https://www.faz.net/-gxh-9htzl
Foto: Picture-Alliance

Wo man im Jahr 2019
hinfahren sollte

Foto: Picture-Alliance

27.12.2018 · Wo sollen wir nächstes Jahr Urlaub machen? Die Redaktion hat einige Tipps für Sie zusammengestellt: Wo es interessant, doch noch nicht völlig überlaufen ist.


Kuba

Havanna ist jetzt noch gastfreundlicher: Pärchen vor der Festung Castillo de Morro Foto: Picture-Alliance

Lange Jahre hörte man von vielen Kuba-Reisenden: Alles schön, aber das Essen! Wer sich deshalb bislang von einem Besuch des sozialistischen Inselstaates abhalten ließ, dem sei hiermit Entwarnung gegeben. Seit der vorsichtigen Öffnung, die mit dem Besuch Barack Obamas 2016 begann, hat sich im Land einiges getan. Havannas Altstadt ist saniert, schöne Urlaubswohnungen kann man über das Portal Airbnb direkt bei den Einheimischen mieten – und in den Restaurants findet man auf den Speisekarten frisches Thunfischtartar, Burger und sogar persische Küche. Obendrein hat sich die junge Kulturszene einige alte Hallen außerhalb der Altstadt erobert. Dorthin kommt man – und dies sollte Fans des alten Havannas beruhigen – noch immer am schnellsten mit den bunten Chevrolet-Taxis, die hier seit den Fünfziger Jahren ihre polierten Haifischflossenhecks um die Kurven schieben. (marw.)

Mit dem Taxi in die Peripherie, denn dort spielt sich das Kulturleben ab. Foto: Picture-Alliance




Katalonien

Schlemmerhimmel Katalonien: In Barcelona sieht dann auch noch alles schön aus. Foto: Picture-Alliance

Katalonien ist entgegen der landläufigen Meinung kein Landstrich am Rande des Bürgerkriegs, in dem sich Separatisten und Zentralisten gegenseitig die Köpfe einschlagen. Über Politik können die stolzen Katalanen zwar mit lodernder Leidenschaft streiten, doch eine noch weit größere Passion offenbaren sie, wenn es um das Genießen geht. Nirgendwo sonst auf der Iberischen Halbinsel kann man so gut essen wie in Spaniens Nordosten. Die wunderbaren Brüder Joan, Josep und Jordi Roca servieren in ihrem Restaurant „El Celler de Can Roca“ in Girona eine der feinsten und elaboriertesten Drei-Sterne-Küchen der Welt, drei ehemalige Küchenchefs von Ferran Adrià bringen im „Disfrutar“ in Barcelona das unterhaltsamste Menü ganz Spaniens auf den Tisch. Und in einem Schweinswurstschlaraffenland wie dem herrlichen Markt von Olot werden selbst aus den unverbesserlichsten Separatisten und Zentralisten Brüder im Geiste der Butifarra. (str.)

Auch in Cadaqués, Provinz Girona wird empfehlenswert gekocht. Dann bleibt man wegen der Gegend. Foto: Picture-Alliance
Wichtige Anlaufpunkte unterwegs: Örtliche Märkte. Foto: Picture-Alliance




São Tomé und Principe

Das Fort San Sebastian in São Tomé Foto: Picture-Alliance

Beim Anflug auf Principe meint man, direkt auf die Insel zu schweben, auf der Jurassic Park gedreht wurde. Wenn aus den dichten Palmenwäldern Dinosaurierköpfe schauten, wäre man nicht im Geringsten erstaunt. Die Insel ist zu zwei Dritteln Naturschutzgebiet, und darin kann man so einige Tiere entdecken. In den Buchten tummeln sich morgens die Tümmler und Delfine. An die entlegeneren Strände kommen mehrmals im Jahr Meeresschildkröten, um ihre Eier abzulegen. Dann zieht sich nachts über den weißen Sand das Schnaufen und Scharren der Weibchen, die mit großer Eleganz tiefe Löcher graben, um den Nachwuchs bis zum Schlüpfen vor gefräßigen Landtieren zu schützen. Geführte Touren mit Schildkrötenexperten und für die Tiere verträglichem Infrarotlicht bieten Eco-Lodges und Luxushotels gleichermaßen. Letztere lässt der südafrikanische IT-Millionär Mark Shuttleworth hier erbauen, seit er als Weltraumtourist im All schwebte und die tropische Paradiesinsel von dort aus entdeckte. (marw.)

