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Pljos an der Wolga : Tee und Spitzendeckchen im Holzhaus

  • -Aktualisiert am

Wo einst Maler malten und Dichter dichteten, trifft sich heute Moskau zur Sommerfrische: Elena Manenans kleines Hotel in Pljos an der Wolga. Bild: Elena Manenan

Das gute, poetische Russland hat auch kulinarisch etwas zu bieten: Zu Gast bei Elena Manenan in Pljos an der Wolga.

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          Ein Landregen geht auf der Promenade nieder, die Wolga verschwindet hinter einem Regenschleier. Wir eilen über das Kopfsteinpflaster die schlammige Landstraße zu dem bunten Holzhaus hinauf, vorbei an windschiefen Holzzäunen und Holunderbüschen. Hinter der Kirche gleich links steht das kleine bunte Holzhaus, dort werden wir schon erwartet. Mit Tee und Borschtsch, Rote-Bete-Suppe mit Rüben aus Elenas Garten. Auf der verglasten Veranda schauen wir in den Regen, er fällt wie in einem Gedicht von Pasternak. Auch der Samowar, aus dem ein junges Mädchen im Sarafan, einer russischen Tracht, Tee ausschenkt, scheint aus jener Zeit, wie die Häkeldecken und die Sprossenfenster, durch die wir schauen und die sich allmählich beschlagen.

          Nach der Suppe werden Kotlety, Schnitzel mit frischen Pilzen und Bratkartoffeln, gereicht, die Küche ist einfach und schmeckt wunderbar, wir schenken uns aus einem Krug selbstgemachte Limonade aus Moosbeeren ein, und dann trinken wir noch mehr Tee und löffeln Himbeermarmelade dazu. Ein paar Häuser weiter, unten am Fluss, haben einst Anton Tschechow und Isaak Levitan miteinander gesessen, Tee getrunken und Marmelade gelöffelt, so wie wir es jetzt tun, und Levitan hat die regenverhangene Wolga gemalt.

          Wie in Großmutters Datscha

          Elena Manenan, unsere Gastgeberin, hat dieses Paradies geschaffen. Sie ist eine imposante Person. Die grauen Haare über den rundlichen Wangen zu einer Hochsteckfrisur toupiert, die Kleidung auf altmodische Weise elegant, wirkt sie wie eine Theaterschauspielerin zu Tschechows Zeiten. Sie strahlt den Charme einer Patronin aus und betont nicht ohne Pathos, wie sehr sie sich freue, dass wir trotz der schwierigen Situation in ihrem Lande den Weg hierher gefunden hätten.

          Man sieht es dem plüschigen Wohnzimmerrestaurant nicht unbedingt an, aber Elena Manenan hat sich mittlerweile eine Fangemeinde erkocht.

          Ein „gutes, positives, poetisches Russland“ möchte sie uns zeigen. Denn das andere hätten wir ohnehin schon gesehen. Das gute Russland, verstehen wir, hat Kultur und Zivilisation, dort liebt man die Poesie und Literatur. Dort gibt es selbstgemachte Limonade und Häkeldeckchen, Himbeersträucher und Bretterzäune, Holzschnitzereien an Fenstern und Giebeln. Ein Haus, wie in der Kindheit, als man zur Großmutter auf die Datscha fuhr, so schwärmt eine Besucherin. Nur dass bei Elena alles ein bisschen bequemer ist. Die Möbel sind schlicht, aber liebevoll zusammengestellt. Buntes Kunsthandwerk, Matrjoschkas, Schnitzereien und Gemälde einheimischer Künstler schmücken Nischen und Wände, auf dem Bett liegt eine handgearbeitete Patchworkdecke. Das gute Russland ist für den geplagten Großstädter aus den sowjetisch geprägten Städten ein Sehnsuchtsort. Und es kann nur dort entstehen, wo man selbst anpackt, das ist Elenas Mission.

          Es begann mit einem Kochbuch

          Angefangen habe alles mit einem Kochbuch, das ihr Mann, ein französischer Journalist, über die russische Küche schreiben wollte, und dann kam das Heimweh dazu, das Elena Manenan nach zwölf Jahren im französischen Burgund plagte. So zog die Familie 1997 mit drei Kindern in Elenas alte Heimat zurück, zu einer Zeit, als viele ihrer Landsleute Russland verließen.

          Keine Angst vor Spitzendeckchen: Was hier serviert wird, ist frisch aus Wald und Garten.

          Sie entschieden sich, nicht nach Moskau zu gehen, das sich kaum noch von einer westlichen Metropole unterscheidet, sondern aufs Land. In dem alten Künstlerdorf Pljos an der Wolga kaufte das Paar ein Holzhaus, das einst einem Priester gehörte, renovierte es und eröffnete ein Restaurant. Und weil es so weit nach Moskau war, richteten sie für ihre Gäste, die nach dem Essen noch ein bisschen bleiben wollten, ein paar Zimmer ein. Es kamen viele, also kauften sie das Nachbarhäuschen dazu.

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