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Oman : Nordküste: Alte Steine polyglott

  • -Aktualisiert am

Rustaq: eine 1.500 Jahre alte, vorislamische Festung. Bild: srt

Reise in ein versunkenes Land: Tiefgrüne Flussläufe und Ruinen einst mächtiger Städte gibt es zu entdecken. Daneben blüht der Handel mit Afrika und Asien.

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          An der halbzerfallenen, aus Korallenstein gebauten Kapelle der Schutzheiligen Bibi Mariam machen alle Off Road-Gruppen Rast. Picknick auf dem Ruinenfeld der einst mächtigen Hafenstadt Qalhat, dem letzten Zeugnis des antiken Königreichs Hormuz, das Marco Polo als das reiche Calatu beschrieben hat. Und immer wenn ein Ort bedeutsam wird, tritt der kleine, rundliche Fremdenführer Ámer auf und sagt Sätze wie: "Once it was a prosperous city", dann ein gleichgültiger Blick über die brütende Steinlandschaft und zurück in den klimatisierten Landrover.

          Eine Fahrt von der Hauptstadt Muscat entlang der Nordküste führt über bizarre Kliffs, in urgrüne Wadis und durch Flusscanyons, die von eisgrauen Steinen ausgefüllt sind - eine Reiseerfahrung als gehörte man zu den ersten Menschen, die einen fremden Planeten betreten.

          Kein Strom, kein Telefon, kaum Straßen

          Doch Ámer zollt der Fahrt ins Altertum kaum Respekt. Denn das alles scheint nichts gegen seine Studienzeit in Sankt Petersburg zu sein, und nichts gegen Moskau, wo er den verruchten Kommunismus aus der Nähe kennen lernte. Davon erzählt er im eisgekühlten Wagen mit glühenden Wangen. Nach zwei Jahren aber habe er so erbärmlich gefroren in diesem Russland, dass er seiner Mutter schrieb, sie möge ihn in den Oman nach Hause rufen. Das tat sie und er kehrte als studierter Mann heim.

          Als Ámers polyglotter Werdegang seinen Lauf nehmen konnte, dürfte er knapp fünf Jahre alt gewesen sein, hat mit anderen Kindern Kamelköttel zu Männchen geformt und vielleicht mit Palmwedeln Phantasiegemälde in den Wüstensand gezeichnet. Das heutige Sultanat Oman existierte nicht, sondern ein von der Welt vergessenes Land, dessen Herrscher Sultan Said Bin Taimur sich pharaonengleiche Rechte zuschrieb und sein Volk vor den Unbilden der modernen Welt abriegelte. Bis dahin hatte Ámers Familie ohne Stromleitungen, Telefonanbindung oder Straßennetz gelebt. Die Kinder Omans waren mit nur drei Schulen und einem Krankenhaus im ganzen Land in die Unwissenheit empfohlen.

          Ein Land wächst und gedeiht

          Im Sommer 1970 aber trat unvermittelt der gerade dreißigjährige Thronfolger vor den Kameras der BBC an die Öffentlichkeit und verkündete den unblutigen Sturz seines Vaters und die "Renaissance" des Wüstenstaates Oman. Bis zu jenem Tag war der zwar weltgereiste und in englischen Militärakademien ausgebildete Mann im Palast der südlichen Provinz Dhofar isoliert gewesen und hatte nicht die kleinste Rolle im Staatsgeschehen übernehmen können.

          Seither sind mehr als 30 Jahre ins Land gegangen. Jahre, in denen Sultan Qaboos ein Höchstmaß an wirtschaftlicher Prosperität auf seiner Seite wissen konnte. Die Rohstoffe Erdöl und Erdgas sicherten die Vergangenheit. Exportgüter wie Baustoffe, Düngemittel, Datteln stützen die Gegenwart. Ein stetig wachsender Prozentsatz an Deviseneinnahmen durch den Tourismus soll ebenso für eine rosige Zukunft sorgen wie der erst vor zwei Jahren fertiggestellte, riesenhafte Containerhafen Raysut an der südlichen Spitze der arabischen Halbinsel als Drehscheibe für den Afrika-Asien-Handel.

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