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Reisen durch Südkorea : Warum gibt es das noch nicht bei uns?

Und los geht’s: Nach dem Einloggen kann man im Running-Man-Erlebniscenter Punkte sammeln. Bild: Hana Tours

Südkorea, Land der Widersprüche: Hier ist alles geboten vom gepflegten Spazieren durch Königsgräber bis zur heftigen Endorphinausschüttung in einem fabulösen Abenteuerspielplatz für Erwachsene.

          4 Min.

          Warum ist Strandurlaub eigentlich so populär? Bei Lichte betrachtet, ist es schließlich nicht besonders komfortabel, sich den ganzen Tag vor der Sonne schützen und am Abend Hunderte Sandkörner aus den Klamotten schütteln zu müssen. Aber Strandurlaub bietet eben sowohl ein gutes Programm für den inneren Rentner (lesen und rumgucken) wie für den inneren Halbstarken (durch Wellen tauchen) und das innere Kind (Sandburgen bauen). Am Ende geht man ganzheitlich befriedigt nach Hause. Und ganzheitlich paniert, dank Sonnencreme und Sand.

          Julia Bähr
          Audience Managerin bei FAZ.NET.

          Aber es geht auch ohne Strand. Nur zweieinhalb Stunden liegen die folgenden Programmpunkte in Südkorea auseinander, die nicht nur für Urlaube mit Kindern und Großeltern geeignet sind, sondern auch für Menschen, die Abwechslung lieben. Wir beginnen mit dem Programm für ältere Semester in der Grabanlage Daereungwon in Gyeongju, Unesco-Welterbestätte und entspannter Landschaftspark zugleich: Die dreiundzwanzig Königsgräber, die sich hier zwischen den Spazierwegen als sanfte, grasbewachsene Hügel erheben, verleihen der Anlage die Ästhetik des Teletubby-Lands, doch sie folgen einer wohlüberlegten Architektur.

          Das Gräberfeld des Daereungwon Park zeigt 23 Grabanlagen von Königen und Edelleuten der Silla Dynastie aus der Gegend von Gyeongju.
          Das Gräberfeld des Daereungwon Park zeigt 23 Grabanlagen von Königen und Edelleuten der Silla Dynastie aus der Gegend von Gyeongju. : Bild: Picture-Alliance

          Die Grabstätten darin stammen aus der Silla-Dynastie, die von 57 v. Chr. bis 935 bestand. Damals wurden die Herrscher in einen Holzsarg gelegt, daneben stellten die Höflinge einen Holzsarg mit wertvollen Grabbeigaben, die es vor Dieben zu schützen galt. Also baute man um Sarg und Truhe herum eine hölzerne Kammer, auf die anschließend Steine gehäuft wurden. Bis zu dreiundzwanzig Meter sind die Steinhügel hoch, die nach und nach von der sie umgebenden Wiese eingemeindet wurden. Harmlos und grasgrün stehen sie da, aber wer versuchte, hier einzubrechen, konnte nicht einfach ein Loch in den Hügel graben: Die Steine waren im Weg, und wer sie entfernte, sah nur neue von oben nachrutschen. Am Ende wäre bei solchen Versuchen der ganze Hügel kollabiert – und das konnte selbst im Dunkeln kaum unbemerkt bleiben.

          Besucher betrachten die Ausstellungsstücke in der Grabstätte Cheonmachong.
          Besucher betrachten die Ausstellungsstücke in der Grabstätte Cheonmachong. : Bild: Julia Bähr

          Professionell geöffnet wurde im Jahr 1973 das Cheonmachong, genannt „Grabstätte des himmlischen Pferdes“ nach dem Bild eines galoppierenden Pferdes, das auf einer Sattelklappe bei den Grabbeigaben gefunden wurde. Rund 11.500 weitere Artefakte fanden die Archäologen, aber noch immer ist unklar, welcher Herrscher hier beerdigt liegt. Man vermutet das späte 5. oder frühe 6. Jahrhundert als Todeszeitpunkt. Die Schlange der anstehenden Touristen reicht bis zum Eingang hinaus, aber das Anstellen lohnt sich, denn es geht schnell vorwärts. In einer Vitrine sind die ersten Schätze zu sehen, besser gesagt: Repliken davon. Die Originale der Grabfunde sind wenige Kilometer entfernt im Gyeongju National Museum untergebracht. Aber die goldglänzenden Artefakte sind gar nicht die Hauptattraktion. Viel beeindruckender ist es, innen vor dem Längsschnitt durch den Steinhügel zu stehen. Man kommt nicht umhin, sowohl die Arbeit der Arbeiter aus der Silla-Dynastie als auch die der Archäologen zu bewundern.

          Diese Pferdedecke gab dem Grab seinen Namen.
          Diese Pferdedecke gab dem Grab seinen Namen. : Bild: Julia Bähr

          Aber man kann ja nicht immer nur große Taten bewundern, man muss sich auch mal selbst herausfordern. Wir fahren mit dem Zug zweieinhalb Stunden nach Nordwesten in die Hauptstadt Seoul. In Jongno-gu, dem historischen Zentrum, steht ein blaues Männchen mit großem runden Kopf, das zu rennen scheint. Zu seinen Füßen ragt eine Treppe in den Untergrund, wo das Running Man Erlebniscenter seit 2017 ein besonderes Unterhaltungskonzept anbietet. Ab 110 Zentimeter Körpergröße darf hier jeder hinein, Kinder unter 13 Jahren allerdings nicht ohne Erwachsene. Die Besucher müssen sich am Anfang für eine Farbe entscheiden, Blau, Rot oder Grün, was besonders spannend ist für Gruppen: Hier kann man Mannschaften bilden und gemeinsam versuchen, die meisten Punkte zu sammeln. Dazu muss man kleine Herausforderungen bestehen, die meist sportlicher Natur sind und teilweise durchaus anspruchsvoll: Dreißig Sekunden können sehr lang werden, wenn man dabei mit den bloßen Händen an Metallringen hängt und betet, die Zeit möge schneller vergehen. Fast schon entspannend ist dagegen die Schreikabine, in der man eine bestimmte Lautstärke erreichen muss, um die Punkte gutgeschrieben zu bekommen.

