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Reise durch Kuba : Was kommt nach der Dämmerung?

Kuba

Wir selbst sitzen in einem Touristenbus der Marke Yutong, der etwas nach Insektenmitteln riecht und dessen Federn gehörig quietschen, der aber alles an Bord hat, was man braucht, sogar einen Bildschirm für DVDs, eine Sonnenblende mit Kuba-Silhouette, einen Kühlschrank und eine Digitaluhr, die allerdings während unseres gesamten Aufenthalts nach eigenen Gesetzen falsch geht. Und obwohl wir später, auf unseren langen Fahrtstrecken durch den Osten Kubas, fast permanent damit rechnen, bei nächster Gelegenheit liegenzubleiben, wird der Bus die Reise schadlos überstehen. Selten hat uns chinesische Technik derart beeindruckt wie in Kuba, das der asiatischen Großmacht insofern gleicht, als es ebenfalls einen zukunftsträchtigen dritten Weg zwischen Sozialismus und Kapitalismus zu finden versucht. Nach ersten Privatisierungswellen hat die Regierung den Bürgern Reisefreiheit gewährt und jüngst das Importverbot für Autos abgeschafft. Doch die meisten Kubaner merken nichts von diesen neuen Freiheiten, im Land gibt es immer noch Bezugshefte für Grundnahrungsmittel. Wer denkt da an ein neues Auto?

In der Innenstadt Santa Claras übernachten wir in einem staatlichen Hotel, zu Abend essen wir in einem privaten Restaurant, das man an den vielen Ventilatoren erkennt, die an der Decke um die Wette kreisen - Klimatechnik ist ein Statussymbol in Kuba, und zur Not nimmt man dafür auch eine Unterkühlung in Kauf. Am zentralen Parque Leoncio Vidal mit seinen weißen Kolonialbauten und dem mintfarbenen Hotel, in dem sich noch Einschusslöcher aus den fünfziger Jahren befinden, ist kaum etwas los - es ist Montag, und im Fernsehen läuft gerade eine populäre Telenovela.

Die unheimliche Stille auf der Touristeninsel

Lebhafter zeigt sich der Platz am nächsten Morgen. Aus kinderhohen Lautsprechern dröhnt Tanzmusik, und wir tauchen ein in die kubanische Revolution, besuchen die Waffentransportzüge, die Che Guevara im Dezember 1958 aus den Gleisen hob, und besichtigen das Mausoleum mit seinen sterblichen Überresten. Äußerlich ist das Grabgebäude ein unscheinbarer Flachbau, von innen wirkt es mit seinen Mauerverblendungen aus Kalkstein und dem raffinierten Lichtdesign fast wie ein modernes Wohnzimmer. Erhebende Gefühle aber kommen hier nicht einmal bei einem einstigen Che-Guevara-Sweatshirt-Träger auf. Zu brav, zu vereinnahmend wirkt der Gedenkraum. Und dann noch das: An der Rückseite des Mausoleums stellt sich eine Gruppe spanischer Reisender vor José Delarras sechs Meter hohem Bronzedenkmal auf, und statt „Cheese“ rufen sie „Che!“ - so weit ist es mit der Popularisierung des Guerrilleros also schon gekommen. Der Vorplatz füllt sich mit kleinen chinesischen Bussen und Touristen aus aller Welt.

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