https://www.faz.net/-gxh-85bir

Radfahren in Frankreich : Nicht geteert, gefedert

  • -Aktualisiert am

Abfahrt mit Aussicht: Vom Col de Balme geht es rasant hinunter Richtung Chamonix - den Mont Blanc immer im Blick. Bild: Andreas Lesti

Früher ließen sich Reisende in Alpensänften über den Pass tragen. Heute steht der Begriff für vollgefederte Mountainbikes. Eine Fahrt zum Col de Balme

          Es kommt immer darauf an, wen man fragt. Zum Beispiel nach der sogenannten Alpensänfte. Hätte man den Bergwanderer Mark Twain danach gefragt, dann hätte die Antwort folgendermaßen gelautet:

          „Die Alpensänfte sieht manchmal aus wie eine gepolsterte Kiste, die zwischen den Mittelteilen zweier langer Stangen befestigt ist, und manchmal ist es ein Stuhl mit einer Rückenlehne und einer Fußstütze. Sie wird von einander ablösenden Mannschaften starker Träger geschleppt. Ihre Bewegung ist ruhiger als die jedes anderen Transportmittels.“

          Diese Zeilen notierte der Schriftsteller während seines „Bummels durch Europa“ vor fast 150 Jahren, als er diese eigentümlichen Gebilde zum ersten Mal auf dem Gemmipass im Wallis erblickte.

          Fragt man dagegen heute Bertrand Verdelet, einen jungen Mann aus Chamonix, dann lautet die Antwort: „Eine Alpensänfte ist schwarz, wiegt 13 Kilo, hat 150 Millimeter Federweg, 2,4 Zoll breite Reifen und Scheibenbremsen.“

          Pfadfinder: Diese Wege sind für Mountainbiker gemacht - das ist rund um den Mont Blanc nicht immer der Fall.

          Tatsächlich stößt man auch im Internet bei der Suche des alten Begriffs Alpensänfte ausschließlich auf vollgefederte Mountainbikes. Auf zwei dieser Alpensänften sind wir unterwegs von Chamonix zum Col de Balme. Dieser Pass führt von Frankreich in die Schweiz, von den Hoch-Savoyen ins Wallis, und zu Twains Zeiten war er schon ein bedeutender Verbindungsweg durch die Alpen. Denn der Mont Blanc, dessen weiße Schneekuppe auch jetzt hinter uns strahlt, galt schon damals als fester Bestandteil der zu besichtigenden Attraktionen einer Alpenreise. Und so quälten sich die Reisenden stundenlang über den Col de Balme - oder setzten sich in Alpensänften und ließen sich von starken Trägern hinüberschleppen.

          Mit der Bahn hinauf zum Col de Balme

          Heute fahren von der französischen Seite Bergbahnen hinauf, die im Sommer die schweren Mountainbikes und ihre Fahrer nach oben befördern. Wir sitzen etwa zehn Minuten in einer Gondel nach Charamillon, auf 1850 Metern Höhe, dann noch mal mit einem Sessellift 350 Meter höher bis „Les Autannes“.

          Die Räder schweben in Vorrichtungen neben den Sitzen mit uns nach oben. Unter uns können wir schon die Strecke, die wir gleich auf unseren Alpensänften hinunterschießen werden, erkennen. Ein extra angelegter Weg, ein braunes Band, das sich durch die grüngelben Wiesen schlängelt, mit Hindernissen, Steilkurven, Stegen und Rampen. Bertrand erklärt: „Die Könige hier im Chamonix-Tal sind die Bergsteiger und Wanderer. Da haben wir Mountainbiker es schwer, akzeptiert zu werden.“

          Die „Site VTT du Domaine de Balme“ ist, zusammen mit zwei weiteren ausgewiesenen Gebieten, der gemeinsame Nenner, auf den man sich einigen konnte. Hier dürfen sich die Radler austoben, wie sie wollen, wenn sie dafür den Wanderern am Mont Blanc ihre Ruhe lassen. „Es braucht Zeit, um den Leuten verständlich zu machen, dass es auch ein Miteinander geben kann. Aber wenn man uns mit den Mountainbike-Regionen in den Vereinigten Staaten oder Kanada vergleicht, dann hinken wir zwanzig Jahre hinterher“, sagt Bertrand etwas genervt, und dann sind wir oben, am Col de Balme - und es scheint, als wollte das Liftpersonal Bertrands Ressentiments mit seiner Unfreundlichkeit spontan bestätigen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Frankfurt (Oder) aus der Vogelperspektive – in Brandenburg sind die Grundsteuern eher niedrig.

          Kommunalen Abgaben : Die Gemeinden erhöhen weiter die Steuern

          Wer in Nordrhein-Westfalen lebt, zahlt mehr für die Grundsteuer als ein Bayer oder Brandenburger. Viele Gemeinden erhöhten zuletzt wieder ihre Steuern – besonders oft im Saarland.

          AKK in Jordanien : Eine Ministerin lässt sich beeindrucken

          Annegret Kramp-Karrenbauer besucht die Tornado-Flieger in der jordanischen Wüste. Dabei betritt die Verteidigungsministerin eine Welt, die fern vom deutschen Alltag liegt – und doch eine ganze Menge mit ihm zu tun hat.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.