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Reisen durch Südkorea : Warum gibt es das noch nicht bei uns?

Mit einem Armband checkt man an den einzelnen Stationen ein. Die Ehrgeizigsten in der Gruppe treffen sich zwischendurch immer wieder an einem Monitor, der anzeigt, welche Punkte einem noch fehlen. Das kann einen in den Wahnsinn treiben – weniger bei den sportlichen Herausforderungen, sondern vielmehr bei den versteckten Punkten, die man in einem Irrgarten und einem stockfinsteren Parcours finden muss. Dort hängen weiße Kreise an der Wand, an die man sein Armband halten muss. Dafür bekommt man entweder einen Punkt oder ein schnarrendes Geräusch. Vor allem der Irrgarten ist so groß, dass es erstaunlich schwierig ist, alle Punkte zu finden. Man darf zwar immer wieder hinein, aber die Zeit läuft ab: Insgesamt hat man eine Stunde Zeit. Am Ende dreht man noch eine Art digitales Glücksrad und bekommt einen Bonus – oder einen Malus. Es ist ein großer Spaß. Völlig unerklärlich, dass das Konzept nicht wie Escape Rooms mittlerweile in jeder europäischen Stadt adaptiert wurde.

Bei manchen Herausforderungen muss das ganze Team zusammenarbeiten.
Bei manchen Herausforderungen muss das ganze Team zusammenarbeiten. : Bild: Hana Tours

Das Ganze ist nach der Fernsehserie „Running Man“ benannt, aber selbst wenn man sich später trunken vor Begeisterung ein paar Folgen davon ansieht, erschließt sich die Verwandtschaft nicht. „Running Man“ wirkt eher wie eine gescriptete Studentenparty mit Trinkspielen, deren Komik vielleicht einfach nicht jedem Kulturkreis zugänglich ist. Das Erlebniscenter hingegen ist eine Art ambitionierter Abenteuerspielplatz mit Belohnungssystem, also im Grunde genau das, wofür der Mensch physisch und psychisch gebaut ist. Man kann förmlich spüren, wie der Körper eine bunte Mischung von Glückshormonen ausschüttet.

Hauptsache, das Kind freut sich: Im Poo Poo Land spielen die Empfindungen von Erwachsenen nicht die größte Rolle.
Hauptsache, das Kind freut sich: Im Poo Poo Land spielen die Empfindungen von Erwachsenen nicht die größte Rolle. : Bild: Julia Bähr

Um ganz andere Körperfunktionen geht es nebenan. Direkt neben dem Running Man hat 2019 das „Poo Poo Land“ eröffnet, eine Art Naturlehrpfad durch den menschlichen Darm – aber natürlich in Quietschbunt und mit vielen lustigen Features, denn erstens sind wir in Südkorea und zweitens richtet sich das Angebot an Kinder. Um sich die Kontraste dort vorstellen zu können, muss man wissen, dass die Einheimischen ihre Kinder besonders hübsch anziehen, vor allem die Mädchen. Es kann einem also durchaus passieren, dass man in einen Raum kommt, in der ein vor Glück quietschendes kleines Mädchen in einem Glitzertüllrock gerade die Rutsche hinabgleitet, die an einem riesengroßen künstlichen Kackhaufen angebracht ist.

Auch wenn diese Leidenschaft in Deutschland nicht besonders gefördert wird, dürfte die Faszination für die eigenen Ausscheidungen doch allen Kindern der Welt gemeinsam sein. Hier können sie sich zwischen aufgehängten Gymnastikbällen durch Darmwindungen drängeln, auf goldenen Klos sitzen und an Plastikhintern fassen, die dann plötzlich lospupsen.

Man muss die Begeisterung der Kinder nicht nachvollziehen können, um sich an ihr zu erfreuen – und um sehr lustige Fotos fürs Urlaubsalbum zu machen. Dieses Konzept macht jedenfalls schneller Karriere als das Running Man Erlebniscenter: In der südkoreanischen Hafenstadt Busan hat bereits ein zweites „Poo Poo Land“ eröffnet.

Der Weg nach Südkorea

Anreise
Flüge nach Seoul täglich, z. B. mit Asiana Airlines ab Frankfurt

Veranstalter
Verschiedene Rundreisen hat beispielsweise Tischler Reisen im Programm (tischler-reisen.de).

Hügelgräber Daereungwon
Erwachsene 3000, Kinder 1000 Won (2,30/0,80 Euro)
9 Gyerim-ro, Hwangnam-dong, Gyeongju
Täglich von 9 bis 22 Uhr (english.cha.go.kr)

Running Man Erlebniscenter
Eintritt 16.000 Won (12 Euro) (running-man.kr/eng/main.do) Poo Poo Land Eintritt 9000 Won (7 Euro)
Kinder unter 36 Monaten Jahren frei (playpoop.com/eng).
Beide in 41, Insadong 5-gil, Jongno-gu, Seoul.
Täglich von 10 bis 20 Uhr (Einlass bis 19 Uhr).

Weitere Informationen unter visitkorea.or.kr

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