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Rafting am Chiemsee : Mit Schwung ins Entenloch

  • -Aktualisiert am

Eines der letzten großen Flussdeltas: das Mündungsgebiet der Ache. Bild: Picture-Alliance

Der Chiemsee und sein Zufluss, die Tiroler Ache, sind nicht nur zum Baden gut. Man kann sie auch im Gummiboot erkunden.

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          Still ruht der See, in dem der Märchenkönig Ludwig II. eines seiner Schlösser bauen ließ. Ein paar Tage nur war er dort, fertig wurde der Prachtbau auf der Herreninsel damals nicht. Ein bayerisches Idyll tut sich im Süden des Landes auf, mit einem beinahe runden, wellenlosen See, mit drei Inselchen, einem Kloster und ein paar Kühen. Die Segler kommen kaum vorwärts, kein Lüftlein weht. Doch der Schein trügt. Ganz so gemütlich geht es dann doch nicht zu. Dort, wo das Wasser seinen Lauf nimmt, um das „bayerische Meer“, wie der drittgrößte See Deutschlands stolz genannt wird, zu füllen, da tobt es, saust es und dreht es und hat gar seine Farbe eingebüßt. Braun ist es jetzt, statt leuchtend türkisgrün, und wie durchgewalkt.

          Vor inzwischen 42 Jahren hüpfte das erste Boot flussabwärts die Tiroler Ache hinunter – zum Erstaunen manch eines Wanderers, der seinen Blick vom Schmuggelpfad hinab ins tief eingeschnittene Flusstal schweifen ließ. Im Boot saßen Josef und Ingrid Lukas. Sie brachten einst das Rafting an ebenjenen Fluss, der sein Wasser dem Chiemsee spendet. „Wir hatten damals eine Filmvorführung von dem bekannten Kajakfahrer Hans Memminger besucht und waren richtig begeistert von seinen Abenteuern. Und da dachten wir uns, wir haben hier zwar keinen Grand Canyon, aber wir haben die Ache.“ Gesagt, getan, ein Schlauchboot musste her, und ab ging’s aufs Wasser. Noch heute fährt die 67 Jahre alte Dame den Fluss hinunter und kümmert sich sonst um all die Neugierigen, die auch das mal sanfte, mal wilde Flussgefühl erleben möchten.

          In achttausend Jahren ein steiniges Meer

          Hinein in den engen und zum Leidwesen Einzelner recht figurbetonten Neoprenanzug, die passenden Schuhe sorgen zusätzlich fürs Wohlgefühl, falls das kalte Bergwasser überkommt, Helm auf, die Schwimmweste sitzt, anpacken und – hau ruck! – das Boot über Geröll zur Einstiegsstelle tragen. Die ausgewaschenen Steine, die am Ufer liegen, hat der Fluss vergessen, der sonst all seine Sedimente und Schwebstoffe zum Chiemsee bringt.

          Eine grenzüberschreitende Angelegenheit: Wanderer am Schmugglerpfad bei Schleching.

          So frei, wie er durch die Alpen fließen darf, wird er mit seinem Geschiebetransport weitermachen, Jahr für Jahr, Dekade für Dekade. Gerade diese weitgehende Flussdynamik sei eine Besonderheit der Tiroler Ache, hebt Stefan Kattari, Museumleiter und Biologe, hervor, wenn er vom Bergfluss mit seinen Kiesbänken erzählt. Und wenn der Fluss weiter all die Steine mit sich nimmt, füllt er irgendwann den See. Dann wird das Wasserparadies Bayerisches Meer zum steinigen Meer. In achttausend Jahren soll es so weit sein, vielleicht auch erst in zehntausend Jahren.

          Dann ergeht es dem Chiemsee so wie einst dem Rosenheimer oder dem Salzburger See, die sich inzwischen ganz ohne Wasser in die Voralpenlandschaft eingebettet haben. Verschwunden sind sie vor mehr als zehntausend Jahren. Bis der Chiemsee, den man einst für die Landwirtschaft verkleinern und so in seine ohnehin schrumpfende Zukunft eingreifen wollte, dran glauben muss, wächst erst einmal das Mündungsgebiet der Ache. Es gilt als das das letzte große Binnendelta Europas. Bereits 1954 wurde es unter Naturschutz gestellt – und es wächst und wächst im Südosten des Chiemsees.

          Man muss das Boot schon lenken

          Doch die Schlauchboote kommen weiter flussaufwärts im österreichischen Kössen zum Einsatz. Der Transfer ins Nachbarland ist wohlorgansiert, das Material bereit, wir müssen noch kurz mit den Neoprenschuhen über die Kiesbank staksen und das robuste Boot ins Wasser setzen. „Einsteigen bitte“ – schon der Anfang ist die erste kleine Herausforderung. Danach wird es erst einmal ruhiger.

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