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Pauschalreisen : Geld zurück bei Reisemängeln

  • -Aktualisiert am

Auf die Qualität von Pauschreisen der großen Konzerne sollen Urlauber vertrauen können. Geht etwas schief, garantieren sie den Reisepreis zurück.

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          Mit einem Gütesiegel will der Reiseveranstalter Thomas Cook seit diesem Jahr die "Qualität der schönsten Tage des Jahres garantieren". Stimmt die Unterkunft mit den Katalogangaben nicht überein, verspricht der Veranstalter den Mangel binnen 24 Stunden zu beheben. Gelingt das nicht, kann der Urlauber mit den nächsten Flieger zurück nach Hause fliegen. Der Veranstalter erstattet den Reisepreis. Die Qualitätsgarantie gilt neben Neckermann Reisen auch für die Konzern-Schwestern Kreutzer und Terramar.

          Neu ist die Idee nicht: Bereits vor zwei Jahren führte Branchenprimus Tui ein Qualitätsversprechen mit fast identischem Wortlaut ein. FTI und Alltours zogen nach. Nach dem Ausstieg von FTI ist Thomas Cook nun der Dritte im Bunde. Nach den heftigen Preiskämpfen der vergangenen Jahre setzen die Touristikkonzerne auf Qualität und verlangen dafür den entsprechenden Preis. "Mit dem Slogan 'billiger als im Vorjahr' muss endlich Schluss sein", sagt Dr. Volker Böttcher, Vorsitzender der Geschäftsführung von Tui Deutschland.

          Für Verbraucherschützer nur Marketing-Gag

          Das klingt verheißungsvoll für den Urlauber. Doch Verbraucherschützer haben die Qualitätsversprechen der Veranstalter längst als reines Marketinginstrument abgestempelt. Die Geld-zurück-Garantie spiegele lediglich die gültige Rechtslage wieder, heißt es. "Gängige Rechtssprechung ist, dass der Reisende den Vertrag ab einer Minderungsquote von etwa 50 Prozent kündigen kann", sagt Sabine Fischer, Reiserechtexpertin der Verbraucherzentrale Brandenburg. Auch von Veranstalterseite wird zugegeben, dass es sich bei solcherlei Versprechen eher um Marketingmaßnahmen handelt. Anette Forré, Sprecherin des zur Rewe-Gruppe gehörenden Veranstalters ITS: "Die Rückzahlung des Reisepreises bei erheblichen Mängeln ist bei uns gelebter Alltag".

          Die Veranstalter begeben sich trotzdem auf dünnes Eis. Denn in ihren allgemeinen Versprechen garantieren sie den Reiserücktritt nicht nur bei gravierenden, sondern auch bei kleinen Mängeln. So könnte ein Urlauber theoretisch zurück fliegen und sich zumindest einen Teil des Reisepreises erstatten lassen, wenn es dem Veranstalter nicht gelingt, dem Gast den Föhn zur Verfügung zu stellen, den er im Reiseprospekt versprochen hatte. Seit Mai dieses Jahres gibt es hierzu auch ein rechtskräftiges Urteil des Amtsgerichts München (AZ 191 C 3759/01). Demnach haftet der Veranstalter, der ein solches Versprechen gibt, auch bei "nicht erheblichen Mängeln".

          Garantie wird kaum in Anspruch genommen

          Warum setzen sich die Veranstalter überhaupt mit dem Qualitätsversprechen unter Druck? Zum einen, weil solch Werbung wenig kostet: Wenn der Hotelier patzt, holt sich das Reiseunternehmen das Geld von ihm zurück.

          Viel zu befürchten haben die Veranstalter ohnehin nicht. Das belegt die Statistik: Schon die allgemeine Beschwerdequote liegt bei den meisten großen Reiseunternehmen nur bei etwa zwei Prozent. Verschwindend gering ist dagegen die Zahl der Reisenden, die die Geld-zurück-Garantie in Anspruch nimmt. TUI zählte im ersten Jahr nach der Einführung neun Fälle, im abgelaufenen Geschäftsjahr acht. Bei Alltours wurde die Garantie ebenfalls nur von acht der insgesamt 1,2 Millionen Gäste in Anspruch genommen.

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