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Renaissance der Nachtzüge : Wer wird denn gleich in die Luft gehen

  • -Aktualisiert am

Durch die Nacht von Berlin nach Wien, bequem mit dem Nachtzug. Bild: Robert Hanson

Nachtzüge sind eine wunderbare Alternative zum Fliegen und in Österreich seit Jahren ein Erfolgsmodell. Kommen sie nun auch in Deutschland zurück?

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          Dass schon eine einzige Flugreise mehr erderhitzendes Kohlendioxid freisetzt als die meisten anderen Dinge, die man im Alltag so tut in einem ganzen Jahr – das hat sich inzwischen herumgesprochen. Der positive Umkehrschluss: Keine andere Änderung im Verhalten bringt pro Kopf so viel für den Klimaschutz, wie vom Flugzeug auf ein umweltfreundliches Verkehrsmittel umzusteigen. Aber was soll man tun, wenn einen die Flugscham – respektive die Liebe zum gewohnten temperierten Klima unserer Breiten – packt?

          Eine wachsende Zahl von Menschen wünscht sich, auch längere Reisen mit dem Zug zurückzulegen statt mit dem Flugzeug. Ebenso groß ist aber der Wunsch, für solche Reisen nicht ganze Arbeits- oder Geschäftstage zu opfern. Die Lösung liegt auf der Hand: Nachtzüge. „Vor dem Hintergrund der ganzen Klimageschichte ist die Nachfrage nach Nachtzügen generell spürbar gestiegen“, sagt Siegfried Klausmann, Geschäftsführer des auf Bahnreisen spezialisierten Reisebüros Gleisnost in Freiburg. Die Menschen seien „zunehmend bereit, dafür auch ein bisschen mehr als für den Billigflug zu bezahlen.“ Auch Bernhard Rieder von den Österreichischen Bundesbahnen sagt: „Gerade in den letzten Monaten sehen wir ein weiteres Wachstum“ in der Nachfrage nach Nachtzugreisen. Die ÖBB rechneten für das Jahr 2019 auf einzelnen Linien mit bis zu zehn Prozent mehr Fahrgästen als im Vorjahr. Der Leiter des Fernverkehrs der ÖBB, Kurt Bauer, sagte Ende September bei einer Veranstaltung der „Allianz pro Schiene“ in Berlin: „Wir spüren eindeutig einen Greta-Effekt.“

          Mit der Familie im Zug zu Abend essen

          Hinzu kommt, dass auch größere Institutionen beginnen, ihren Angestellten nahezulegen oder vorzuschreiben, auf das Fliegen zu verzichten. So fordert etwa die Berliner Humboldt-Universität ihre Mitarbeiter seit September auf, bei „Reisen unter 1000 Kilometer Entfernung, sofern diese mit der Bahn in weniger als zwölf Stunden abgeschlossen werden können“, auf das Fliegen zu verzichten.

          Was läge näher, als den Nachtzug zu nehmen? Diese Form des Reisens ist nicht nur für das Klima gut: Man kann noch mit Freunden oder der Familie zu Abend essen, steigt dann im Zentrum ein, bettet sich und wacht am Zielort auf. Der Nachtzug kann gerade für Geschäftsreisende eine wunderbare Alternative dazu sein, um fünf Uhr morgens mit dem Taxi an den Flughafen zu fahren, sich durch die Flughafen-Security zu quälen und gequetscht wie Sardinen in die Luft zu steigen, nur um sich dann vom Shuttlebus durchrütteln zu lassen und den langen Weg in die Innenstadt noch vor sich zu haben.

          Die Zeichen stehen gut für eine Renaissance des Nachtzugs – aus Umweltgründen ebenso wie aus dem Bedürfnis heraus, Reisezeit sinnvoll zu nutzen.

          Der Tag beginnt im Nachtzug mit einem Blick auf die Landschaft. Als Schlafwagenpassagier tritt man geduscht und bereits mit Bordfrühstück versorgt auf den Bahnsteig – mitten am Zielort. Der einzige Haken für deutsche Reisende: Die Deutsche Bahn ist 2016 ganz aus dem Nachtzuggeschäft ausgestiegen, nachdem sie zuvor Verbindungen wie Berlin–Köln, Hamburg–München und Berlin–Paris und auch ihre Autoreisezüge etwa nach Frankreich nach und nach eingestellt hatte. Die Kunden wurden damit vertröstet, dass es schnelle ICEs gebe und zudem Nacht-ICEs mit Sitzen statt Betten. Ein schwacher Trost.

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