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Reise durch Kuba : Was kommt nach der Dämmerung?

Unbeschwertheit ist in Kuba ein Privileg der Kinder, die man überall auf den Straßen an ihren Schuluniformen erkennt

Wir lassen dutzendweise Ochsenkarren, Pferdekutschen, Hunderte Fahrräder und nur wenige Busse und Lastwagen hinter uns. An den Ortseingängen sorgen wir bei den vielen Autostoppern am Straßenrand zuweilen für gestenreiches Unverständnis, weil unser Bus nicht anhält, obwohl ihn sein Kennzeichen als staatlich ausweist und zur Mitnahme von Trampern verpflichtet. An der Beschwerlichkeit des kubanischen Ortswechsels hat sich offenbar seit Compay Segundos berühmter Son-Hymne „Chan Chan“ nicht viel verändert. „Von Alto Cedro gehe ich nach Marcane“, heißt es da, „ hinter Cueto geht es weiter nach Mayarí ...Säubere den Weg von Stroh, / damit ich mich setzen kann, / ... So werde ich wohl nie ankommen.“

Einen weiteren poetischen Moment erleben wir auf einer Landstraße vor Morón, auf der wir die Fahrbahn wechseln müssen, weil auf unserer Seite die Reisernte der Anwohner zum Trocknen ausliegt. Und fast genauso unwirklich kommen uns die dichten rosafarbenen Teppiche vor, die wir unterwegs immer wieder auf kleinen Bauernhöfen unter Kubanischen Apfelbäumen liegen sehen - sie haben gerade ihre Staubgefäße abgeworfen.

Ein Held der Wiederholung

Häuser begegnen uns in allen Bauweisen und karibischen Farbkombinationen. Klein sind sie alle. Und wenn sie dann auch noch ein illegal ausgebautes Obergeschoss aufweisen, spiegelt sich in ihnen die Wohnungsnot eines Landes wieder, in dem die Generationen gezwungen sind, über Jahrzehnte hinweg unter einem einzigen Dach zusammenzuleben - was zu Kubas geringer Geburtenrate und einer Scheidungsrate von achtzig Prozent beiträgt.

Vor Santiago de Cuba häufen sich die Palmen, plötzlich befinden wir uns für wenige Kilometer auf einer ausgebauten Autobahn mit Oleander-Büschen in der Mitte. Eigentlich sollte die breite Straße einmal nach Havanna führen, wegen der einsetzenden Spezialperiode ist sie jedoch Fragment geblieben. Die herausgeputzte Straße ist wie eine Ouvertüre zu dem atemraubenden Blick, den das herrschaftliche Kastell El Morro an der Bucht Santiagos auf das Karibische Meer gewährt. Wieder ist uns der Sonnenuntergang auf den Fersen. Melodramatisch ist die Dämmerung auf dem Cementerio Santa Ifigenia, auf dem sich das Grab des Nationalhelden José Martí befindet. Die tiefstehende Sonne strahlt die barocken Wolken derart dramatisch an, als solle uns hier eine Lektion in Sachen Vergänglichkeit gegeben werden. Auf der Dachterrasse des Hotels „Casa Granda“ sehen wir die Sonne dann endgültig verschwinden. Und als wir wieder auf die Straße treten, vor uns der Parque Céspedes, in dem Fidel Castro am 1. Januar 1959 den Sieg der Revolution feierte, haben wir wieder dieses flirrende Abendgefühl, das uns diesmal in die „Casa de la Trova“ führt, hier ist das große Salsa-Tanzen im Gange, mit den geschmeidigsten Tänzern der Gegend. Die Band spielt so laut, dass sich die Japaner am Touristentisch ganz vorne nach hinten umsetzen.

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