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Radtour in Frankreich : Fahrt an die Loire!

Familienurlaub - und seine Kehrseiten. Radfahren an der Loire ist aber überwiegend ein großes Vergnügen. Bild: Holde Schneider

Wer jetzt noch keinen Plan für den Sommerurlaub mit der Familie hat, muss nicht in Panik geraten: An der Loire in Frankreich kann man auch mit Kindern Rad fahren. „La Loire à Vélo“ bietet einen großartigen Radfernweg.

          Eine Radtour? Ich war entsetzt. Der Sohn hatte zum zehnten Geburtstag ein Fahrrad mit Kettenschaltung bekommen. Unsere zwölf Jahre alte Tochter verkündete mit vorpubertärer Direktheit, um keinen Preis der Welt würde sie zwei Wochen zu viert in einem Ferienhaus verbringen - wie öde sei das denn? Aber musste es deshalb gleich eine Radtour sein?

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Weil mich sowohl das deutsche Wetter als auch einheimische Vorstädte, Marktplätze, Speisekarten schreckten, bekam die Tochter meinen Laptop und einen Rechercheauftrag. Drei Stunden später gab es einen Plan. Inzwischen empfehle ich Freunden, die Anfang Juni noch keine Idee für den Familienurlaub haben: Fahrt an die Loire! Macht Fahrradferien in Frankreich! Zugegeben, je nachdem, wo man in Deutschland startet, die Anreise mit Rädern auf dem Dach ist weit. Alles andere aber ist ein Traum.

          „La Loire à Vélo“ ist mit seinen 800 Kilometern der bekannteste und beliebteste Radfernweg Frankreichs. Trotzdem fühlten wir uns nur ein einziges Mal, und zwar rund um Chaumont sur Loire, als Teil einer Massenveranstaltung, etwa wie an einem Himmelfahrtsdonnerstag am Main. Wir hatten uns für die Strecke zwischen Blois und Angers entschieden und Etappen von knapp vierzig Kilometern ausgewählt, um genug Zeit zu haben, Sehenswürdigkeiten zu erkunden, Billard zu spielen oder Croissants frühstückend auf die Loire zu schauen. Zwei regenfeste Satteltaschen pro Person und vorgebuchte Unterkünfte, meist Familienzimmer - fertig war die Reise.

          Das Flickzeug brauchten wir erst am allerletzten Tag, als die Tochter tatsächlich einen Dorn im Reifen hat, der an einen streichholzlangen Nagel erinnerte. Der einzige echte Fehler ging auf mein Konto: Ich hatte behauptet, so weit im Süden käme man auch ohne Regenhosen aus, da entweder die Sonne scheinen würde, oder die nackten Beine umgehend trocknen würden, doch leider wurden wir alle zwischenzeitlich ziemlich nass und froren.

          Still ruht der Fluss: Brückentag an der Loire.

          Der klassische Loiretourist mag ein berühmtes Schloss nach dem anderen abklappern. Wir verfuhren nach der bewährten Devise: Kennst du eins, kennst du alle. Schließlich sind die Zuckerbäckertürme von Chambord auch ein Genuss, wenn man nur im Park davor picknickt. Wir entschieden uns für einen Besuch von Schloss Chenonceau, weil Katharina von Medici 1576 diesen herrlichen Ballsaal quer über den Cher, einen Nebenfluss der Loire, bauen ließ. Faszinierend war auch das Château du Clos Lucé in Amboise, in dem Leonardo da Vinci zu unserem Erstaunen die letzten drei Jahre seines Lebens verbrachte und unter anderem die Mona Lisa malte. Im Park waren die Erfindungen des Universalgenies als Riesenmodelle nachgebaut. Die Wege sind gut beschildert, und nur wer sich freiwillig in die Weinberge oder auf Hauptstraßen begibt, hat mit Steigungen respektive Verkehr zu kämpfen. Die Landschaft: lieblich, saftig, grün und mild. Für die Unterkünfte gilt: Betten in Hängemattenqualität werden womöglich vom nächsten Domizil mit schlossähnlicher Pracht aufgewogen. Unbedingt meiden sollte man die Jugendherberge von Blois. Als Volltreffer entpuppt sich hingegen das einzige Hotel in dem winzigen Ort Bréhémont, La Clef d’Or: Unschlagbar sind die Tische an der Kaimauer und die Aperitifs in der Abendsonne.

          Und manchmal braucht man eben Glück: Ausgerechnet nach der regenreichsten Strecke, die zurück vom Cher an die Loire über einen steilen Berg hinweg und bei den Kindern beinahe zu Tränen führte, bekamen wir im Hotel La Brèche in Amboise den letzten Tisch und ein Fünf-Gänge-Menü: Flusskrebse und Rindersteak, Toast mit Chèvre, Burger und Himbeersoufflé.

          Für den Rückweg gibt es übrigens den „Train Vélo Loire“: Einen unentgeltlichen Fahrradtransport mit dem Regionalzug. Das nette Personal hievt sogar die Räder in den Waggon.

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