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Travemünde : Im Schatten des langen Lulatsch

  • -Aktualisiert am

Thomas Manns Sommerfrische: die Uferfront von Travemünde, vom Priwall aus gesehen Bild: Franz Lerchenmüller

Das Ostseebad Travemünde avancierte einst vom Fischerdorf zur Jet-Set-Bühne. Heute ist es wieder auf der Suche nach sich selbst. Was es dabei findet, gefällt nicht allen.

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          Alle, die Travemünde zum ersten Mal besuchen, erleben irgendwann diesen einen großen Moment der Verblüffung: Sie stehen in der Vorderreihe, blicken aufs Wasser, und plötzlich schiebt sich eine Wand zwischen sie und die Halbinsel Priwall gegenüber. Sie legen den Kopf in den Nacken, der Blick geht aufwärts, immer weiter, und die Wand, die in Sicht kommt, ist nicht haushoch, sie ist mindestens zwei Häuser hoch. Die Reihe der Gebäude in ihrem Rücken scheint zu schrumpfen, sie selbst fühlen sich noch kleiner, und dann entziffern sie an der vorbeiziehenden Wand einen Schriftzug wie Peter Pan, Nordlink oder Finntrader – und staunen: Ein Fast-Ozeanriese in einer Zwergenstadt? Es passt eigentlich nicht, es sprengt die Dimensionen und erstaunt deshalb umso mehr.

          Dieses Staunen müsste im Grunde ganz Travemünde gelten, denn der Ort vereinigt seit zwei Jahrhunderten viele Gegensätze in sich und zog und zieht gerade daraus seinen Charme und Nutzen. Er war Fischereihafen und mondänes Kurzentrum, Volksbad und Jetset-Bühne, Provinzkaff und weite Welt. Er gibt sich seit Langem international und blieb doch immer heimelig. Möglich wird das, weil die Siedlung an der Mündung der Trave aus vier unterschiedlichen Quartieren mit ganz verschiedenen Funktionen besteht: dem alten Travemünde rund um Kirche und Fischereihafen, dem Badebetrieb an Vorderreihe und Kaiserallee, der Halbinsel Priwall und schließlich dem modernen Skandinavien-Kai, über den Holz und Papier aus Finnland importiert und Autos nach Russland und ins Baltikum ausgeführt werden.

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