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Pariser Galerien : Aus allen Ecken eilen die Freudenmädchen herbei

  • -Aktualisiert am

Restaurants zwischen verstaubten Briefmarkenhandlungen: Das Caffè Stern in der Passage des Panoramas. Bild: Rob Kieffer

In den Passagen und Galerien von Paris lagen einst Luxus und Laster eng beieinander. Und noch heute hüten sie nicht nur viele Geheimnisse, sondern auch die Seele der Stadt.

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          Eines der wenigen vernehmbaren Geräusche ist das Klappern von Damenschuhabsätzen auf dem schwarz-weißen Mosaikfußboden. Im Flüsterton unterhalten sich die Kunden, die in der Librairie du Passage nach antiquarischen Kunstbüchern mit Karikaturen von Daumier oder Montmartre-Fotos von Brassaï stöbern. Auch die Ladenglocke des Souvenirgeschäftes La Boîte à Joujoux bimmelt gedämpft, wenn Menschen eintreten, um Miniaturfiguren der Nationalhelden Napoleon, Asterix, Johnny Halliday oder Louis de Funès zu kaufen. Ansonsten herrscht unter den langgezogenen Glasrauten, die die Passage Jouffroy überdachen und das Tageslicht in sie hineinlenken, eine andächtige Stille, wie man sie im lärmenden, von Autogehupe, Sirenengeheul und Presslufthammergedröhn umtosten Herzen der Pariser Rive Droite nicht gewohnt ist.

          Die Passage Jouffroy ist ein wunderlicher, von Boutiquen gesäumter Durchgang, in dessen Mitte der kunstverzierte Seiteneingang des hundertdreißig Jahre alten Wachsfigurenmuseums Grévin die Aufmerksamkeit auf sich zieht. In die Holzverkleidung des Portals sind im Halbrelief Heroen der französischen Geschichte geschnitzt. Gleich nebenan präsentieren die Vitrinen der traditionsreichen Handwerkerfamilie Fayet kunstvolle, alte und neue Gehstöcke. Aus der Belle Époque stammen wertvolle Sammlerexemplare, in deren Aushöhlungen Ärzte Skalpelle und Fiebermesser, Architekten Wasserwaagen und Maßbänder und Damen Dolche zur Selbstverteidigung mit sich trugen.

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