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Regenwandern : Unter den Wolken

  • -Aktualisiert am

Steht ein Pferd auf der Flur. Bild: Nink

Nichts fürchtet der gemeine Wanderer so sehr wie den Regen. Dadurch verpasst er einiges. Über „Brasfrwrw“, Petrichor und Moos, das auf Moos wächst.

          5 Min.

          Im Sommer war ich zum Wandern in Vorarlberg, aber Vorarlberg war überhaupt nicht da: Dort, wo es hätte sein sollen, gab es nur noch Wolken. Die Berge, der Wald, die Wiesen, die ganze Welt war verschwunden, die Wolken begannen gleich hinter den Häusern auf der anderen Straßenseite. Trotzig bin ich in sie hineingelaufen, sehr früh am ersten Morgen. Es nieselte, es war jene Art von Regen, der geduldig ist, weil er weiß, dass er sich am Ende doch hineinmogeln wird, in die kleine Lücke zwischen Hals und Jackenkragen, in den winzigen Spalt zwischen Socke und Schuhrand. Nach einer halben Stunde hatte ich einen Fuchs gesehen und drei Rehe. Die Tiere schienen überrascht darüber zu sein, dass in diesem Wetter außer ihnen noch jemand unterwegs war. Auf dem Rückweg stand dann noch ein Pferd im Wald. Es sah einen Moment lang zu mir hinüber, als fühle es sich ertappt, ein Einhorn ohne Horn. Wenn ich mir das Foto heute anschaue, sieht es beinahe unwirklich aus. Als hätte ich das überhaupt nicht gesehen. Als hätte es überhaupt nicht geregnet in Vorarlberg.

          Laufrichtung

          Ein langes Frühjahr und einen noch längeren Sommer lang ist Deutschland gewandert. Feiern auf Mallorca ging ja bloß für ein paar Wochen, in die Vereinigten Staaten wollte niemand, und all die bunt bemalten Kreuzfahrtschiffe fuhren nirgendwohin. Also wurde gewandert. Und wie. In manchen Regionen mussten die Parkplätze gesperrt werden, weil sie bereits morgens um acht überfüllt gewesen wären und die Autos anschließend in der Maulwurfsgrillenbiotop-Böschung nebenan gestanden hätten. An Rundwegen, auf denen noch ein paar Wochen zuvor kaum jemand unterwegs war, hingen nun Warnschilder: „Bitte halten Sie sich wegen der Infektionsgefahr an die vorgeschriebene Laufrichtung!“

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