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Oman : Westküste: In Sindbads Reich

  • -Aktualisiert am

Lokaler Schiffsbau: Dhauwerft in Sur Bild: srt

Hölzerne Segelschiffe lassen die Hafenstadt Sur aussehen wie zu blühenden Zeiten des Seehandels. Damals gab es noch keinen Kompass, keinen Sextanten: Die Sterne wiesen den Seeweg.

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          Sur, die einst bedeutsame Hafenstadt für die Handelswege zwischen Mukalla im Jemen und Basra in Persien, liegt so weiß wie Schneekristall zwischen schroffen Wüstengebirgen. Tonlos kreuzen hölzerne Segelschiffe, die Dhaus, durch den Meeresarm vor dem Hafen und erwecken die alten Bilder vom arabischen Seehandel zum Leben. Ihre Bauanleitung ist Jahrhunderte alt, oft nur mit einer kritzeligen Kreidezeichnung auf den ersten zusammengefügten Rumpfplanken entworfen und weitergedacht. Nur in Sur kann man das Entstehen dieser Meisterwerke menschlicher Schaffenskraft noch besichtigen.

          In der Dhau Werft am Rande der eher unscheinbaren Neustadt werden die hochaufgeschwungenen Schiffskörper in monatelanger Handarbeit gefertigt. Man kann es fühlen wie diese Schiffsdamen Tag um Tag an Stolz und Persönlichkeit gewinnen. Der kleinere Bootstyp, der Sambuk, von Fischern als Küstentrawler benutzt, verlangt eher nach klaren Linien. Eine Ringa, die unter vollem Lateinersegel mit beachtlicher Geschwindigkeit nach Mombasa und Basra fahren wird wie eh und je, wird reich mit Schnitzornamenten geschmückt sein.

          Die Sterne zeigen den Weg

          Ein alter Mann in hellblauer Dishdasha mit zwei jüngeren in strahlendem Weiß und malvefarbenen Turbanen umstreichen eine der entstehenden Sambuks. Der Alte erzählt mit Gesten des Fernwehs, die auf die Wasserlinie vor der Werft gerichtet sind. "Silebár, Näsh, Mádla, Máhib," so hießen die Sternbilder, nach denen er navigitierte. Abdulla Said Shames war 25 Jahre Kapitän einer Dhau, auf der er die ostafrikanischen Gewässer ansteuerte. Vierundzwanzig Sterne waren es insgesamt, die ihm den Weg wiesen, 25 Tage lang bis Sansibar. Jetzt baut der Mann naturgetreue Modelle, die er in einer windschiefen Garage neben der Werft für Touristen ausstellt.

          Das Glück eines alten Kapitäns

          Nach der Renaissance des Oman hat er als Fahrer bei der staatlichen Fernsehgesellschaft angeheuert und begleitet die beiden jungen Männer auf der Werft, um sie für einen Film über das uralte Handwerk zu beraten. Ob er die Renaissance auf dem Asphalt genießt? Da lächelt er weise und mit fast funkelnden Augen. Er genieße jetzt gerade den Geruch des frisch gesägten Holzes und könne immer noch den Wind riechen, der einmal die Segel seines Schiffes gebläht hat. Das erfülle ihn mit Stolz und großer Freude. Abdulla Said Shames hat das Privileg, beides zu kennen: die Freiheit des Meeres und eine wohlhabende Zukunft unter dem Banner der kollektiven Entwicklung. Zweifellos ist er ein glücklicher Mann.

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