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Pfötchenhotel : Das Hotel ist auf den Hund gekommen

Empfang neuer Hausgäste Bild: ZB

Wer sein Haustier nicht mit in den Urlaub nehmen kann, bringt es erstklassig im Beelitzer "Pfötchenhotel" unter. Physiotherapeuten, Tierärzte, Pfleger - dem Tier geht es so gut wie selten.

          3 Min.

          Es schneit. Sanft schlängelt sich die Straße durch die Felder, und es scheint, als würde sie im nächsten Augenblick unter der weißen Decke verschwinden. Die Fahrerin des blauen Volvo V70 hat Mühe, den Wagen durch die Landschaft zu steuern. Sie weint. Bijou freut sich. Die Golden-Retriever-Hündin tänzelt im Kofferraum des Wagens hin und her. Sie scheint zu ahnen, daß die von Birken gesäumte Allee zum Pfötchenhotel führt, dem vielleicht schönsten Hundeort der Welt.

          Melanie Mühl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Dort, in Beelitz, ganz in der Nähe von Berlin, eröffnete im Oktober vergangenen Jahres das dritte Pfötchenresort Deutschlands. Auf dem neunzig Hektar großen Gelände verteilen sich fünfzehn denkmalgeschützte Gebäude, eingebettet in ein riesiges Waldstück. Daß sie einst Teil der Funkempfangsstelle Beelitz waren, kann man sich heute kaum vorstellen. Nur zwei Wachtürme erinnern noch an längst vergangene Zeiten. Nach aufwendigen Sanierungsarbeiten ist hier ein Tierhotel mit insgesamt 220 Zimmern entstanden. Dort leben Hunde, Katzen, Meerschweinchen, Kaninchen, Papageien und manchmal sogar Chinchillas. Sie kommen immer dann nach Beelitz, wenn ihre Besitzer in den Urlaub fahren.

          Wie den meisten Tieren fällt Bijou der Abschied von Frauchen leicht. Als der Wagen vor einem großen Backsteingebäude hält und sich die Kofferraumtür öffnet, rast die Hündin davon. Kein Trennungsschmerz, kein Jaulen, nichts. Die Besitzerin steht auf dem Parkplatz und starrt in die Leere, als könne sie es nicht fassen. "Solche Szenen erleben wir beinahe täglich", sagt Ute Seemann, die Leiterin des Hotels, und lächelt. Für Hunde gibt es wohl nichts Schöneres, als sich den ganzen Tag mit anderen Hunden im Dreck zu wälzen. Also wird Bijou hier glücklich sein, denn Hunde gibt es viele, auch wenn es hier eigentlich zu sauber ist für ein Hunde-Eldorado.

          Jedem Tier sein Mahl

          Aus den Tierzimmern dringt leise Musik. Die Tiere sollen sich wohl fühlen, so wie zu Hause, und weil es dort ja auch nie ganz ruhig ist, wurden in die Decken kleine Lautsprecher eingebaut. Ob die Hündin Bijou musikalisch ist und sich für Klassik begeistern kann, ist allerdings schwer zu sagen. Sie liegt auf dem Parkettboden und spielt mit einem der vielen roten Bälle, die neben riesigen Kauknochen und anderen Spielsachen überall verstreut im Zimmer liegen. Obwohl auf dem Korridor etwa zwanzig Hunde wohnen, ist es erstaunlich ruhig. Daß die Hunde so selten bellen, liegt wahrscheinlich an den hohen Glastüren, durch die sie alles beobachten können, sie müssen sich nicht fühlen, als wären sie eingesperrt.

          Und auch sonst erinnert nichts an ein Tierheim. Für jedes Tier wird ein individueller Speiseplan erstellt, um - fast wie bei einem Kuraufenthalt - bestimmte Eßgewohnheiten zu berücksichtigen. Nach der Ankunft kümmert sich in Beelitz ein Tierarzt um die Hunde und überprüft ihren Gesundheitszustand, so wissen die Tierpfleger, worauf sie während des Aufenthalts achten müssen. Es fällt nicht leicht, sich schwimmbegeisterte Hunde vorzustellen, die im Wasser planschen und nach Bällen tauchen. Das ändert sich beim Betreten der Hundeschwimmhalle: Es ist sehr laut, bellende Hunde jagen um den Pool, hätten sie Bademützen auf, würden sie diese sicher verlieren. Einige kraulen durch das warme Wasser und tragen orangefarbene Schwimmwesten, was aussieht, als wollten sie ihr Schwimmabzeichen machen.

          Einmal Massage, bitte!

