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Luxus im Peninsula Hongkong : Als Clark Gable einmal einen Schraubenzieher bestellte

  • -Aktualisiert am

Sogar die Autoflotte hat Geschichte: In diesem Rolls Royce saß einst Charlie Chaplin Bild: Jochen Müssig

Die asiatische Hotelikone The Peninsula Hongkong steckt voller Geschichten, die in dreißig Stockwerken und fünfzehn Rolls-Royce spielen, bei denen acht Bs von Bedeutung sind, ebenso ein Handwerkszeug und die verrückteste Toilette der Welt.

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          So mancher Zeitgenosse wohnt ja permanent in einem Hotel. In ausgewählten Suiten fühlen sich schrullige Industrielle wohl, ebenso wie zurückgezogen lebende Schriftsteller oder Panikrocker Udo Lindenberg. Bei Johnny Chung verhält sich die Lage anders. Johnny kam 1957 im Alter von 15 Jahren als Laufjunge ins Peninsula Hongkong. Sein Vater, der ebenfalls im Hotel arbeitete, brachte den Sohn im schon damals mit Hochachtung angesehenen „Pen“ unter. Was sich als Glücksfall herausstellen sollte. Denn Vater Chung starb bald danach, und mangels naher Verwandtschaft wurde das „Peninsula“ sozusagen zu Johnnys Familie. Seitdem arbeitet er nicht nur für das Hotel, er wohnt auch darin. Nur einmal musste er innerhalb des Hauses umziehen: von der dritten in die sechste Etage, als vor zwanzig Jahren der dreißigstöckige Peninsula-Tower angebaut wurde. Heute ist er 72 Jahre alt, Pensionär, aber als guter Geist des Hauses und bekanntester Barkeeper Hongkongs immer noch in Teilzeit fürs Hotel tätig. Johnny will das so.

          Geschichten wie diese sind sympathisch und menschlich. Und das färbt ab aufs Hotel und die Kette dahinter. Stammgäste freuen sich, wenn sie Johnny bei ihren Besuchen wiedersehen. Er ist einer, den man erkennt. Hoteldirektoren, Rezeptionisten und Kofferträger kommen und gehen, Johnny bleibt. Wie auch so mancher Gast dem Hause treu ist: Der Johnny unter den Gästen ist ein hundertjähriger Schweizer, der seit Jahrzehnten einmal jährlich jeweils für vier Wochen im „Pen“ logiert. „Ich habe im Lauf meiner 57 Jahre im Peninsula für ihn viele Drinks gemixt - und für zehn Hoteldirektoren gearbeitet“, sagt Johnny mit einem Hauch von Stolz - und es bedarf zähen Nachfragens, bis er seinen Lieblingsdirektor aus all den Jahren benennt. Chinesen, sogar die weltoffeneren Hongkong-Chinesen, sind in diesen persönlichen Dingen immer etwas scheu, aber dann sagt Johnny: „Es war sicher Herr Felix Bieger, der insgesamt vierzig Jahre Hoteldirektor war.“ Nach dem Schweizer ist nicht nur das In-Restaurant „Felix“ im 28. Stock benannt, eine Ehre, die nur sehr selten Hoteldirektoren zuteilwird, er hat Johnny auch die sieben Bs beigebracht: „Begrüßen, beraten, bedienen, betreuen, bedanken, begeistern und damit binden, sagte er immer. Und: Für jeden Gast das Beste, das wäre das achte B!“

          Außenansicht einer Legende: das Peninsula Hongkong
          Außenansicht einer Legende: das Peninsula Hongkong : Bild: Jochen Müssig

          Diese acht Bs gelten im „feinsten Hotel östlich von Suez“ - so das Gründungscredo von 1928 - für alle. Für das junge Pärchen, das in der Lobby auf einen Tisch wartet, um einmal den legendären Afternoon-Tea zu genießen, genauso wie für den CEO, der auf dem Dach des Hotelturms per Hubschrauber einfliegt und die knapp vierhundert Quadratmeter große Peninsula-Suite beziehen wird - für rund 12500 Euro pro Nacht, inklusive einem Rolls-Royce. Die Bs galten natürlich auch für Clark Gable, der zu Johnny in die Bar im Erdgeschoss kam und einen Screwdriver bestellte. Johnny war inzwischen ein junger Bartender, der aber zu dieser Zeit den amerikanischen Drink ebenso wenig kannte wie den Schauspieler. Also rief er sofort in der Technikabteilung des Hauses an und keine fünf Minuten später bekam der Hollywood-Star seinen Screwdriver. Dieser staunte nicht schlecht, als ihm kein Cocktail mit dem Namen, sondern ein echter Schraubenzieher gebracht wurde. Heute ist der Screwdriver der Signature-Drink des Hauses, denn es war schließlich Clark Gable, der Johnny die Mischung beibrachte.

          Die alte Dame bleibt jung

          Das junge Pärchen hat inzwischen seinen Tisch für den Afternoontea bekommen. In der Nachmittagsschicht arbeitet auch der Auszubildende Foong Leung in der Lobby. Er ist 23 Jahre alt und durchläuft vier wichtige Stationen des Hauses, von Front-Desk über Einkauf und Marketing bis Food & Beverage. Er steht für die junge Generation der Angestellten. „Ich wollte in keine Bank. Mehr Geld gibt es natürlich drüben

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