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Wanderdorf Pfronten : Sagengestalten im Kreisverkehr

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Auf dem Weg zur Bad Kissinger Hütte: Wenn sich der Wintertourismus nicht rechnet, braucht es Alternativstrategien. Bild: dpa

Pfronten im Allgäu ist Deutschlands erstes „Europäisches Wanderdorf“. Es präsentiert sich als Ort der Mythen, Legenden und Wunschbilder. Doch geht das Konzept auf?

          8 Min.

          An diesem sonnigen Wintermorgen stimmt alles. Über Nacht sind ein paar Zentimeter Schnee gefallen, der Wanderweg ist wie mit Puderzucker bestäubt, der Blick geht weit ins Land hinein über gewellte Weiden mit einzelnen Baumgruppen, kleinen Waldstücken und Dörfern, die diesen Namen noch verdienen. Dahinter ragen die Zackenkämme der Alpen in den wolkenlosen Himmel – das ist Pfronten, das ist das Allgäu, wie man es kennt und liebt: still in sich ruhend und doch kontrastreich, ein gesegneter Landstrich, in dem es nichts Neues unter der Sonne gibt, jedenfalls auf den ersten Blick nicht. Auf den zweiten aber ist jetzt alles anders, denn seit wenigen Monaten ist Pfronten die erste deutsche Gemeinde, die sich „Europäisches Wanderdorf“ nennen darf.

          Die Auszeichnung wird von Sieghard Preis vergeben, der mit der Schaffung der „Österreichischen Wanderdörfer“ Tourismusgeschichte geschrieben hat. Der Erfolg dieser 1998 gegründeten Interessen- und Werbegemeinschaft war und ist so groß, dass sich inzwischen auch ausländische Alpenorte um diesen Titel bewerben. Der Kärntner Tourismusberater zögerte nicht lange, schuf ein neues Gütesiegel und eröffnete sich damit einen weiteren Kundenstamm: jene Fremdenverkehrsorte im europäischen Ausland, die sich als Dorado für Freizeitgeher profilieren wollen.

          Liebenswerte Kleinteiligkeit der dreizehn Dörfer

          Das Konzept von Sieghard Preis scheint für Pfronten wie geschaffen – einerseits, weil man mit dem abwechslungsreichen Landschaftsprofil und dem engmaschigen Wegenetz unterschiedliche Wanderwünsche befriedigen kann; und andererseits, weil das kaum jemand in Deutschland weiß. Dem als etwas verschlafen geltenden Ort fehlt bislang das Image eines Wanderziels, und das aus gutem Grund. Während in praktisch allen Mittelgebirgen in den vergangenen Jahren zahllose Premiumwege und Qualitätswege gebaut wurden, gerieten klassische Wandergebiete wie die des Allgäus zunehmend aus dem Blick. Da ist es kein Wunder, dass die Verantwortlichen in Pfronten nun meinen, offensiv werden zu müssen, um nicht vollends abgehängt zu werden.

          Erzählungen von sagenhaften Venedigermännlein: Burgruine Falkenstein.
          Erzählungen von sagenhaften Venedigermännlein: Burgruine Falkenstein. : Bild: Gerhard Fitzthum

          Genauso wenig wie den anderen Alpengemeinden im östlichen Allgäu ist es Pfronten gelungen, sich als Hochburg des alpinen Wintersports zu profilieren. In den schneereichen siebziger Jahren hatte man diese Hoffnung noch, damals wurden in dem Ort sogar Weltcupslaloms ausgetragen. Dann jedoch rüstete das benachbarte Tirol so massiv auf, dass die Pfrontener Hausberge in die skisportliche Bezirksliga abstiegen – zum Glück, könnte man heute sagen: Statt zu einem Wintersportzentrum mit verkabelten Hängen, Großparkplätzen und wuchernden Neubaugebieten zu werden, haben sich die dreizehn Dörfer der Großgemeinde Pfronten ihre liebenswerte Kleinteiligkeit bewahrt. Davon profitiert man vor allem im Sommer. Nach wie vor kommen siebzig Prozent der Gäste in der warmen Jahreszeit, fast immer, um Ausflüge zu den Seen und den Königsschlössern zu machen oder zum Spazierengehen und Wandern.

          Storytelling in schöner Landschaft

          Weil sich das Wandern in einer solchen Gegend von selbst versteht, hatte das Team um Sieghard Preis wenig Mühe, Pfronten auf das Podest eines „Europäischen Wanderdorfs“ zu heben. Die Zertifizierungsmaßstäbe sind ohnehin nicht allzu streng, im Unterschied zum „Bergsteigerdorf“-Konzept des Alpenvereins erscheinen die Ausschlusskriterien sogar als ziemlich lasch. Das Wichtigste ist, dass man im Ortszentrum eine umfassende Wanderwegbeschilderung anbringt und einen professionell konzipierten Leitwanderweg ausweist, der den „Mythos des Wanderns“ spürbar und mit den spezifischen Themen des Ortes vertraut machen soll. Dann braucht man noch mindestens drei Hoteliers, die sich als Wandergastgeber zertifizieren lassen, und schon ist der Titel gewonnen.

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