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Flixtrain : Der Kampf der Monopolisten

  • -Aktualisiert am
Noch sind nicht alle Flixtrains grün.

Flixbus will mit dem Zugangebot gar nicht gegen die Busse arbeiten, sondern die beiden Segmente kombinieren – wem es im Flixtrain gefällt, der fährt den letzten Streckenabschnitt vielleicht mit dem Bus. Denn vorrangig möchte Flixbus eine ökologische Option zum Auto bieten. „Unser Ziel muss es sein, noch mehr Menschen vom Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu überzeugen“, so Gründer und Geschäftsführer André Schwämmlein. Die Vernetzung von Bus und Bahn sei dabei Teil eines nachhaltigen Konzepts für die Mobilität der Zukunft.

Im Busverkehr plant Flixbus das Streckennetz und übernimmt Ticketverkauf und Abrechnung; die Strecken selbst werden von regionalen Busanbietern befahren. Bei den Zügen verfolgt Flixbus dasselbe Konzept: Die Strecke Hamburg–Köln wird vom Nürnberger Bahnanbieter BTE bedient, der bereits Autozüge nach Sylt und Lörrach betreibt. Zwischen Berlin und Stuttgart fährt das tschechische Unternehmen LeoExpress. Von Flixtrain war auf unserer Testfahrt deswegen auch gar nicht die Rede – der Berliner Schaffner begrüßte uns per Ansage im „LeoExpress“, und ein Techniker mit einer orangefarbenen Locomore-Warnweste hetzte in Hanau über den Bahnsteig und anschließend durch die Abteile. Nur der Ticketkauf und E-Mail-Verkehr inklusive einer Mail mit einer Umfrage zur Kundenzufriedenheit wenige Stunden nach der Fahrt waren von grüner Farbe durchzogen und schmückten sich mit dem Flixtrain-Logo.

Flixbusse in Kalifornien

Da Flixtrain ein anerkanntes Eisenbahnverkehrsunternehmen ist, kann es Trassen bei DB Netz beantragen, dem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn, das die Schienennutzungsrechte in Deutschland vergibt. Weil das langwierige Prozesse sind, will sich Flixtrain zunächst auf den deutschen Markt und bis zum nächsten Jahr auch nur auf die beiden vorhandenen Strecken konzentrieren. Das Münchner Unternehmen, das mittlerweile offiziell Flixmobility GmbH heißt, startete im Februar 2013 zusammen mit mehreren Konkurrenten sein Fernbusangebot in Deutschland, nachdem die Bundesregierung den Markt liberalisiert hatte. Rasch verleibte sich das Start-Up zahlreiche Mitbewerber ein und beherrscht jetzt mit mehr als neunzig Prozent den deutschen Markt in einer Monopolstellung, wie sie bisher sonst nur die Deutsche Bahn auf den Gleisen kannte. Darüber hinaus ist Flixbus auch in Europa mit zweihundertfünfzigtausend täglichen Verbindungen zu etwa tausendvierhundert Zielen in sechsundzwanzig Ländern Marktführer und plant im Sommer sogar von Los Angeles aus ein Netz in Amerika zu starten und dort die großen Städte der Westküste miteinander zu verbinden. Auch in der deutschen Heimat sollen in diesem Jahr hundertvierzig neue Ziele vor allem im ländlichen Raum das Fernbusnetz erweitern.

Mehr als hundert Millionen Menschen sind schon mit Flixbus gefahren. „In den vergangenen fünf Jahren hat Flixbus Reisen demokratisiert“, sagt Schwämmlein. Mit dem Flixtrain wolle man jetzt auch auf der Schiene bequeme und bezahlbare Mobilität für alle bieten. Hat das Volk also gesiegt? Neigt sich die Alleinherrschaft der Deutschen Bahn dem Ende zu? Oder wartet in Wahrheit nur der nächste Autokrat darauf, den Mobilitätsthron zu besteigen? Bis sich diese Frage klärt, werden die unterschiedlichen Gesichter Deutschlands auf seinen Schienen unterwegs sein – allerdings in verschiedenen Zügen.

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