https://www.faz.net/-gxh-9jn91

Paradies in Norwegen : Kann man auf den Lofoten Ski fahren?

  • -Aktualisiert am

So sieht ein Wintersportort auf den Lofoten aus: die bunten Häuser der Fischer vor dem Weiß der Berge. Bild: Johannes Schweikle

„Auf den Lofoten hat das Skifahren keine Tradition“, sagen die Einheimischen. Unser Autor hat sich trotzdem nach Norwegen aufgemacht und es ausprobiert.

          In Böen treibt der Sturm den Schnee waagerecht durch einen dunklen Himmel. Am kleinen Flughafen bei Narvik steigen wir in einen VW-Bus, bis zu den Lofoten sind es noch 170 Kilometer. Jede halbe Stunde müssen wir anhalten, der Bergführer kratzt mit bloßen Händen das Eis von den Wischerblättern, damit er durch die Windschutzscheibe wenigstens ein verschwommenes Bild von der Straße bekommt. Sie erinnert an eine Bobbahn, rechts und links sind weiße Banden, dazwischen liegt spiegelglatt gefahrener Schnee. Immer wieder geht’s durch lange Tunnel, in denen die Straße Fjorde unterquert. Dann haben wir ein paar Minuten Pause vom Sturm.

          Am nächsten Morgen schnallen wir trotzdem die Skier an. Keiner will sich der hämischen Frage aussetzen, wie er sich eigentlich Skitouren auf den Lofoten vorgestellt habe, hoch oben an der norwegischen Küste, nördlich des Polarkreises.

          Unser Ziel ist der Varden. Dieser Berg ist nur 700 Meter hoch. Aber im Gegensatz zu den Alpen beginnt der Aufstieg nicht hinter einem hoch gelegenen Bergdorf, sondern auf Meereshöhe. Es gibt keine Hügel und kein Vorgeplänkel, gleich hinter der Küstenstraße geht’s los. Der Hang ist mäßig steil und eigentlich einfach zu bewältigen. Aber Arnd stürzt – weil eine Windbö ihn von den Beinen holt. „Das ist mir beim Aufstieg noch nie passiert“, sagt er verwundert. Bei einer Trinkpause will sich Elisabeth Tee einschenken, doch auf dem kurzen Weg von der Thermosflasche in den Becher weht’s die warme Flüssigkeit waagerecht weg.

          Weiß und grau

          Abgesehen von unserer bunten Ausrüstung hat sich die Welt auf zwei Farben reduziert: Der weiße Schnee reicht bis zum graphitgrauen Meer. Vor der Küste sind silbrigweiße Schären zu erkennen. Plötzlich reißt der Wind die Wolken auf, ein Spalt vom blauen Himmel blitzt durch, das Panorama bekommt Details. Zwischen zwei Bergen liegt ein gefrorener See unter einem glatten, weißen Tuch aus Schnee. Eine Bucht weiter ist ein Streifen heller Strand zu sehen, und das Meer leuchtet türkis, fast wie in der Karibik.

          Am Sattel unter dem Gipfel ziehen wir die Felle ab. Haben Schiss, dass der Sturm die Skier oder die Stöcke oder beides vom Berg weht. Noch eine Jacke übergezogen, dann schnell in die Abfahrt, bevor das Licht fahl wird, im Moment ist es gut. Der Hang präsentiert sich so wechselhaft wie das Wetter: drei Schwünge im Triebschnee, dann geht’s auf Eis über eine abgeblasene Stelle, anschließend kommt Bruchharsch. Am Auto atmet Arnd tief durch und sagt: „Das ist kein Pulverparadies.“

          Unsere Unterkunft liegt in Svolvær, dem Hauptort der Lofoten.

          Unsere Unterkunft liegt am Hafen von Svolvær. Der Hauptort der Lofoten hat 4000 Einwohner. Die Hallen der Werften bilden einen harten Kontrast zu den bunten Holzhäuschen. Sie ragen als eckige Kästen hochkant in den Himmel. Aber nach diesem Tag im Sturm verstehen wir, warum man hier Schiffe nicht an der frischen Luft reparieren will.

          Kleine Fischerboote laufen ein. Reling und Aufbauten sind mit Schnee besetzt, die Männer stehen starr wie Eiszapfen an Deck. Unter den Kapuzen der Overalls sieht man rotgefrorene Gesichter. Von Januar bis April kommt der Kabeljau zum Laichen zu den Lofoten, seit Jahrhunderten leben die Fischer hier von diesem Fang. Unser Ferienhäuschen ist nach dem Vorbild der traditionellen Fischerhütten gestaltet, die Rorbuer heißen: Es steht auf Stelzen über dem Wasser. Die Holzfassade ist ochsenblutrot gestrichen, innen gibt’s eine kleine Sauna und gemütliche Sofas. Der Schnee wird an große Fenster geweht. Behaglich im Warmen sitzend, sehen wir den Möwen beim Fliegen zu. Dann ertönt ein Nebelhorn – das Kreuzfahrtschiff der Hurtigruten legt ab.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          „Fridays for Future“-Demonstration vom vergangenen Freitag in Berlin

          „Fridays for Future“ : Glaube an die eigene Macht

          Eine Studie zeigt, wie die Demonstranten der „Fridays for Future“-Proteste ticken. Was ihre Motive sind, welchen sozialen Hintergrund sie haben – und für welche Parteien sie stimmen würden.
          Ende der Eiszeit: Brigitte und Emmanuel Macron mit Wladimir Putin

          Putin bei Macron : Ein Europa von Lissabon bis Wladiwostok

          Der französische Präsident Macron will Russland stärker einbinden – und gemeinsam eine neue Sicherheitsarchitektur schaffen. Dazu beendet er seine diplomatische Eiszeit mit Wladimir Putin.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.