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Oberitalien : Ein Netz aus Flüssen und Wassergräben

  • -Aktualisiert am

Grandios ist der Blick aus dem Boot auf Mantua, die Stadt der Gonzagas inmitten künstlicher Seen. Bild: Picture-Alliance

Rund um Mantua breitet sich das flache Land der Poebene aus. Am schönsten ist es hier, wenn die Reisfelder geflutet sind, auf denen der Rohstoff für Risotto wächst.

          Mit Dario Artoni, fast zwei Meter groß und breitschultrig wie ein Bär, möchte man keine handfeste Auseinandersetzung haben. Früher spielte er Rugby, heute hält er sich mit Boxen fit. Doch Artoni lächelt gerne und wirkt gutmütig. Als eifriger Kirchgänger hütet er in der Brieftasche ein Heiligenbildchen seines Namenspatrons San Dario. Auf dem zerknitterten Bild, das Artoni jedes Mal in die Augen fällt, wenn er seine Geldbörse aufklappt, setzen zwei pausbäckige Engel dem Heiligen die Märtyrerkrone auf den Lockenkopf. Gewalt auszuüben ist Dario Artonis Sache nicht. Der technische Leiter des Bewässerungs- und Bodenverbesserungskonsortiums der Mincio-Gebiete, den ich auf einer Inspektionsfahrt im Dienstwagen, einem alten Fiat Panda, begleite, macht ein Kreuzzeichen, sobald wir auf den gewundenen Sträßchen am Minciofluss entlang eine Kirche passieren.

          In den verschlafenen Dörfern bei Mantua gibt es viele Gotteshäuser. Man sieht sie schon von weitem. Abgesehen von mächtigen Platanen, welche die Felder in langen Reihen umrahmen, gibt es hier kaum etwas, das höher emporragt als die bescheidenen Dorfkirchen. „La Bassa“, die Niederung, nennen die Italiener das tellerflache Schwemmgebiet des Po südlich von Mantua.

          Ein amphibisches Reich

          Was Dario Artoni allerdings gar nicht zu mögen scheint, sind Ordnungswidrigkeiten. Gerade ist es wieder so weit. Als wir um eine Kurve fahren – rechts schlängelt sich ein breiter schilfgesäumter Bewässerungsgraben dahin, links gurgelt algengrüne Brühe durch einen etwas schmäleren Kanal –, versperrt uns ein Bagger den Weg. Um auszuweichen, muss Artoni über Schlaglöcher rumpeln, dabei kommt sein kantiger Schädel dem Autodach bedenklich nahe. Die Arbeiter haben das anrollende Unheil offenbar nicht bemerkt. Der Mann in der Kabine langt weiter seelenruhig mit seiner Greifschaufel in den Kanal, um dort einen umgestürzten Baumstamm hochzuheben, während auf der Straße mehrere Kollegen plaudernd herumstehen. Ihre Rechte mit angewinkeltem Ellbogen auf die hölzernen Stiele der Spatengabeln gestützt, rauchen sie Zigaretten. „Hier läuft alles falsch!“, schnaubt Artoni. Er reißt die Wagentür auf und stürmt, die Handykamera im Anschlag, auf die Arbeiter zu: „Wo bleibt das Warndreieck? Die Signalwesten und Schutzhelme – alles überflüssig, wie!?“ Die Männer kennen ihren Chef und wissen, dass sein Zorn bald verrauchen wird. Jetzt im Frühling sind sie Tag und Nacht im Einsatz. Wenn die Reisfelder geflutet werden, müssen sämtliche Kanäle in Schuss sein, da kann man auch mal fünfe gerade sein lassen.

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