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Reisen auf der Postschiffroute : Ein Fjord geht noch

  • -Aktualisiert am

Unter zart schraffiertem Himmel auf zart schraffierter See: die „Polarys“ von Hurtigruten Bild: Arezu Weitholz

Vor 125 Jahren begründete der Kapitän Richard With die legendäre Postschiffroute, die heute noch Bergen mit Kirkenes verbindet.

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          Plötzlich ertönt eine gigantische Tuba. Es ist ein langgezogener Ton, ein Dis. Dann noch einer, dann ein kurzer, gefolgt von einem langen. Wir stehen an Deck der MS „Polarlys“ und begrüßen die „Richard With“, die uns backbord bugseits entgegenkommt. Sie antwortet ebenfalls mit Tuten, doch weil sie nordwärts fährt, ist ihr Gruß um einen Ton kürzer.

          Am 2. Juli 1893 gab es in Trondheim um halb neun Uhr morgens ebenfalls ein ziemliches Getute, als nämlich der Kapitän und Schifffahrtsunternehmer Richard With auf seiner DS „Vesterålen“ den Hafen Richtung Vadsø verließ. Er hatte die Postflagge achtern und wurde mit Fähnchen, Ehrensalven, Blechblasmusik und massenhaft Hurrarufen verabschiedet. Es war die erste Fahrt der heute berühmten Postschiffroute, die den Norden Norwegens mit dem Süden verband. Damals wohnten zwischen Trondheim und der Finnmark keine 200.000 Menschen. Für sie und für Generationen von Schafen und Kühen, für Maschinen, Traktoren, für Tonnen von gefangenem Fisch und nicht zuletzt für die Post, war die Hurtigrute (die schnelle Route) viele Jahre die einzige Möglichkeit des Transports. Wenn die Winterstürme kamen, konnten sich die Menschen auf wenig verlassen – nur die Hurtigrute, die würde fahren, auch bei Nacht und auch im Winter. Noch heute verlässt jeden Tag zur gleichen Zeit ein Schiff den Ausgangshafen Bergen. Bis Kirkenes legt es in 33 Häfen an, dann dreht es um und kehrt nach 12 Tagen und etwa 2700 Kilometern zurück. Zeitgleich sind momentan elf Schiffe unterwegs. Wären sie Busse, man würde sagen, sie hielten an jeder Milchkanne.

          Etwa 70 Prozent Touristen buchen heutzutage ganze oder halbe Rundreisen, weil sie genau das lieben: dieses Anlegen, Ausschiffen, Verladen, Einschiffen, Weiterfahren. Allein auf der MS „Polarlys“ gab es letztes Jahr 122.000 Übernachtungen, nächstes sollen es 130.000 werden. Eine Low Season gibt es nicht mehr. Etwa die Hälfte der Buchungen stammt aus dem deutschen Sprachraum. Dass die Norweger die Schiffe weiterhin wie schwimmende Busse benutzen, macht die Sache für die Rundreisenden umso authentischer.

          Wie eine beruhigende Fototapete

          Im Café „Multe“ steht Kurt-Ove Jenssen hinter dem Tresen und schmiert Stullen. Es ist 9.30 Uhr. Hier, auf Deck 7, sieht es aus wie in einem sehr großen, englischen Cottage, nur zieht draußen ein Fjord am Fenster vorbei. Die Hefestücke und Zimtschnecken sind schon fertig gebacken. Kurt-Ove lächelt. Er liebt seinen Job. 1996 begann er in der Kantine eines Expressbootes, auf der „Polarlys“ ist er seit 2010. Es gäbe einen Kollegen in der Küche, der sei noch länger mit dabei, erzählt er. Und so einen Sturm wie gestern, den gab es noch nie. Normalerweise sei die See ja ruhig.

          Reisende schätzen das dauernde Brummen und gemütliche Schaukeln. Im Sommer wird es zudem nachts nicht dunkel, da ist der zirkadische Rhythmus schnell im Eimer, dauernd gibt es etwas Gutes zu essen, man wird glatt zum Cockerspaniel, der außer dösen, rumliegen, essen und ein bisschen in die Gegend starren nichts weiter tun muss. Die Menschen liegen in Drehsesseln und betrachten den leuchtenden Himmel, das eisklare Pastell des Nordens, das Fjordwasser, die scharfen Konturen der zerfurchten Landschaft, in der Ferne schneebedeckte Gipfel. Ab und zu kommt ein Felsen mit einem winzigen Leuchtturm vorbei. Es ist beinahe so, als würde der liebe Gott eine beruhigende Fototapete vor dem Fenster herziehen.

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