https://www.faz.net/aktuell/reise/qatar-will-sich-mit-der-wm-als-urlaubsziel-etablieren-17742117.html
Bild: AFP

Wüste Träume

Von BARBARA LIEPERT
Bild: AFP

23. Januar 2022 · Die umstrittenste Fußball-Weltmeisterschaft aller Zeiten findet Ende des Jahres statt – zum ersten Mal am Persischen Golf. Doch das Emirat Qatar hat noch viel mehr vor. Es will zu einem der „führenden Urlaubsorte in der Welt“ werden. Und es will Superlative – koste es, was es wolle.

Die Maschine landet spät, kurz nach Mitternacht. Die Flughafenflure sind fast leer, der Teppich ist makellos, die Waschräume sind es auch. Alles ist neu, alles funktioniert. Alles ist das genaue Gegenteil des Berliner Großchaosflughafens BER, an dem wir abgeflogen waren. Doha ist bisher das einzige Interkontinentalziel, das von Berlin täglich und direkt erreicht werden kann; United fliegt erst zum Ende des Winterflugplans wieder jeden Tag nach New York.

Hoch hinaus: Die Skyline der Westbay von Doha ändert sich permanent. Bild: Picture Alliance


Dass so viele Europäer, die eigentlich in die Ferien auf die Malediven, nach Thailand, Australien oder Afrika möchten, erst mal in Dubai, Abu Dhabi oder eben Doha landen, liegt weder an den landschaftlichen Reizen der Region noch am Angebot überdimensionierter Schweizer Schokolade im Duty Free und bestimmt nicht daran, dass es angenehm ist, eine zwölfstündige Reise in zwei sechsstündige Strecken zu zerlegen. Nicht nur Kleinkinder möchten heulen, wenn sie – beim zweiten Film endlich eingeschlafen – plötzlich wieder eine aufrechte Sitzposition einnehmen müssen, um dann bepackt und durch Gatter gelenkt zum Umsteige-Gate zu trotten. Dass zig Millionen Menschen am Persischen Golf umsteigen, liegt allein an den Preisen, mit denen die staatlichen Golf-Airlines angetreten sind, ihre Hauptstädte auf die Weltkarte der Vielflieger zu setzen und den altgedienten Fluglinien das Fürchten zu lehren. Wie leicht das ist, wenn man genug Energie im Rücken hat, sieht jeder, noch ehe die Maschine von Qatar Airways in der Luft ist: Im Sicherheitsvideo demonstrieren Bayernstar Lewandowski und der brasilianische Rekordnationalspieler Cafu, wie das mit dem Anschnallen, den Notausgängen und der Rettungsweste funktioniert. Und auch Neymar, teuerster Transfer der Fußballgeschichte (222 Millionen!), erscheint kurz auf der Bildfläche: Der qatarische Sportfond hat bisher über eine Milliarde Euro in den französischen Erstligisten Paris St. Germain investiert, seither läuft es dort wieder mit dem Titelholen. Beim FC Bayern dagegen wird das Engagement von Qatar Airways als Sponsor zusehends zur Zerreißprobe zwischen kritischen Fans und abgehobener Führung. Die Gretchenfrage in diesem Sportjahr lautet: Menschenrechte oder Millionen?

Testen Sie unser Angebot.
Jetzt weiterlesen.
Testen Sie unsere Angebote.
F.A.Z. PLUS:

  FAZ.NET komplett

Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
Außenministerin Baerbock: Im Amt nachgereift, wie der Philosoph Sloterdijk meint?

Image von Politikern : Warum viele Baerbock unterschätzt haben

Viele, die die Außenministerin jetzt loben, trauten ihr das Amt lange nicht zu. Das sagt mehr über die Erwartungen an Politiker als über die Politiker selbst.
„Aber nur durch die Gegend cruisen hat keinen Effekt“, sagt Sportwissenschaftler Froböse zum Radfahren.

Sippels Sportstunde : Ist Radfahren oder Joggen besser?

Radfahren liegt im Trend. Denn es soll ja so gelenkschonend sein. Aber ist viel Schonung wirklich gut? Oder sollten wir lieber weiter joggen? Was bringt das Herz-Kreislauf-System mehr in Schwung?