenn die Beine nicht hören?

Man weiß nicht recht, ob die Website cyclinguphill.com Freunde des Bergauffahrens warnt oder schwärmt, wenn es dort heißt: „Das Merkmal britischer Berge ist, dass sie kurz und steil sind. Vier Minuten für eine lungensprengende Anstrengungen von Steigungen bis 30 Prozent.“ Britische Straßen werden nicht mit der Idee gebaut, Höhen durch lange, sanfte Anstiege zu überwinden. „Wir werfen eine Straße auf den Berg und hoffen aufs Beste“, erklären die Fachleute. „Serpentinen sind ein seltener Luxus.“ Mut hat cyclinguphill.com mir jedenfalls nicht gemacht mit der Prognose: „Wenn du steile 20-Prozent-Steigungen hoch rast, bekommst du an Leid, was du verdienst.“ Das Versprechen, nach einer Viertelstunde sei der Anstieg zu Ende, gilt für mich nicht. Ich gebe nur deshalb nicht auf, weil ich fürchte, vor dem Umkippen meine Schuhe nicht rechtzeitig aus den Pedalen klicken zu können.

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