          Dicht am Beckenrand läuft Bijou aufgeregt hin und her, die Augen auf einen grünen Plastikring geheftet, der in der Mitte des Pools langsam untergeht. An der Wand hängen neben den vielen Hundeschwimmwesten auch graue Neoprenanzüge mit integrierten Gummistiefeln - für die Hundebesitzer. Der Bau einer Wasserrutsche ist für den Sommer geplant, die natürlich ergonomisch auf die Hunde abgestimmt wird und über die sie dann direkt in ein kleines Außenbecken rutschen können. Lea, einen schwarzen Spitz, interessieren die Wasserspiele wenig. Wasser mag sie offensichtlich nicht. Mit erhobenem Kopf, immer darauf bedacht, den Fontänen zu entkommen, trippelt der Hund über den rutschfesten Boden und bellt pikiert.

          Es gibt im Hundeschwimmbad aber auch ruhige Tage, ohne Bellen und ohne wasserscheue Tiere. An diesen Tagen tragen Physiotherapeuten die Neoprenanzüge und waten durchs Wasser. Im Becken schwimmen Hunde mit Bandscheibenvorfall oder Hüftgelenkschaden. Die Schwimmtherapie soll die Muskulatur kräftigen und Bewegungsabläufe erleichtern. Um die psychische Entspannung der Tiere zu fördern, bietet die hoteleigene Physiotherapiepraxis neben anderen auch Massage- und Reflexzonentherapien an. "Anfangs sind die Hunde meist ängstlich, doch unter dem warmen Rotlicht entspannen sich die Tiere sehr schnell", sagt Ute Seemann.

          Warum frißt Paul seine Gurken nicht?

          Viel wohler fühlen sich die Hunde natürlich draußen, im Wind, im Regen. Auf einer der Wiesen steht eine Tenniskanone, die die meisten Hunde aber wenig mögen. Weil sie schnell begreifen, daß die Bälle immer in die gleiche Richtung fliegen, stellen sie sich irgendwann dicht neben die Kanone und gucken den Bällen gelangweilt hinterher. Vielleicht machen sie das auch absichtlich, weil sie lieber mit einem der Tierpfleger spielen möchten und wissen, daß die eigentlich immer überall gleichzeitig sind. Jeder, der sich auf dem weitläufigen Gelände bewegt, trägt ein Funkgerät bei sich, so wie Ute Seemann. Ständig piepst es. "Warum sieht die Jack-Russel-Hündin Emilie so müde aus? Und warum hat Paul, das Kaninchen, seine Gurken nicht gefressen?" möchte eine besorgte Tierpflegerin wissen.

          Ute Seemann scheucht die träge Hündin ins Schwimmbad und füttert das Kaninchen Paul. Abends, wenn die untergehende Wintersonne Beelitz in fahles Licht taucht, wird es ruhig. Nur auf dem Parkplatz vor dem Backsteingebäude hört man die Motorengeräusche eines blauen Volvo-Kombis. Als der Wagen dann langsam um die Ecke biegt und das Pfötchenhotel im Dunkeln verschwindet, scheint es, als würde Bijou leise jaulen.

          Anreise: Das Pfötchenhotel im brandenburgischen Beelitz liegt ganz in der Nähe der Autobahnen A9, A10 und A2. Vom Stadtzentrum Berlin fährt man etwa vierzig Minuten, am besten über den Berliner Ring (A10), Abfahrt Michendorf, die Bundesstraße B2 entlang, Richtung Beelitz, und biegt dann links nach Beelitz-Schönefeld ab. Ab dort ist das Pfötchenhotel ausgeschildert.

          Unterbringung: Für Hunde und Katzen gibt es insgesamt 220 Tierzimmer, die als Doppel- oder Einzelzimmer gebucht werden können. Auch Hamster, Kaninchen und Meerschweinchen finden in Beelitz Unterkunft, in der Pfötchen-City, einer weitläufig angelegten Kleintierstadt. Für Vögel steht ein großer Wintergarten zur Verfügung. Zum Pfötchenresort gehören außerdem eine Physiotherapiepraxis, in der Reha-Maßnahmen angeboten werden, eine Pfötchenschule, ein Hundehallenschwimmbad und ein Pfötchensalon. Genug Platz zum Auslauf haben die Hunde auf mehreren tausend Quadratmetern im Freien.

          Preise: Die Schnupperwochen im Pfötchenresort Berlin dauern noch bis zum 20. März. In dieser Zeit kostet die Unterbringung von Hunden fünfzehn Euro pro Tag, die von Katzen sieben Euro.

          Informationen zu den drei Pfötchenhotels in Jade (Nordsee), im niedersächsischen Hilden und in Beelitz unter www.pfoetchenhotel.de und unter Telefon 030/29009003.

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