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Peru, Chile und der Pisco sour : Ein Gringo hat’s erfunden

  • -Aktualisiert am

Weihetempel für den Schnaps auf einem präkolumbianischen Fundament: das neue Pisco-Museum in der peruanischen Anden-Stadt Cuzco. Bild: Volker Mehnert

Sowohl in Chile als auch in Peru gilt der Pisco sour als Nationalgetränk. Um das Copyright an diesem Drink schwelt deshalb ein ebenso langer wie überflüssiger Konflikt. Doch jetzt machen wir Schluss damit.

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          Schauplatz Valparaíso, an der chilenischen Pazifikküste: Langsam versinkt die Sonne im Ozean, und ihre letzten Strahlen brechen sich in der milchig transparenten Flüssigkeit des Pisco sour. Mit seiner knackigen Frische ist er das perfekte Getränk für diesen lauen Sommerabend - drei Teile Traubenschnaps, ein Teil Zitronensaft, eine Prise Puderzucker, ein Spritzer Eiweiß und zwei Eiswürfel. Szenenwechsel ins abendliche Cuzco, auf dreieinhalbtausend Meter Höhe in den peruanischen Anden: Es wird langsam kalt unter den kolonialen Arkaden an der Plaza de Armas, doch der Pisco sour wärmt bei diesen Temperaturen angenehm von innen. Auch hier erscheint er als der passende Drink am richtigen Ort.

          Zwei vollkommen unterschiedliche Städte, zwei Länder, zwei Landschaften, zwei Klimazonen und überraschenderweise hier wie dort der gleiche ortstypische Cocktail. Der Pisco sour ist ein grenzüberschreitender südamerikanischer Lieblingsdrink, der jedoch immer wieder zwischenstaatliche Zwistigkeiten mit sich bringt. Denn sowohl Peruaner als auch Chilenen wollen die Ersten gewesen sein, die den tresterartigen Pisco destilliert haben. Als „bebida de bandera“, als Nationalgetränk, gilt er heute in beiden Ländern, vor allem in seiner Form als Cocktailmix Pisco sour. Und zwischen stolzen südamerikanischen Patrioten ist in einem solchen Fall eine grundsätzliche, manchmal erbittert geführte Auseinandersetzung unvermeidlich. Deshalb spielen wir einfach einmal die Rolle des Schiedsrichters im ewigen Streit zwischen Peru und Chile um das Urheberrecht des Pisco sour und hoffen, dass ein abschließendes Urteil nicht in ein Einreiseverbot für eines der Länder oder gar für beide mündet.

          Weinbrand für den Piraten Francis Drake

          Der Konflikt dreht sich zunächst um den Ursprung der Spirituose selbst, des Traubenschnapses Pisco. Wenn die Peruaner ihren Fall darlegen, kommen sie als Allererstes auf den Namen zu sprechen. Er soll auf die zweihundert Kilometer südlich von Lima gelegene Hafenstadt Pisco zurückgehen. Ob in deren Umgebung während der spanischen Kolonialzeit tatsächlich Wein angebaut wurde oder ob der Hafen nur zur Verschiffung der Fässer diente, ist jedoch unklar. Als Zeugen für ihre Interpretation würden die Peruaner gern Sir Francis Drake aufrufen, den geadelten Seeräuber in Diensten der britischen Krone. Dieser hatte 1556 das Städtchen Pisco überfallen und eine große Zahl seiner Einwohner als Geiseln genommen. Weil die spanischen Kolonialherren nicht in der Lage waren, das geforderte Lösegeld in Form von Goldmünzen zu bezahlen, boten sie dem Piraten dreihundert Krüge Weinbrand an, die Drake nur allzu gern akzeptierte. Der Ursprung des Schnapses dürfte ihm allerdings ziemlich egal gewesen sein, und als feinsinnige Connaisseurs sind der Oberpirat und seine Kumpane auch nicht in die Geschichte eingegangen. Eine Aussage von Sir Francis über die Herkunft seiner hochprozentigen Beute wäre also nicht unbedingt plausibel, und erst recht wäre er kein belastbarer Zeuge, wenn es um deren Qualität geht. Aber auch ohne seine Erklärung: In der Frage des Namens dürften die Peruaner das Urheberrecht auf ihrer Seite haben.

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