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Peru, Chile und der Pisco sour : Ein Gringo hat’s erfunden

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Von wegen Arme-Leute-Fusel

Aber nun zum Cocktail Pisco sour: Dessen Ursprung soll ebenfalls in Peru liegen. Schriftlich erstmals erwähnt ist er jedenfalls in einem Reiseführer über die peruanische Hauptstadt Lima aus dem Jahr 1928. In der Morris Bar, so heißt es dort, mixe man einen exzellenten Pisco sour. Der Besitzer der Bar und wohl auch der Erfinder des Drinks allerdings war Victor Morris, ausgerechnet ein Gringo aus Kalifornien. Das würden die Peruaner natürlich gern unter den Tisch fallen lassen. Aber weil die Chilenen dem ihrerseits nichts Überzeugendes entgegenzusetzen haben, soll Peru an dieser Stelle das Copyright für den Pisco sour zugestanden werden.

Die Chilenen wiederum haben den Cocktail als Erste wirklich landesweit schätzen gelernt. Während der Pisco in Peru lange Zeit als Arme-Leute-Fusel galt, ist der Pisco sour in Chile schon seit vielen Jahrzehnten selbst in der gehobenen Gastronomie ein beliebter Aperitif. Angesichts des chilenischen Mengen- und Bekanntheitsvorsprungs freilich gehen die Peruaner mittlerweile in die Offensive: Sie haben ihre Ansprüche bei der Welthandelsorganisation vorgetragen, und auch die Europäische Union musste sich bei ihren Pisco-Importen schon mit Fragen des Marken- und Urheberrechts befassen. Zwischenzeitlich hat Peru 2007 den Pisco sour sogar zum nationalen Kulturerbe erklärt, und seit zehn Jahren feiert man dort am ersten Samstag im Februar den „Día Nacional del Pisco sour“, einen landesweiten Pisco-Tag.

Söhnt euch endlich aus!

Eine sinnreiche und sinnenfrohe Einrichtung steht neuerdings den Besuchern der kolonialen Altstadt von Cuzco offen: Das Museo del Pisco, untergebracht in einem ehrwürdigen Bauwerk auf Inka-Mauern, präsentiert auf saloppe Art und Weise viele Details zu Geschichte und Gegenwart der Spirituose. In der extravaganten Bar des Museums kann der Besucher nicht nur Dutzende peruanischer Piscos und einen erstklassig gemixten Pisco sour verkosten, sondern auch zahlreiche phantasievoll komponierte Cocktails auf Basis des Tresterschnapses. Der „El Majeño“, Pisco mit Basilikum und Maracujasaft, erschien uns als die gelungenste dieser Kreationen und ließ uns den Pisco sour und die Plänkeleien um ihn vorübergehend vergessen. Den ganzen Streit möchten wir am liebsten auch endgültig zu den Akten legen. Wenn sich Peruaner und Chilenen nämlich einfach aussöhnen würden, um ihr Nationalgetränk gemeinsam zu fördern, dann könnte sich der Pisco sour eines Tages in die internationale Hierarchie der Cocktails auf dem Niveau von Daiquiri, Mojito und Caipirinha einreihen.

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