https://www.faz.net/-gxh-313u

Oman : Dhofar: Weihrauch und Mercedes

  • -Aktualisiert am

Steinerne Wüste: Wadi Haluf Bild: srt

Der Dhofar steht im Zeichen des Weihrauchs, des weißen Goldes Arabiens, der den Händlern früher unermesslichen Reichtum bescherte. In den Souks lässt man sich vom Duft berauschen, während in der "Welt der Frauen" prachtvolle Samtgewänder und ausgiebige Körperpflege die Sinne gefangen nehmen.

          2 Min.

          Schon die Königin von Saba hat sich über die arabische Weih­rauchstraße mit dem kostbaren Duft­stoff belie­fern lassen: Weihrauch. Er hat "Arabia felix", das glück­liche Arabien begründet, das durch sein Handels­monopol mit dem Harz des Weih­rauchbaums in unvor­stell­barem Reichtum lebte. Zum ehemalige Reich Hadramaut gehörte auch der Dhofar im äußersten Süden Omans, wo die gesegnete Pflanze traditionell gezüchtet wird.

          Die Hauptstadt Saláhla erreicht man nach einem Flug über eine bestürzende Endlosigkeit aus Kieswüste, Sicheldünen, Salzpfannen. Tausend Kilometer versteinertes Wüstenschweigen enden plötzlich in einem tropischen Plantagengürtel. Darin liegt die Stadt: in Weiß und Ockertönen in einen Palmenwald gestreut und vom makellosen Azur des Indischen Ozeans begrenzt.

          Berauscht vom Weihrauch

          Herzstück des alten Saláhla ist der Weihrauchsouk im Viertel Al-Hafa. Säckchen und Körbe mit Lubban, wie das duftende weiße Gold heißt, sind in farben­frohen Ständen zu Pyra­miden ge­schichtet. Daneben irdene Weihrauch­brenner und unzählige Töpfchen mit den Gehölzmischungen Bochór. Als schwere Duftnoten über den schmelzenden Weihrauch gestreut, wirken manche auf europäische Nasen wie ein Paukenschlag.

          Königliche Gewänder, königliche Preise

          Zwischen der Straße der Goldhändler und der Schneider liegt die Domäne der Frauen. Würden unter ihren schwarzen, wehenden Abayas nicht die vielen Goldreifen um Handgelenke und Knöchel klimpern, wären sie nur Schatten in einem von der Sonne scharfweiß gestrichenen Raum. Die Gesichter unter dreifachen Schleiern oder hinter der vogel­­artigen Gesichtsmaske Burka verborgen, verschwinden sie bei den "Tailleurs", wo prächtige Samtkleider, bestickt mit Perlen und Pailletten ausgestellt und mit den raffiniertesten Überwürfen dekoriert sind.

          Es sind Königinnengewänder, deren Preise ihren Männern den Schlaf rauben können. So jedenfalls sieht es Mohamed Said, ein junger Agraringenieur, dessen Spezialgebiet Boswelia Sacra ist, der Weihrauchbaum. Von der Pflege über die Ernte bis zum Export der harzigen Kügelchen legt er dem Landwirtschaftsministerium Rechenschaft ab wie es um die Produktion steht. Aber Mohamed Said wirkt nicht glücklich mit seinem Leben. "Wehe dem Mann, der eine Dhofari heiraten möchte", sagt er und ist ledig geblieben, weil er fürchtet, den Brautpreis von 20 000 Rial, rund 100.000 Mark an die Falsche zu verschwenden.

          Die Welt der Frauen

          Seinem Problem kommt man im Schönheitssalon "Womans World" auf die Spur. In der "Welt der Frauen" können sich auch Touristinnen anmelden und betreten damit ein Sesam, das nach allen Rosenwassern der arabischen Welt riecht. Sie würden ihre Schleier mit Stolz tragen, sagen die dort zum Bad, zur Hennabemalung und zur Pflege ihrer rückenlangen Seidenhaare anwesenden Grazien. Es mache sie wertvoll und bewahre ihre Ehre, wenn sie sich in der Öffentlichkeit nicht zeigen, so bekräftigen sie.

          Der Dhofar sei nicht der neue Oman. Hier gelten die alten Gesetze der Familie, der Religion und der Geschlechtertrennung. Und während sie sich im Frisierstuhl amüsieren, läuft im Fernsehen eine Omanische Heimatsendung. Sie endet mit einem virtuellen Spot, in dem eine jener mit Silbernägeln beschlagene Schatztruhen heranfliegt, wie sie in den Souks feilgeboten werden. Nach einer Drehung klappt ihr Deckel auf und Rialscheine mit dem Konterfei des Sultans flattern heraus. Und aus ihrem Boden startet ein Mercedes der S-Klasse: Mohamed Saids Traum und Alptraum zugleich.

          Weitere Themen

          Gebt Buddha seinen Anteil!

          Burma : Gebt Buddha seinen Anteil!

          Vergoldete Pagoden, Teakholzwälder und ein turbulenter Schiffsverkehr: Der Chindwin River im burmesisch-indischen Grenzgebiet führt in ein archaisches Südostasien, das sich nur langsam verändert.

          Touristenboom auf Kosten der Natur? Video-Seite öffnen

          Grönland : Touristenboom auf Kosten der Natur?

          Mit seiner wilden Natur und der unberührten Landschaft lockt Grönland immer mehr Touristen an. In den Regionen im Osten freuen sich zwar viele über die Entwicklung, doch sie fürchten auch Negativfolgen.

          Topmeldungen

          CDU-Parteitag : Revolte abgesagt

          Annegret Kramp-Karrenbauer hält auf dem CDU-Parteitag keine Verteidigungsrede gegen ihre Kritiker, sie geht in die Offensive und stellt die Machtfrage. Und Friedrich Merz betont, die CDU sei „loyal zu unseren Vorsitzenden“.
          Guter Auftritt: Christine Lagarde während des European Banking Congress in der Frankfurter Alten Oper.

          Neue EZB-Präsidentin : Guter Start für Lagarde

          Nach acht Jahren Mario Draghi hat kürzlich Christine Lagarde die Führung in der Europäischen Zentralbank übernommen. Noch ist nicht klar, welchen Kurs sie inhaltlich verfolgen wird. Im Stil hat sie allerdings schon erste Zeichen gesetzt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.