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Olympische Spiele : Rios große Illusion 

In Rio de Janeiro prallen Arm und Reich, privilegiert und hoffnungslos mit solcher Wucht aufeinander, dass die Stadt kaum ihr inneres Gleichgewicht halten kann. Bild: AFP

Keine andere Großstadt hat eine schönere Landschaft als Rio de Janeiro. Und kaum eine andere wird von dramatischeren Verwerfungen geplagt. Die Olympischen Spiele bringen keine dauerhafte Besserung.

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          Es war Liebe auf den ersten Blick für Patrícia und Bernardo. Nicht füreinander, denn die beiden waren sich schon manches Jahr als Arbeitskollegen in einem Ingenieursbüro vertraut, ehe sie schließlich ein Paar wurden. Verheiratet sind die beiden Cariocas – so heißen die Einwohner von Rio de Janeiro - mittlerweile seit elf Jahren. Das Objekt der gemeinsamen neuen Liebe von Patrícia und Bernardo Souza, beide Anfang dreißig, trägt den Namen Ilha Pura, das heißt Reine Insel. Gefunkt hat es bei ihnen schon beim ersten Besuch dort Ende vergangenen Jahres. Besonders angetan waren sie von Saint Michel. Auch Viure und Millenio waren in die nähere Wahl gekommen.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          „Am späten Samstag, kurz vor zehn Uhr abends, sind wir von unserer Besichtigungstour wieder nach Hause gekommen“, sagt Patrícia, „und gleich am frühen Sonntagmorgen waren wir wieder draußen und haben den Vertrag unterschrieben.“ Patrícia und Bernardo sind seither Eigentümer eines 131 Quadratmeter großen Drei-Zimmer-Apartments in Ilha Pura, genauer gesagt im Condomínio Saint Michel. Das kleinste der Zimmer soll in den kommenden Jahren zum Kinderzimmer werden. Ob sie sich ein Kind wünschen oder zwei, wissen die beiden noch nicht zu sagen.

          Die Reine Insel ist ein neues Stadtviertel mit 31 Wohntürmen, die jeweils 17 Stockwerke haben und dazu einen klingenden Namen, Saint Michel, Viure oder Millenio zum Beispiel. Das Viertel liegt im Stadtteil Barra da Tijuca im Westen von Rio de Janeiro in einem weitläufigen, parkähnlichen Gelände mit Radwegen und Schwimmbädern, Tennisplätzen und Springbrunnen, Spielplätzen und Grünflächen. Der Landschaftsgärtner Haruyoshi Ono, Schüler und Nachfolger des großen Gartengestalters Roberto Burle Marx, hat für die Ilha Pura ein Landschaftsensemble geschaffen, in dem dreißig verschiedene Palmenarten gedeihen, dazu allerlei Büsche und Bäume, von denen zu jeder Jahreszeit einige in prachtvoller Blüte stehen.

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          Gewiss, der Name Ilha Pura ist ein wenig hochtrabend. Aber wenn man durch die gediegene Anlage schreitet, die zudem das internationale LEED-Gütesiegel für umweltfreundliches und nachhaltiges Bauen erhalten hat, stellt sich bei Vogelgezwitscher und Wassergeplätscher tatsächlich ein insulares Gefühl ein. Weit weg ist Rio de Janeiro, die quirlige und ächzende Stadt mit ihrem chaotischen Verkehr und ihren bezaubernden Stränden. Weit weg ist das harte Gegeneinander von Arm und Reich, von tropischem Regenwald und unansehnlicher Betonarchitektur, von unbezahlbaren Penthouse-Wohnungen mit Meeresblick in Leblon und überbevölkerten Favelas wie Rocinha mit ihren durcheinandergewürfelten Backsteinhäuschen. In keiner anderen Großstadt Brasiliens ist der relative Anteil von Favela-Bewohnern so hoch wie in Rio de Janeiro: Mehr als zwanzig Prozent der 6,5 Millionen Einwohner leben in den bis zu tausend Favelas, von denen die kleinsten aus einer Handvoll Häuser bestehen und in den größten bis zu 70.000 Menschen leben.

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