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Reise durch Kuba : Was kommt nach der Dämmerung?

Über zweihundertfünfzig Strände besitzt Kuba, im Norden der Insel sollen zusätzliche Koralleninseln erschlossen werden

Doch wir machen uns auf den Weg in die vermeintliche Zukunft Kubas, an einen Ort des organisierten Massentourismus, von dem sich zumindest der Staat den wirtschaftlichen Aufschwung erhofft. Wie sonst sollte er auch nach fünfzig Jahren des amerikanischen Wirtschaftsembargos Devisen ins Land holen, ohne in die alte wirtschaftliche Abhängigkeit zu geraten. Die Bildungselite des Landes hat das längst begriffen. Bei einem Durchschnittseinkommen von vierhundert kubanischen Pesos im Monat - das entspricht etwa zwanzig CUC, also ungefähr dem Trinkgeld für zwanzig kleine Dienstleistungen - drängen die Akademiker entschieden in den Tourismus, was zeitweilig sogar zu Engpässen im Englischunterricht an den Schulen führte.

Kuba hat mehr als zweihundertfünfzig Strände, an denen das Wasser in allen erdenklichen Farbtönen zwischen Grün und Blau leuchtet, hinter Korallenriffen wirkt der Sand manchmal fast so fein und weiß wie Gips. Doch nicht alle diese Badeparadiese sind schon erschlossen. Vor allem im Norden befinden sich noch viele vorgelagerte Inseln, die der Staat zu erobern gedenkt. Gerade abgeschlossen wurde nordöstlich von Santa Clara die Anbindung Cayo Santa Marias durch einen vierzig Kilometer langen Damm, der die Ansiedlung einer Reihe auffällig flacher, weitläufiger Hotelanlagen ermöglicht hat. Einige von ihnen grenzen sogar Familien räumlich von kinderlos Reisenden ab, was eine gespenstische Stille zur Folge hat. Die gärtnerisch überaus gepflegten Anlagen, die aus ökologischen Gründen nicht direkt am Strand liegen und dem solidarischen Geist des Landes nicht so recht entsprechen wollen, setzen durchweg auf all inclusive und befinden sich komplett in staatlicher Hand. Allerdings überlässt man das Management erfahrenen Hotelketten, meist aus Spanien.

So werde ich wohl nie ankommen

Ansprechen sollen diese Anlagen vor allem kanadische Urlauber, die im Winter millionenfach ins sonnige Kuba fliegen. Um die Abgeschiedenheit zu kaschieren, bietet man auf dem Inselverbund günstige Katamarantouren an, außerdem wurde ein Konsumdorf erbaut, in dem wir an einem stockfinsteren Abend fast allein unterwegs sind.

Beim Auschecken am nächsten Morgen kommen wir mit einem amerikanischen Touristen ins Gespräch. Er wundert sich, dass wir eine Rundreise durch Kuba machen. Er wusste gar nicht, dass das möglich ist und liegt damit nicht ganz falsch - müssen amerikanische Rundreisen auf Kuba doch strengen Kriterien wie dem ausschließlichen Besuch von Welterbestätten genügen. Wir jedenfalls sind erleichtert, die All-inclusive-Insel und den endlosen Mangrovendamm in Richtung Südosten zu verlassen. Denn Kuba lernt man ambesten bei Fahrten durchs Land kennen: Palmenwälder, Zuckerrohrplantagen, Papaya- und Zitrushaine auf roter Erde ziehen an uns vorüber, wir passieren riesige Weiden, die für die wenigen Ziegen und Schafe eine Nummer zu groß sind. Nur gelegentlich begegnen wir einigen Zebu-Rindern mit Kuhreihern und Aasgeiern im Schlepptau. Junge Männer mähen am Straßenrand mit Macheten die Randbegrünung, und einmal fahren wir sogar an einem Trupp von Straßenarbeitern vorüber, die in einem Tunnel die Wandkacheln mit Autoschwämmen abwaschen. Kuba ist sauber.

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