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: Nur kein Gegacker beim Tee

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Die Pumpe wurde gestohlen. Sie war das Letzte. Immer stand sie im Weg. Wenn der Bauer die Wiese mähte, musste er mit dem Traktor drum herum fahren. Jetzt ist sie weg, hängt vermutlich an der Wand eines ruchlosen Romanlesers.

          Die Pumpe wurde gestohlen. Sie war das Letzte. Immer stand sie im Weg. Wenn der Bauer die Wiese mähte, musste er mit dem Traktor drum herum fahren. Jetzt ist sie weg, hängt vermutlich an der Wand eines ruchlosen Romanlesers. Kein Schild markiert den Ort, wo das Pfarrhaus von Steventon stand, in dem sie am 16. Dezember 1775 geboren wurde. Nur die Waschküchenpumpe war stehengeblieben, als der Neffe William nach Janes Tod das alte Haus abreißen ließ. Jane - wer? Englands Jane - Stolz und Vorurteil - das eleganteste satirische Talent des achtzehten Jahrhunderts... Oh, Tante Jane! Aber das alte Haus war marode und völlig unangemessen für einen geistlichen jungen Herrn. Heute umgeben Mauern und Gestrüpp den Ort. Literarische Pilger haben eine Sichtschneise geschlagen. Aber außer einer Kuhherde gibt es nichts mehr zu sehen.

          Auf dem Hügel liegt St.Nicholas, wo der Reverend Austen amtierte und Jane getauft worden war. Drinnen ist es kühl und still und duftet nach den Rosen auf dem Altar. St. Nicholas ist siebenhundert Jahre alt und eine ganz gewöhnliche Dorfkirche, aber der Pfarrer tut, was man am unteren Ende der Straße so schmählich versäumt; er erinnert an Jane Austen. Das Bild der Dame mit dem Federkiel ist auf die blauen Kniekissen gestickt.

          Steventon in Hampshire liegt in wohlbestellter Landschaft: eingehegte Weiden und Herrenhäuser zeugen noch immer von der umfassenden Flurbereinigung des achtzehnten Jahrhunderts, als die großen Ländereien arrondiert wurden und die kleinen Leute das kommunale Weideland verloren. Man fährt sehr lange an hohen Parkmauern entlang, dann eine Zufahrt, ein blickdichtes Tor, kein Name, nur eine Gegensprechanlage. Manchmal kann man die dazugehörigen Immobilien auf den Websites britischer Makler sehen; in Natur bekommt man sie selten zu Gesicht. Jane Austen betrat diese Häuser umstandslos. Sie tanzte gern, "der albernste Schmetterling auf Gattenjagd", wie die Mutter einer weniger lebhaften jungen Dame bemerkte. Und sie reiste gern. Sehr weit kam sie allerdings nicht: die Küste, London, Kent, Bath. Nie im Leben hat sie einen hohen Berg gesehen, keinen wilden Wald - so, wie sie auch nie einer Lokomotive oder einem Fahrrad begegnet ist.

          In Südengland nach ihren Spuren zu suchen ist, als reise man einem Lichtfleck hinterher. Die biographischen Orte sind oft verborgen, die literarischen Erfindung. Sie hat sich mit deren Beschreibung nicht lange aufgehalten. Jeder ihrer Leser wusste schließlich, wie es bei einem Gentleman zu Hause aussah. Die Formen ihres Jahrhunderts waren von Klarheit, Maß und Vernunft bestimmt; das galt für die Landschaft, die Häuser, die Stühle, die Teetassen und die Mode. Sie musste nur hinschauen und zugreifen. Was hätte sie aus The Vyne bei Basingstoke mitgehen lassen können? Die große Freitreppe mit ihren Säulen? Die römischen Büsten, die einer der jungen Milordi von seiner Grand Tour mitgebracht hatte? Das Haus befindet sich heute im Besitz des National Trust, und die Salons und Gärten sind vermutlich besser in Schuss als zu Zeiten ihrer Gastgeber, die um polierte Dielen und sauber abgestochene Rasenkanten nicht besorgt waren. The Vyne ist eines dieser alten, vielfach umgebauten Landhäuser, die ihre "Verbesserungen" mit Würde tragen. Der Rückfront zum See steht ein griechischer Portikus vor, der eine vergleichsweise bürgerliche Tür rahmt. Die Gartenpforte wird von zwei steinernen Adlern bewacht, deren entrüstete Mienen Miss Austen nicht entgangen sein dürften.

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