Der Pico Cão Grande an der Ostküste von São Tomé. Foto: Picture-Alliance
Die Kathedrale von São Tomé. Foto: Picture-Alliance




Thüringen

Blick vom Rennsteig auf die Wartburg Foto: Picture-Alliance

Wenn man es gerade wieder einmal besonders eilig hat, von einem Ende der Republik ans andere zu kommen, kann man vom Zugfenster aus etwas verschwommen Grünes vorbeirauschen sehen: Das ist Thüringen. Manchmal belästigt einen der Zug auch mit Halten in einer dieser Städte, und natürlich steigt man nie aus, was soll man auch in Jena oder Gotha oder Weimar oder Erfurt oder irgendwas noch Kleinerem dazwischen. So erfährt man nie, welche Kulturlandschaft einem da entgeht, voller Kirchen, in denen Bach auch schon einmal orgelte, welche dichten, dunklen Wälder, die Goethe besang, welche kuriosen Kleinmuseen (Thermometermuseum, Senfmuseum, Kloßpressenmuseum, Bratwurstmuseum), die zeigen, welche Dinge dem Thüringer am Herzen liegen. Abends kehrt man ein und isst Klöße mit irgendwas daneben, was der Wald oder das Nachbardorf gerade hergeben. Overtourism ist hier übrigens ein Fremdwort. Mit Thüringenkenntnis kann man auch noch Menschen beeindrucken, die bei thailändischen Inseln schon müde abwinken. (dien)

Kann man auch mal aussteigen: Gotha Foto: Picture-Alliance
Vom Kickelhahn über den Knöpfelstalerteich ins Finstere Loch: Wandern in Thüringen Foto: Picture-Alliance




Hangzhou und Suzhou

Brücke über eine Wasserstraße in Suzhou Foto: Picture-Alliance

Im Himmel gibt es das Paradies, auf Erden gibt es Hangzhou und Suzhou. Jeder Chinese kennt dieses Sprichwort, und alle wissen, wieviel Wahrheit in ihm steckt. Die beiden Millionenstädte, die sich von Shanghai aus leicht mit dem Hochgeschwindigkeitszug erreichen lassen, hüten alte Schätze und wachen mit Argusaugen darüber, dass sie in den Turbulenzen des chinesischen Fortschrittssturms nicht verloren gehen. Hangzhous ganzer Stolz ist sein Westsee, das schönste städtische Gewässer des gesamten Landes, dessen Anmut schon die alten Kaiser besangen und der bis heute idealtypisch Chinas Landschaftskunst und Baukunst miteinander verwebt. Und in Suzhou hat die lebendigste Altstadt Chinas überlebt, ein riesiges, von Kanälen durchzogenes, ganz und gar nicht musealisiertes Areal, in dem sich mit dem Garten des bescheidenen Beamten tatsächlich ein Kleinod von paradiesischer Perfektion verbirgt. (str.)

Teefelder am Westsee Foto: Picture-Alliance
Brücke am Westsee in Hangzhou. Foto: Picture-Alliance




Das Außerfern

Fast schon in Deutschland liegt das Außerfern und wird deshalb von Tirolern ignoriert. Foto: Picture-Alliance

Vielleicht liegt es an dem merkwürdigen Namen „Außerfern“, dass es im Tourismusland Tirol noch eine Gegend gibt, die selbst so mancher Innsbrucker für einen Mythos hält. Am nordwestlichen Rand des österreichischen Bundeslandes erstreckt sich eine der unterschätztesten Regionen der Alpen: einsame Täler, wilde Flüsse, kunstsinnige Bewohner. Von Innsbruck aus gesehen bezeichnet „das Außerfern“ alles, was nördlich des Fernpasses, also außerhalb des Tiroler Kerns, exotisch weit weg und fast schon in Deutschland liegt. Den Fernpass wiederum nutzen all jene, die Jahr für Jahr quer durch das Außerfern fahren, um schnell ins Stubaital, an den Gardasee oder an die Adria zu kommen. Das ist ein großes Missverständnis! Und zugleich ein großes Glück. Denn so wurde das Lechtal mit seinem wilden Fluss, an dem man sich nicht wundern würde, Lachse fangenden Bären zu begegnen, über Jahrzehnte hinweg rechts liegen gelassen. Die Bergseen des Tannheimer Tals blieben verwegenen Entdeckern vorbehalten und Orte mit den klangvollen Namen wie Untergschwend, Nesselwängle und Häselgehr vom Massentourismus verschont. (asl)

