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Nordseeinsel Amrum : Nur Quasselstrippen grüßen „Moin, Moin“

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„Lesbisch, aber trotzdem wirklich sympathisch“

Wo kann man sonst Scholle Delhi essen, wie hier im italienischen Restaurant „Rialto“, zu dem auch der gleichnamige Fahrradverleih gehört? „Gibt es denn Scholle in Indien?“ „Etwas Ähnliches“, antwortet Herr Khan, der vor achtundzwanzig Jahren über Hamburg aus Pakistan nach Amrum gekommen ist, sibyllinisch. Dann gäbe es natürlich das Inselkino „LichtBlick“ oder die Veranstaltungen im Gemeindehaus von Norddorf. Eben hier referieren an einem vor allem ernsthaften Abend die Autorin Cornelia Scheel und die Komikerin Hella von Sinnen über das Leben von Mildred Scheel. Eher heiter aber ist danach die Rückfahrt von Norddorf nach Wittdün – von der Amrum Touristik Transfer genannt – mit einer kleinen Elektro-Bimmelbahn, die ansonsten tagsüber über die Insel summt. „Moin, Moin“, sagt der freundliche Lokführer. Dabei hatte man vorhin bei Rümplers noch gelernt, dass man „Moin“ auf Amrum eigentlich nicht sagt und „Moin, Moin“ sowieso ganz ausgeschlossen ist. So grüßten nur Quasselstrippen.

Ach, Amrum! Sollte man noch an der „Blauen Maus“ aussteigen? Der legendären Inselkneipe? Oder ist es amüsanter, weiter den Unterhaltungen der älteren Damen zu lauschen, die hier durch den späten Abend ruckeln und über die Dinge des Lebens reflektieren. „Lesbisch, aber trotzdem wirklich sympathisch“, ist ein Resümee des Abends im Norddorfer Gemeindehaus.

Bild: F.A.Z.

Der kleine Zug wackelt durch die Dunkelheit. Der Mond scheint, und ein geradezu unglaublicher Sternenhimmel wölbt sich am Firmament. Die Nacht verschluckt gnädig so manche Inselhässlichkeit, und auf einmal ist Amrum dann nur noch schön. Am nächsten Morgen dann geschieht das Wunder eines blauen, fast wolkenfreien Himmels, der die ganze Welt zu umspannen scheint. Vielleicht kann man doch noch eine Nacht in den Dünen schlafen? Der Abschied vom „Hotel Hüttmann“ fällt alles andere als schwer, und das Radeln unter diesem Himmel macht glücklich. Einer der schönsten Zeltplätze Deutschlands liegt unterhalb des Amrumer Leuchtturms, unerreichbar für motorisierte Fahrzeuge.

Da spürst du dann direkt die Erdenergie

„Hey, runter da! Runter von der Düne!“, ruft Eva von Zobeltitz zwei im Sand spielenden Kindern zu. „Manchmal muss man durchgreifen. Da brütet nämlich die Hohltaube.“ Frau von Zobeltitz ist stellvertetende Vorsitzende des Amrumer Sport- und Naturistenvereins. Seit Jahresbeginn ist der ASN Pächter des spektakulär inmitten des Naturschutzgebietes Amrumer Dünen gelegenen Zeltplatzes. Camping und organisierte Nacktheit, das hat schnell einen leichten Hautgout von deutscher Vereinsmeierei. „Wir zwingen hier niemanden, sich auszuziehen“, sagt Frau von Zobeltitz, „wir sind ja keine Berufsnackten.“ Wie beruhigend.

Das erste Mal auf einem FFK Zeltplatz vergeht nicht ohne Momente der Peinlichkeit. Dabei ist die Atmosphäre tiefenentspannt und familiär. Ulrike Mrotzek, Platzmanagerin, kocht in ihrem kleinen Büro Kaffee. Ein paar Kinder, von denen es auf Amrum unendlich viele gibt, springen vergnügt herum. Hier und da leuchtet in der Dünenlandschaft ein buntes Zeltdach hervor. Es gibt noch einen weiteren Campingplatz auf Amrum, wegen der vielen Wohnwagen launig auch Kühlschrankhalde genannt. Derlei Komfort ist beim ASN e. V. verpönt. Hier zeltet man nach Pfadfinderart.

Man sollte vielleicht etwas robust sein, um die Ferien so zu verbringen. Dafür ist das Naturerlebnis überwältigend. „Die meisten schlafen ja nur auf einer Isomatte auf dem Boden“, sagt Frau Mrotzek. „Da spürst du dann direkt die Erdenergie.“ Das mag leicht esoterisch klingen, aber man muss es ausprobiert haben. Und irgendwann ist es dann auch egal, ob man eine Badehose trägt oder nicht. Es guckt sowieso keiner. Dafür ist das Glücksgefühl nackt über den Kniepsand zu laufen und in die kühle Nordsee zu springen euphorisierend. Nur Sonne, Wind und den so wunderbar feinen Amrumer Dünensand auf der Haut. Smok! Das ist friesisch und heißt schön.

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