          Mit einem Armband checkt man an den einzelnen Stationen ein. Die Ehrgeizigsten in der Gruppe treffen sich zwischendurch immer wieder an einem Monitor, der anzeigt, welche Punkte einem noch fehlen. Das kann einen in den Wahnsinn treiben – weniger bei den sportlichen Herausforderungen, sondern vielmehr bei den versteckten Punkten, die man in einem Irrgarten und einem stockfinsteren Parcours finden muss. Dort hängen weiße Kreise an der Wand, an die man sein Armband halten muss. Dafür bekommt man entweder einen Punkt oder ein schnarrendes Geräusch. Vor allem der Irrgarten ist so groß, dass es erstaunlich schwierig ist, alle Punkte zu finden. Man darf zwar immer wieder hinein, aber die Zeit läuft ab: Insgesamt hat man eine Stunde Zeit. Am Ende dreht man noch eine Art digitales Glücksrad und bekommt einen Bonus – oder einen Malus. Es ist ein großer Spaß. Völlig unerklärlich, dass das Konzept nicht wie Escape Rooms mittlerweile in jeder europäischen Stadt adaptiert wurde.

          Bei manchen Herausforderungen muss das ganze Team zusammenarbeiten.
          Bei manchen Herausforderungen muss das ganze Team zusammenarbeiten. : Bild: Hana Tours

          Das Ganze ist nach der Fernsehserie „Running Man“ benannt, aber selbst wenn man sich später trunken vor Begeisterung ein paar Folgen davon ansieht, erschließt sich die Verwandtschaft nicht. „Running Man“ wirkt eher wie eine gescriptete Studentenparty mit Trinkspielen, deren Komik vielleicht einfach nicht jedem Kulturkreis zugänglich ist. Das Erlebniscenter hingegen ist eine Art ambitionierter Abenteuerspielplatz mit Belohnungssystem, also im Grunde genau das, wofür der Mensch physisch und psychisch gebaut ist. Man kann förmlich spüren, wie der Körper eine bunte Mischung von Glückshormonen ausschüttet.

          Hauptsache, das Kind freut sich: Im Poo Poo Land spielen die Empfindungen von Erwachsenen nicht die größte Rolle.
          Hauptsache, das Kind freut sich: Im Poo Poo Land spielen die Empfindungen von Erwachsenen nicht die größte Rolle. : Bild: Julia Bähr

          Um ganz andere Körperfunktionen geht es nebenan. Direkt neben dem Running Man hat 2019 das „Poo Poo Land“ eröffnet, eine Art Naturlehrpfad durch den menschlichen Darm – aber natürlich in Quietschbunt und mit vielen lustigen Features, denn erstens sind wir in Südkorea und zweitens richtet sich das Angebot an Kinder. Um sich die Kontraste dort vorstellen zu können, muss man wissen, dass die Einheimischen ihre Kinder besonders hübsch anziehen, vor allem die Mädchen. Es kann einem also durchaus passieren, dass man in einen Raum kommt, in der ein vor Glück quietschendes kleines Mädchen in einem Glitzertüllrock gerade die Rutsche hinabgleitet, die an einem riesengroßen künstlichen Kackhaufen angebracht ist.

          Auch wenn diese Leidenschaft in Deutschland nicht besonders gefördert wird, dürfte die Faszination für die eigenen Ausscheidungen doch allen Kindern der Welt gemeinsam sein. Hier können sie sich zwischen aufgehängten Gymnastikbällen durch Darmwindungen drängeln, auf goldenen Klos sitzen und an Plastikhintern fassen, die dann plötzlich lospupsen.

          Man muss die Begeisterung der Kinder nicht nachvollziehen können, um sich an ihr zu erfreuen – und um sehr lustige Fotos fürs Urlaubsalbum zu machen. Dieses Konzept macht jedenfalls schneller Karriere als das Running Man Erlebniscenter: In der südkoreanischen Hafenstadt Busan hat bereits ein zweites „Poo Poo Land“ eröffnet.

          Der Weg nach Südkorea

          Anreise
          Flüge nach Seoul täglich, z. B. mit Asiana Airlines ab Frankfurt

          Veranstalter
          Verschiedene Rundreisen hat beispielsweise Tischler Reisen im Programm (tischler-reisen.de).

          Hügelgräber Daereungwon
          Erwachsene 3000, Kinder 1000 Won (2,30/0,80 Euro)
          9 Gyerim-ro, Hwangnam-dong, Gyeongju
          Täglich von 9 bis 22 Uhr (english.cha.go.kr)

          Running Man Erlebniscenter
          Eintritt 16.000 Won (12 Euro) (running-man.kr/eng/main.do) Poo Poo Land Eintritt 9000 Won (7 Euro)
          Kinder unter 36 Monaten Jahren frei (playpoop.com/eng).
          Beide in 41, Insadong 5-gil, Jongno-gu, Seoul.
          Täglich von 10 bis 20 Uhr (Einlass bis 19 Uhr).

          Weitere Informationen unter visitkorea.or.kr

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