Zum Durchfahren zu schade: Das Außerfern. Foto: Picture-Alliance




Sarawak, Borneo

Das Städtchen Kuching am Sarawak River, Borneo Foto: Picture-Alliance

Wer Massentourismus für eine Geißel der Erde hält und der Annahme folgt, dass es keine Überdosis Natur gibt, muss nach Sarawak reisen. Dieses gelobte und für Südostasien höchst dünn besiedelte Land liegt im Nordwesten Borneos. Die Sarawakis sind ein bunter Haufen ausnehmend freundlicher, lustiger und geselliger Menschen, die man am besten in sogenannten „Food courts“ trifft, großen Hallen mit unterschiedlichsten Essenständen. Jeder wählt das, wonach ihm gerade ist, oder was die Religion diktiert. Man sollte sich unbedingt in die Hände lokaler Naturführer geben und in die Nationalparks des Landesinneren fahren. Dort gibt es Nasenaffen, Frösche, Geckos, Schlangen, Skinke, Plumploris, Stabinsekten, Schaumzikaden und andere phantastische Tierwesen zu entdecken. Garantiert sieht man bei dieser Suche überbordende Natur, Orchideen an der Zahl, insektenfressende Kannenpflanzen und mit großem Glück auch die größte Blüte der Welt, die Rafflesia. Ähnlich wie der Nasenaffe lässt sie sich nicht in einen zoologischen oder botanischen Garten einsperren und behält sich vor, ohne Ankündigung und nur kurz zu erscheinen. (bali)

Traditionelles Haus in Sarawak. Foto: Picture-Alliance




Sizilien

Sizilien und der Thüringer Wald haben gemeinsam, dass sie von Goethe besungen wurden. Foto: Picture-Alliance

Nein: schön, gediegen, wohltemperiert ist Sizilien eigentlich nicht. Hier geht es immer zur Sache, fühlen sich Land und Leute gleichermaßen rau und draufgängerisch an. In den größeren Städten Palermo und Catania kann man stundenlang auf den Fischmärkten stehen und sich vom Handelsgeschehen forttreiben lassen. Und an den spröden Ortschaften entlang der ionischen Küste gibt es Ausblicke zu entdecken, die man dort nie erwartet hätte. Zum Beispiel in Corridori, am Fuße des Ätna, eine halbe Stunde von Catania entfernt: Am Ende eines langen, holprigen Feldwegs liegt hinter einer efeubewachsenen Mauer ein weitläufiger Zitronenhain mit einem kleinen Pfad, der hinunter zum Meer führt. In der Abenddämmerung hört man schon von weitem das Rauschen der Brandung. Links und rechts liegen Plastikflaschen, Hunde bellen, das Handynetz funktioniert nicht – aber einen herzerhebenderes Gefühl als hier, an einen Baum gelehnt über das Meer zu schauen kann es eigentlich kaum geben. (stra)

Ruppige Schönheit: Hafenpromenade in Cefalù östlich von Palermo. Foto: Picture-Alliance
Vulkanisches Gestein an den Hängen des Ätna, Sizilien, Italien, Europa _ Verwendung weltweit, Keine Weitergabe an Wiederverkäufer. Foto: Picture-Alliance




Israel

Einsamkeit in der Negev-Wüste. Foto: Picture-Alliance

Zehn Teile Schönheit schenkte Gott der Welt. Neun Teile gab er Jerusalem und einen Teil dem Rest der Erde. Zehn Teile Leid brachte Gott über die Welt. Neun Teile warf er auf Jerusalem und einen Teil auf die übrige Erde. So steht es im Talmud, und diese Gottesgaben glaubt man bis heute zu spüren, wenn man durch Israel reist. Wohl kein anderes Land der Welt lebt mit einer solchen Intensität und Widersprüchlichkeit, einer solchen Geschichtstiefe und Gegenwartsbesessenheit. Sterbensschön sind die Sonnenuntergänge in der Negev-Wüste, die Salzskulpturen am Toten Meer, die mittelalterlichen Festungen auf den Golan-Höhen. Unfassbares Leid ist in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem dokumentiert, und eine Lebensfreude wie nirgendwo sonst im östlichen Mittelmeer kann man in Tel Aviv Tag für Tag zu bestaunen. Die ältesten Siedlungen der Menschheit treffen in Israel auf einen immer noch blutjungen Staat, die spirituellsten Städte des Christentums und Judentums auf eine digitale Postmoderne, und das Schönste an allem ist: Israel lässt sich so problemlos und angenehm bereisen, als läge es im Herzen von Europa und nicht im Nahen Osten. (str.)

Kuppel der Grabeskirche in Jerusalem Foto: Picture-Alliance
Strandleben in Tel Aviv Foto: Picture-Alliance

Quelle: F.A.Z.

Veröffentlicht: 27.12.2018 13:29 Uhr